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Cover & Impressum

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Für Susan Bowen –
die auch aus zwölftausend Meilen Entfernung
eine Zuflucht für mich war

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Maria Mill

Anmerkung der Übersetzerin: Zur Wiedergabe indischer und balinesischer Begriffe
wurde die von der Autorin gewählte anglisierte Transkription verwendet.

Vollständige E-Book-Ausgabe der im bloomsbury taschenbuch erschienenen Buchausgabe
25. Auflage 2010

ISBN 978-3-8270-7096-8
Die Originalausgabe erschien 2006 unter dem Titel Eat, Pray, Love
bei Viking, New York
© 2006 Elizabeth Gilbert
Für die deutsche Ausgabe
© 2006 Bloomsbury Verlag GmbH, Berlin
Umschlaggestaltung: Rothfos & Gabler, Hamburg,
unter Verwendung des Designs der englischen Ausgabe von © Katie Tooke
Datenkonvertierung: psb, Berlin

Sag die Wahrheit, sag die Wahrheit, sag die Wahrheit.[1]

Sheryl Louise Moller

[1] Außer man versucht, auf Bali dringende Immobilientransaktionen zum Abschluss zu bringen, wie sie im dritten Buch beschrieben werden.

Einleitung

Einleitung

oder

Wie dieses Buch funktioniert

oder

Die hundertneunte Perle

Wenn man durch Indien reist – und vor allem, wenn man heilige Stätten und Ashrams besucht –, sieht man eine Menge Leute mit Perlen um den Hals. Man sieht auch viele alte Fotos von nackten, dünnen und einschüchternden (oder mitunter auch molligen, freundlichen und strahlenden) Yogis, die ebenfalls Perlenketten tragen. Diese Ketten heißen japa malas. In Indien benutzt man sie seit Jahrhunderten, weil sie frommen Hindus und Buddhisten helfen, sich bei der Meditation besser zu konzentrieren. Die Kette wird in der Hand gehalten und wandert in einer Kreisbewegung durch die Finger – für jede Wiederholung des Mantras wird eine Perle berührt. Als die Kreuzfahrer in ihre heiligen Kriege gen Orient zogen, sahen sie unterwegs immer wieder Gläubige, die mit diesen japa malas beteten, bewunderten die Technik und brachten die Idee als Rosenkranz mit nach Europa zurück.

Die traditionelle japa mala besteht aus hundertacht Perlen. In den esoterischeren unter den östlichen Philosophenzirkeln gilt die Zahl Hundertacht als äußerst glückverheißend, da sie ein dreistelliges Vielfaches der Zahl Drei darstellt und ihre Quersumme neun beträgt. Die Zahl Neun wiederum ergibt sich aus der Addition dreier Dreien. Und natürlich ist Drei die Zahl, die für absolute Ausgeglichenheit steht, wie jeder, der jemals die heilige Dreifaltigkeit oder einen Barhocker studiert hat, sofort erkennt. Und da dieses Buch von meiner persönlichen Suche nach innerem Gleichgewicht handelt, habe ich beschlossen, es wie eine japa mala zu strukturieren und in hundertacht Geschichten oder Perlen aufzuteilen. Diese Kette von hundertacht Geschichten ist in drei Abschnitte untergliedert: einen über Italien, einen über Indien und einen über Indonesien – jene drei Länder, die ich während meines Jahres der Selbsterforschung besucht habe. Diese Gliederung bewirkt, dass jeder Abschnitt sechsunddreißig Geschichten enthält, was mich wiederum persönlich anspricht, da ich all das in meinem sechsunddreißigsten Lebensjahr niederschreibe.

Doch ich will Sie nicht mit Zahlenmystik langweilen. Die Vorstellung, diese Geschichten der Struktur einer japa mala gemäß aufzureihen, gefällt mir auch deshalb so gut, weil sie so …, nun ja, strukturiert ist. Die aufrichtige Wahrheitssuche ist kein wildes Gerangel, nicht einmal in unserem Zeitalter des wilden Rangelns. Als Suchende wie als Schriftstellerin finde ich es hilfreich, mich so weit wie möglich an die Perlen zu halten, um mich umso besser auf das konzentrieren zu können, was ich zu erreichen versuche.

Jede japa mala hat noch eine Extraperle – die hundertneunte –, die wie ein Anhänger an jenem ausbalancierten Rund von hundertacht Perlen herabbaumelt. Ich habe mir diese hundertneunte immer als eine Art Ersatzperle vorgestellt, wie der Extraknopf an einem teuren Hemd oder der jüngste Sohn einer Königsfamilie. Anscheinend aber dient sie einem noch höheren Zweck. Wenn nämlich unsere Finger beim Beten diese Perle erreichen, sollen wir unsere Versenkung unterbrechen und unseren Lehrern danken. Also halte ich, noch ehe ich überhaupt anfange, bei meiner hundertneunten Perle inne. Ich danke allen meinen Lehrern, die mir während meines Jahres der Selbsterforschung in so vielen eigenartigen Gestalten erschienen sind.

Ganz besonders aber danke ich meinem Guru, meiner Meisterin, die der Inbegriff des Mitgefühls ist und mir während meines Aufenthalts in Indien so großzügig erlaubte, in ihrem Ashram zu studieren. An dieser Stelle möchte ich auch klarstellen, dass ich über meine Erfahrungen in Indien von einem rein persönlichen Standpunkt aus berichte und weder als Theologin noch als irgendjemandes offizielle Sprecherin. Daher werde ich weder den Namen meiner Meisterin nennen, noch den Namen oder Standort ihres Ashrams verraten. Dadurch erspare ich dieser wunderbaren Einrichtung unnötige Publizität, mit der fertig zu werden sie überfordern würde. Als letzten Ausdruck meiner Dankbarkeit habe ich mich entschlossen, die Namen all der Suchenden – ob Inder oder Westler –, die mir in diesem indischen Ashram begegneten, zu ändern. Dies geschieht aus Respekt vor der Tatsache, dass sich die meisten Leute nicht auf eine spirituelle Pilgerfahrt begeben, um später als Figuren in einem Buch aufzutauchen. (Es sei denn natürlich, es handelt sich dabei um mich.) Nur eine Ausnahme habe ich mir gestattet. Richard aus Texas heißt tatsächlich Richard und kommt auch aus Texas. Ich nenne ihn bei seinem wirklichen Namen, weil er in Indien so wichtig für mich war.

Als ich Richard fragte, ob es ihm recht sei, wenn ich in meinem Buch erwähne, dass er einmal Junkie und Alkoholiker war, sagte er, das gehe völlig in Ordnung.

»Hab mir sowieso schon überlegt«, meinte er, »wie ich es den Leuten am besten sage.«

Aber zunächst – Italien …

Erstes Buch: Italien

Erstes Buch

Italien

oder

»Sprich, wie du isst«

oder

Sechsunddreißig Geschichten über das Streben nach Genuss