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Klappentext Autorenkurzbiografie

Wolfgang Effenberger

(geb. 1946) erhielt als Pionierhauptmann bei der Bundeswehr in der Zeit des Kalten Krieges tiefere Einblicke in den Irrsinn hochgerüsteter Militärapparate. Als erklärter Fachmann für geopolitische Fragestellungen und Autor mehrerer Bücher setzt er sich heute engagiert für den Frieden ein.

Willy Wimmer

(geb. 1943) war 33 Jahre lang Abgeordneter der CDU im Deutschen Bundestag, daneben hatte er verschiedene Ämter inne, u. a. als Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesministers der Verteidigung und als Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der KSZE/OSZE, wo er auf höchster staatlicher Ebene Gespräche rund um den Globus führte. Während der völkerrechtswidrigen Kriege in Jugoslawien und im Irak erregte er durch pointierte öffentliche Stellungnahmen größere Aufmerksamkeit, ebenso durch eine Verfassungsklage im Streitfall Afghanistan.

»Tiefes Wissen heißt, der Störung vor der Störung gewahr sein …«

Sunzi (um 500 v. Chr., »Die Kunst des Krieges«)

Umschlagrückseite

Einhundert Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird wieder diskutiert: Wie konnte es zu der »Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts« kommen? Im Mittelpunkt hitziger Debatten steht dabei nahezu ausschließlich die Schuldfrage. Doch mit Blick auf die damalige politische Großwetterlage muss sich die Aufmerksamkeit auch auf das Cui bono richten, nur so können die Hintergründe in ihrer ganzen Tragweite verstanden werden. Denn Kriege brechen nicht einfach aus, Kriege werden gemacht. Wer waren die Planer und Wegbereiter, wer die Nutznießer?

Wolfgang Effenberger und Willy Wimmer spüren den geheimen Zielen nach, welche kriegstreiberische Kreise seinerzeit verfolgten – und ermöglichen dadurch einen aufschlussreichen Blick hinter die Kulissen der Macht. Die Autoren demonstrieren aber auch, dass die aufgezeigten Motive und geopolitischen Interessen bis heute eine Blaupause für Auseinandersetzungen rund um den Globus bilden.

»Ein hochbedeutendes Buch.«

Rolf Hochhuth, deutscher Dramatiker

Klappentext

Die Entwicklung, welche zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte, wird heute zumeist an den Bündnisverpflichtungen innerhalb Europas festgemacht, hinzu kommen Fehlurteile sowie Selbstüberschätzung bei den Mächtigen, allen voran bei Kaiser Wilhelm II. Das jedoch ist zu kurz gegriffen. Die Lunte für das explosive Gemisch wurde schon Jahre zuvor an anderer Stelle gelegt.

Das vorliegende Buch beschreibt den Weg in die Katastrophe, identifiziert die Kriegstreiber und erläutert deren Motive und Ziele. Dabei wird deutlich, dass es sich keineswegs um Schlafwandler, sondern um kühl kalkulierende, machtbesessene Hasardeure handelte. Sie finden sich unter Politikern, Militärs, Unternehmern und Bankiers, die ihren Einfluss häufig aus zweiter Reihe ausüben. Völlig unterschätzt wird das Wirken verdeckter Netzwerke, deren Wurzeln in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurückreichen.

Heute, ein Jahrhundert später, wird erneut ein Konflikt der Großmächte heraufbeschworen, und die Massenmedien stimmen wie seinerzeit in den Kriegskanon ein. Wolfgang Effenberger zeigt anhand einer Vielzahl an Quellen, wie sich die Muster gestern und heute gleichen, ja dass heute sogar noch perfider vorgegangen wird. Besondere Betrachtung finden der Aufstieg der USA zur Weltmacht und die Aushebelung des Völkerrechts seit 1999.

Willy Wimmer ergänzt den primär historischen ersten Teil durch seine Überlegungen sowie eine Einschätzung der aktuellen Lage, welche er aus einer Vielzahl an Gesprächen und Besuchen während seiner aktiven politischen Zeit gewonnen hat. Eine der zentralen Fragen lautet dabei, wer in Deutschland künftig über Bundeswehreinsätze zu entscheiden hat. Wimmers biografische Notizen machen das vorhegende Werk zu einem Dokument der Zeitgeschichte.

Weitere Informationen zu diesem Titel unter
www.hasardeure.de

Wiederkehr
der Hasardeure

Schattenstrategen, Kriegstreiber,
stille Profiteure 1914 und heute

Von WOLFGANG EFFENBERGER
und WILLY WIMMER

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Karikatur des Imperialisten und Unternehmers Cecil Rhodes (1853–1902). Die Ausbeutung der Rohstoffe Afrikas stellte für ihn den ersten Schritt zur Vorbereitung der Weltherrschaft der »angelsächsischen Rasse« dar. Die von Rhodes mitinitiierten Burenkriege (1880/81 sowie 1899–1902) sollten den Masterplan für viele spätere Kriege bilden.

12. Auflage Juni 2020

© Verlag zeitgeist Print & Online, Höhr-Grenzhausen 2014

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Bei Übernahme von Originalzitaten: Rechtschreibung, Zeichensetzung sowie Grammatik zum besseren Verständnis korrigiert, historische Schreibweisen wurden beibehalten. Übersetzungen i. d. R. durch die Autoren.

Redaktionsschluss: Juli 2014

ISBN E-Book-Ausgabe: 978-3-943007-15-2

www.hasardeure.de

»Denn nichts, was bei den Menschen jemals Sitte ward, ist so verderblich wie das Geld: selbst Städte tilgt es aus; es jagt die Männer aus den Häusern fort, es wandelt auch die redliche Gesinnung um und lehrt sie hässlichen Geschäften nachzugehn; es unterweist die Menschen in Verschlagenheit, und auch Verbrechen nicht zu scheun bei ihrem Tun.«

Sophokles, Antigone, um 442 v. Chr.

»Dieser Krieg wäre nie ausgebrochen, wenn wir nicht unter dem Druck der Amerikaner und neumodischer Gedankengänge die Habsburger aus Österreich-Ungarn und die Hohenzollern aus Deutschland vertrieben hätten. Indem wir in diesen Ländern ein Vakuum schufen, gaben wir dem Ungeheuer Hitler die Möglichkeit, aus der Tiefe der Gosse zum leeren Thron zu kriechen.«

Winston Churchill, 1945

Inhaltsübersicht

Verzeichnis der Abkürzungen

Vorwort (von Wolfgang Effenberger und Willy Wimmer)

ERSTES BUCH

von Wolfgang Effenberger

Einführung

Krieg und Bürgerkrieg: Spirale der Machtkämpfe (1600–1913)

England ordnet die Welt neu

Der Dreißigjährige Krieg in seiner heutigen Aktualität

Das Heilige Römische Reich im Kampf mit dem Türkenreich

Der Kampf um Nordamerika: Siebenjähriger Krieg bzw. Indian War

Die Revolution von 1848

Bürgerkrieg in Nordamerika: Kreuzzug des »mobilen Kapitals«

Einigungsbestrebungen in der Mitte Europas

Berliner Kongress 1878 und die Balkanfrage

Vom serbischen Königsmord in die Bosnienkrise

Russland – Koloss auf tönernen Füßen

US-Mäzen unterstützt nationale Freiheitsbestrebungen in Europa

Bosnische Annexionskrise 1908

Pašić und die nationalserbischen Geheimbünde

Wetterleuchten im Mittelmeerraum

Balkankrieg 1912

Streit unter den Balkanstaaten – Zweiter Balkankrieg

Das Regierungsjubiläum Wilhelms II.

Dritter Balkankrieg

Ökonomische Dimensionen

Rathenaus mitteleuropäischer Zollverein

1914: Spannungsfelder und politische Interessen

Kriegsängste und Friedensinitiativen

Homer Lea und die künftigen Kriege des Empire

Nikolaus II. im Spannungsfeld zwischen Nikolajewitsch und Rasputin

»Rule Britannia« – vom Burenkrieg zum Weltkrieg

Wilson und Foch: englisch-französische Strippenzieher des Weltkriegs

Das Attentat von Sarajevo

Die zwielichtige Rolle des serbischen Ministerpräsidenten

Ein Tag nach Sarajevo: Das Attentat auf Rasputin

Unbedarft in die Julikrise

Neun Tage bis zum Abgrund

Schlieffen-Plan versus Plan XVII

Visionäre Stimmen zum kommenden »Weltkrieg«

Letzte Versuche, den Krieg aufzuhalten

Ende 2014: US-Repräsentantenhaus forciert Krieg gegen Russland

Übersicht: Wesentliche Akteure am Vorabend des Ersten Weltkriegs

Das alte Europa marschiert in den Abgrund

Mobilmachung allerorten

Handstreich von Lüttich – der Irrwitz im Detail

Kriege: automatisierter Wahnsinn gestern und heute

Clausewitz’ Kriegsphilosophie

Scheitern der kontinentalen Kriegspläne

Ermordung des Pazifisten Rasputin und Ende des Zarenreichs

Die tragische Rolle der Juden

Kriegsende 1918: Vae victis – Wehe den Besiegten

Entstehung Jugoslawiens vor dem Hintergrund angelsächsischer Interessen

NATO zerschlägt Jugoslawien

Landkarte: Die Neuordnung der Mitte Europas

Amerikas Griff zur Weltmacht

Wilson als Werkzeug kriegstreibender Kreise

Manifest Destiny – zur Okkupation erwählt

Der US-Imperialismus bricht sich Bahn

Der Krieg gegen Spanien als Blaupause für spätere Interventionen

Amerikas Sprung auf die Weltbühne

Großbritannien – Feind oder Freund der USA?

Roosevelts Machtdemonstrationen

Wilson und seine Berater

Die Hasardeure spinnen ihre Netze

Die Lusitania-Affäre – Kriegsopfer oder Kollateralschaden?

Aufregung über Mystery Ships

Wilson zwischen Kriegsbefürwortern und -gegnern

Der uneingeschränkte U-Boot-Krieg – ein Politikum

Amerika tritt in den Ersten Weltkrieg ein

Kriegspropaganda überschwemmt die Staaten

Allgemeine Militarisierung und Landung in Europa

US-Truppen sorgen für den Sieg der Entente

Amerikas Rolle bei den Friedensverhandlungen

Wilsons Völkerbundidee löst sich in Luft auf

Pfeiler der US-Außenpolitik: Gründung des CFR (1921)

Vier Wochen vor Pearl Harbor: Gründung von Freedom House (1941)

Edmund A. Walsh und die amerikanische Geopolitik der Moderne

Carter lässt den islamischen Geist aus der Flasche

Florett der Subversion: National Endowment for Democracy (1983)

Brzezinskis Imperative imperialer Geostrategie

Mit dem Seidenstraßenstrategiegesetz in den »eurasischen Balkan«

Das Marshall-Center und die geopolitischen Ziele in Eurasien

Mit inszenierten Krisen in den dritten Weltkrieg

US-Doktrin für Post-Cold War

Die Welt im Übergang aus Sicht der USA

Kritische Stimmen ehemaliger Politiker

Resümee, Bewertung und Ausblick

Kapitalinteressen durchdringen die Welt

Schlafwandler auf den Trampelpfaden der Geschichte

Kritische Betrachtung der Literatur zum Ersten Weltkrieg und zur Schuldfrage

Die STRATFOR-Sensation – Nachtrag zur 6. Auflage

ZWEITES BUCH

von Willy Wimmer

Kalter Krieg war gestern, Krieg ist heute

Empfang in der Verbotenen Stadt

»Elder Statesmen« warnen China

Erste Anzeichen chinesischer Expansionspläne

Kissingers Anschlag auf die bestehende Ordnung

Bomben auf Belgrad

Instrumentalisierte OSZE – die Inszenierung von Krieg

Eine Lektion an die Adresse Pekings

Helmut Kohl im Kreuzfeuer

Oktober 1989: Bewegende Gespräche in Moskau

Kosovo-Frage: Friedliche Konfliktbeilegung wird sabotiert

Spin-Doctoring: Richard Holbrooke und Bob Dole

Sykes-Picot-Abkommen

Bellizismus gestern und heute

Einladung nach Teheran

Geopolitische Überlegungen zu Zentral- und Nordostasien

Kurswechsel der US-Politik gegenüber Deutschland

Auf dem Weg zur deutschen Wiedervereinigung

Soziale Marktwirtschaft soll verhindert werden

Die Bundeswehr zwischen Agadir und Abu Dhabi: Will Berlin ein eigenes »nahes Ausland«?

NATO-Osterweiterung: Eine Verabredung wird ignoriert

Destabilisierung und Isolierung Russlands haben Methode

Deutsche Soldaten auf Friedensmission?

USA in Afghanistan: Kaschmir im Visier

Truppenentsendungen im Koalitionsvertrag

Von Beistandspflichten

Die schleichende Wandlung der NATO

Westeuropäische Entscheidungskompetenz – Fehlanzeige

Eine Führungsrolle für Deutschland?

Verfassungsferne Staatsräson

Wer entscheidet künftig über Bundeswehreinsätze?

Der Generalinspekteur als »Reichswehrminister«

Sicherheitspolitische Herausforderungen nach der Wiedervereinigung

Amerikas Vormachtstellung in Bündnis- und Einsatzfragen

Verfassungsklage gegen Tornados in Afghanistan

Transatlantische Netzwerke hebeln parlamentarische Kontrolle aus

NATO-Oberbefehl und die unbequeme Bündnisfrage

Wird der Parlamentsvorbehalt gekippt?

Deutsche Truppen im In- und Ausland unter fremder Verfügungsgewalt?

 

Visionen vom Frieden (von Wolfgang Effenberger und Willy Wimmer)

Die Autoren

 

Anhang

Briefe von Willy Wimmer

Denkschrift vom 20. Dez. 1989 an Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl über die NATO-Mitgliedschaft des wiedervereinigten Deutschland

Globaler Einsatz deutscher Truppen im weltweiten Interesse der USA, Brief vom 7. Dez. 1999 an Bundeskanzler Gerhard Schröder

Die amerikanische Neuordnung Europas, Brief vom 2. Mai 2000 (nach der Konferenz von Bratislava) an Bundeskanzler Gerhard Schröder

 

Anmerkungen

Literaturverzeichnis

Personenregister

Bildquellenverzeichnis

Verzeichnis der Abkürzungen

AEFAmerican Expeditionary Force
BEFBritish Expeditionary Force
BIZBank für Internationalen Zahlungsausgleich
BNDBundesnachrichtendienst
BRBayerischer Rundfunk
Btl.Bataillon
CELAC               Gemeinschaft der lateinamerikanischen und karibischen Staaten
CFRCouncil on Foreign Relations
CIDCommittee of Imperial Defence
CIMACenter for International Media Assistance
CPICommittee on Public Information
ECFREuropean Council on Foreign Relations
Fußart.-Rgt.Fußartillerieregiment
Inf.-Brig.Infanteriebrigade
Inf.-Rgt.Infanterieregiment
IPIInternationales Presse- und Informationssystem
IWFInternationaler Währungsfonds
Jäg.-Btl.Jägerbataillon
JTOJewish Territorial Organization
Kav.-Div.Kavalleriedivision
Komp.Kompanie
KSZEKonferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
LIFGLibyan Islamic Fighting Group
MGMaschinengewehr
MITMassachusetts Institute of Technology
NEDNational Endowment for Democracy
NRONichtregierungsorganisation
OHLOberste Heeresleitung
OSZEOrganisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
SOZShanghaier Organisation für Zusammenarbeit (engl. Shanghai Cooperation Organisation)
UCKUshtria Çlirimtare e Kosovës (alban. übersetzt: Befreiungsarmee des Kosovo)
USAIDUS-Agentur für Internationale Entwicklung (engl. United States Agency for International Development)

Vorwort

Von Wolfgang Effenberger und Willy Wimmer

»Geschichte muss doch wohl allein auf Treu und Glauben angenommen werden?
Nicht?«

Gotthold Ephraim Lessing, Nathan der Weise

2014 jährt sich der Beginn des Ersten Weltkriegs zum hundertsten Mal; zahlreiche neue Publikationen zu diesem gravierenden Ereignis, der »Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts«, wie es der US-amerikanische Historiker und Diplomat George F. Kennan (1904–2005) treffend formulierte, schwemmen den Markt. Denn die Folgen sind noch heute wirkungsmächtig, der Krieg selbst ein Trauma im kollektiven Gedächtnis der europäischen Völker.

Wie sieht nun die aktuelle Bewertung dieses Krieges, insbesondere seitens der deutschen Geschichtswissenschaft, aus? Ausländische, vor allem angelsächsische und französische Historiker haben sich ja bereits vor langer Zeit zu großen Teilen von der These der Alleinschuld der Deutschen verabschiedet. Ein kritischer vergleichender Blick in die Publikationen der letzten hundert Jahre soll hier die verschiedenen Ansichten gegenüberstellen.

Welche Anforderungen sollten an einen seriösen Historiker gestellt werden? Zunächst muss er sich des eigenen »Nichtwissens« bewusst sein und sich infolgedessen vor schnellen Beurteilungen hüten. Er muss in die Vorstellungswelt einer Epoche eintauchen und darf seine Schlüsse nicht aus der Rückschau und dem Stand der heutigen Wissenschaft ziehen. Frei von jeglicher Ideologie, sollte er in erster Linie ein Fragender sein und ergebnisoffen in alle Richtungen forschen.

Den ersten thematischen Anstoß zum Thema dieses Buches erhielt Wolfgang Effenberger im Mai 2005 während seiner Recherchearbeiten zu den Festlichkeiten für das 25. Regierungsjubiläum des Deutschen Kaisers Wilhelm II. im »Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz« in Berlin. Dort begann er mit der Materialsammlung für das vorliegende Werk, durchaus im Bewusstsein, dass über den Ersten Weltkrieg und dessen Ursachen mehr als ausführlich geschrieben worden ist. Mit Recht stellte Walther Hubatsch bereits 1955 fest, dass Forscher in allen Ländern sich über die Grundzüge der Vorgänge im Großen und Ganzen einig sind – sofern nicht ideologische Bindungen die unbefangene Beurteilung beeinträchtigten.

Egmont Zechlin untersuchte 1964 die Politik und Kriegführung in den ersten Monaten des Ersten Weltkriegs und wählte als Überschrift für seinen Artikel: »Deutschland zwischen Kabinettskrieg und Wirtschaftskrieg«. Manche Politiker in Berlin, Moskau, Paris oder London mögen gehofft haben, dass er auf das Maß eines Kabinettskrieges zu beschränken sei. Doch diese Annahme war höchst naiv, den Kriegstypus gab es höchstens bis zur Französischen Revolution. An einem Kabinettskrieg war lediglich ein kleines stehendes Heer beteiligt, die Kriegführung war zurückhaltend, hatte begrenzte Ziele und strebte die weitgehende Schonung von Menschen und Sachwerten an.

Doch Ende Juli 1914 mussten alle politischen und militärischen Führer geahnt haben, dass dieser Krieg mit den Millionenheeren ein gewaltiges Völkerringen von existenzieller Bedeutung werden würde. So überfielen den britischen Außenminister Sir Edward Grey am Abend des 3. August düstere Gedanken: »In ganz Europa gehen die Lichter aus, wir werden es nicht mehr erleben, dass sie angezündet werden.«Trotzdem stimmte er am nächsten Tag für die Kriegserklärung gegen Deutschland.

Dass der Krieg, der doch nur wenige Wochen dauern sollte, über die Jahre zum »totalen Krieg« eskalierte, liegt zu großen Teilen an der nationalen Kriegspropaganda, die stets der Gegenseite die Kriegsschuld aufbürdete. Das war auch notwendig, um die Massen für die weitere Kriegführung zu mobilisieren. So darf es nicht verwundern, dass die selektiven Schuldzuweisungen interessierter Kreise weit über das Kriegsende hinaus die Debatte bestimmten, um sie für ihre Nachkriegsziele zu instrumentalisieren.

Vor dem Ersten Weltkrieg wurde die Frage nach einer Kriegsschuld nicht gestellt, da seit dem Westfälischen Frieden das übliche »Tabula-rasa-Prinzip« die Prüfung der Kriegsgründe und die Strafverfolgung der Besiegten ausschloss (Oblivionsklausel). Nach Auffassung der damaligen Vorkriegszeit war die Kriegsschuldfrage also irrelevant. Das Führen von Kriegen galt als legitimes Recht der souveränen Staaten zur Durchsetzung ihrer Interessen. Im Verlauf des Ersten Weltkriegs gewann die Kriegsschuldfrage vor allem deswegen eine so große Bedeutung, weil dieser Krieg von allen beteiligten Völkern so unvergleichlich hohe Opfer an Toten und Versehrten forderte. Dadurch war der Rechtfertigungsdruck, den die Öffentlichkeit insbesondere auf die französischen und britischen Politiker ausübte, außerordentlich stark. Die Politiker lenkten mit ihrer Propaganda diesen Druck auf den Feind ab. Als Folge zwang dann später der Hass auf den Feind die demokratisch legitimierten Politiker der Siegermächte dazu, in Versailles Vergeltung zu üben.

In den Jahrhunderten nach dem Westfälischen Frieden bildete sich in Europa die Auffassung heraus, dass Kriege sich auf die gegenseitige Bekämpfung der feindlichen Streitkräfte zu beschränken haben. Die Ausdehnung der Kriegshandlungen auf das ganze Volk ist eine bedauerliche, wohl aber unvermeidliche Folge der Bildung von Nationalstaaten, der allgemeinen Wehrpflicht und der Demokratisierung, mithin also eine Folge der Französischen Revolution. Außerdem wurde der Krieg durch die Entwicklung der modernen Waffentechnik entmenschlicht.

Die schon während des Krieges einsetzende wissenschaftliche Erforschung der Kriegsursachen stieß zwangsläufig an Grenzen. Während sich 1917 die russischen Archive und 1918 die deutschen öffneten, bleiben die französischen, englischen und amerikanischen weiter unter Verschluss. Zugegriffen werden konnte nur auf die »Farbbücher«, die ja ausschließlich der Propaganda gedient hatten. Zudem erschwerten apologetische und ideologische Vorgaben die unvoreingenommene Prüfung. In diesem Dilemma untersuchten die meisten Historiker vor allem die Ereignis- und Entscheidungsabläufe während der Julikrise 1914 und zu Kriegsbeginn. Als Lackmustest dienten in erster Linie die Randnotizen des Kaisers, der u. a. auf einen Bericht vom 11. März 1914 von Botschafter Graf Friedrich von Pourtalès in St. Petersburg schrieb: »Als Militair hege ich nach allen Meinen Nachrichten nicht den allergeringsten Zweifel, dass Russland den Krieg systematisch gegen uns vorbereitet; und danach führe ich meine Politik.« Welche Beweiskraft sollen derartige, in einer kaum nachfühlbaren Stimmungslage hingeworfene Notizen haben? Sagen sie etwas über den Charakter aus? Über die Umsetzung in konkrete Politik?

An dieser Stelle sei an die Kommunikationspanne des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan erinnert. Für eine fünfminütige Radioansprache richtete er sich mit folgenden Worten in das vermeintlich ausgeschaltete Mikrofon an das amerikanische Volk: »Liebe Landsleute, ich freue mich, Ihnen heute mitteilen zu können, dass ich ein Gesetz unterzeichnet habe, das Russland für vogelfrei erklärt. Wir beginnen in fünf Minuten mit der Bombardierung.«1 Ein großer Schock in der frostigsten Zeit des Kalten Krieges! Reagan bezeichnete die Äußerung im Nachhinein als einen misslungenen Scherz, mit dem er einen satirischen Seitenhieb auf diejenigen austeilen wollte, die ihn als Kriegstreiber hinstellten. Seine politischen Randnotizen könnten vielleicht darüber Auskunft geben, wie ernstgemeint der Satz tatsächlich war. Dennoch käme heute kein Mensch auf die Idee, Reagans Gesamtpolitik an diesem Satz zu messen und Kriegsabsichten aus ihm herauszulesen.

Gerade für eine wissenschaftliche Beurteilung ist es notwendig, aus den zentralen, autorisierten Äußerungen und Handlungen eines verantwortlichen Staatsmannes ein Gesamtbild zu erstellen und seine Absichten transparent zu machen. Außerdem muss an alle Parteien die gleiche Messlatte angelegt und jede Perspektive für sich ausgeleuchtet werden.

Sowohl Wolfgang Effenberger als auch Willy Wimmer hatten während des Kalten Krieges auf unterschiedlichen Ebenen Einblick in das geplante atomare Gefechtsfeld der NATO im Fall einer militärischen Konfrontation und sind daher durch die aktuellen Entwicklungen entlang der historischen Seidenstraße äußerst beunruhigt.

Denn die gleichen Kreise, die vor hundert Jahren nationale Konflikte für ihre Interessen instrumentalisierten, sind heute wieder am Werk. Wieder wird bedenkenlos gepokert und dabei billigend die Gefahr eines Weltkrieges und damit neues unermessliches Leid in Kauf genommen. »Washington is pushing the crisis toward war«, schrieb Reagans ehemaliger Vizefinanzminister Paul Craig Roberts am 15. April 2014.2 Und der streitbare Linguist Noam Chomsky rät den Bürgern demokratischer Gesellschaften angesichts der weltweiten Aktivitäten der amerikanischen Geheimdienste und ihrer Angriffe auf die Demokratie, sie sollten »Kurse für geistige Selbstverteidigung besuchen, um sich gegen Manipulation und Kontrolle wehren zu können.«3 Die Intellektuellen hätten die Verantwortung, die Wahrheit zu sagen und Lügen aufzudecken.

Diesen Versuch wollen wir, Wolfgang Effenberger und Willy Wimmer, mit »Wiederkehr der Hasardeure« wagen. Das Werk ist nicht nur ein weiterer Beitrag zur Geschichte des Ersten Weltkriegs. Vielmehr soll es Hintergründe aufzeigen, die auch die aktuelle Weltpolitik verstehen helfen.

Pöcking/Jüchen im Juli 2014

ERSTES BUCH

Von Wolfgang Effenberger

Einführung

In den gewitterschwülen Juli- und Augusttagen des Jahres 1914 ging die Friedensordnung in Europa unter, im Kriegsverlauf zerbrachen die Strukturen der bürgerlichen Vorkriegsgesellschaft, und zwar sowohl bei den Verlierern als auch den Gewinnern. Auslöser war das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 in Sarajevo – der Hauptstadt des zu Österreich-Ungarn gehörenden Kronlandes Bosnien-Herzegowina.

Wer stand wirklich hinter dem Attentat? Was sollte es bewirken, und wer wollte davon profitieren? Laut dem jugoslawischen Historiker Vladimir Dedijer4 wurden damals nicht weniger als sieben Staaten und vier politische Gruppen der Urheberschaft beschuldigt, darunter die Regierungen bzw. Geheimdienste von Serbien, Russland, Ungarn, Österreich, Deutschland, Frankreich und England sowie Juden, Freimaurer und Anarchisten. Mit Resignation muss man feststellen, dass nach einem Jahrhundert die Hintergründe noch immer nicht offengelegt wurden. Das Interesse an den Ursachen hält sich indes – aus welchen Gründen auch immer – trotz des Jubiläumswirbels in Grenzen.

In den deutschen Medien steht immer wieder die Person Wilhelms II. im Zentrum des öffentlichen Interesses, dem von vielerlei Seiten die Schuld am Ausbruch des Krieges zugeschoben wird, und es gibt wenig Widerspruch. Wie konnte sich diese Sicht derartig zementieren? Bereits ein Jahr nach Kriegsausbruch kam in London das Buch »J’accuse« des im Schweizer Exil lebenden Deutschen Richard Grelling heraus. Er spricht vom »Hohenzollernschen Eroberungskrieg« und klagt den Kaiser an. Der Hamburger Historiker Fritz Fischer (1908–1999) führt mit seinem 1961 erschienenen Werk »Griff nach der Weltmacht« die These von der deutschen Alleinschuld bis an sein Lebensende konsequent fort, gefolgt von Schülern, die seinen Ansichten folgen. Daneben gibt es auch Geschichtsforscher, welche auf andere Kriegsbeteiligte als nicht weniger Schuldige verweisen. Mit der bei vielen deutschen Historikern typischen Verbissenheit wird so in der Nachbetrachtung des Ersten Weltkriegs um Kriegsschuld versus Kriegsunschuld gefochten.

Im Vorwort hält Fischer fest, dass sein Buch weder Anklage noch Verteidigung sei. »Beides ist nicht Aufgabe des Historikers.«5 Dieser habe Tatsachen festzustellen, sie in den Zusammenhang von Ursachen und Folgen einzuordnen und die Vorstellungen, Zielsetzungen und Entschlüsse einzelner Personen als Faktoren der politischen Willensbildung zu »verstehen«, ohne zu zensieren oder zu entschuldigen. Auch sollte der Historiker vermeiden, vereinfachend und damit entstellend für eine später als verhängnisvoll erkannte Entwicklung einen »Sündenbock« an den Pranger zu stellen.

Der von den anderen Großmächten Europas als so bedrohlich empfundene »Griff nach der Weltmacht« Deutschlands war vornehmlich eine Geschichte des Scheiterns. Dem Kaiserreich war es nicht gelungen, die Zusammenschlüsse der Ententemächte 1904 und 1907 zu verhindern. Bei allen kolonialen und internationalen Streitigkeiten, ob in Samoa, Marokko, Westafrika, Südamerika oder am Persischen Golf, gingen die Diplomaten Wilhelms II. als Verlierer vom Platze. Nur in der bosnischen Annexionskrise konnte sich Berlin erfolgreich für die Interessen Wiens einsetzen – was sich indes als Pyrrhus-Sieg herausstellen sollte. Inzwischen gilt Fischers These, Deutschland habe im Juli 1914 den Weltkrieg entfesselt, weil es nach »Weltherrschaft« strebte, als wissenschaftlich abgetan. Fischers Verdienst bleibt jedoch, die Diskussion über den Ursprung des Krieges grundsätzlich angeregt zu haben. Ohne diese Debatte wäre auch das vorliegende Buch vermutlich nicht geschrieben worden. Es soll helfen, Fischers einseitigen Blick auf das Kaiserreich mittels eines Rundblicks auf die anderen Akteure zu ergänzen. Der Krieg war das Ergebnis eines irrsinnigen imperialen Zeitalters, in dem vor allem um neue Märkte gerungen wurde. Und hinter der Entscheidung standen keineswegs die Völker der beteiligten Länder – nein, es waren jeweils nur eine Handvoll Männer: Hasardeure, die aus Gier und Machtbesessenheit an der Stellschraube zum Krieg gedreht hatten. Nicht anders als heute auch.

Das vorliegende Werk beleuchtet die Parallelen von 1914 zu 2014 und zeigt, wie auf den Anschlag von Sarajevo und den von New York (9/11), der mit seiner Symbolkraft durchaus vergleichbar ist, reagiert wurde und noch heute reagiert wird. 1914 bestand das politische Ziel der Attentäter in der Destabilisierung Österreich-Ungarns und der Eroberung von dessen südöstlichen Provinzen – ein Ziel, das bekanntlich 1918 verwirklicht wurde und zur Gründung des mittlerweile blutig zerbrochenen Jugoslawiens führte. Und 2014? Welche Motive verfolgen kriegstreiberische Eliten heute? Auch darauf versucht das Buch, Antworten zu geben.

In allen Parlamenten und Ministerien gab es Personen, die noch in letzter Minute den Frieden retten wollten, aber eben auch Vertreter, die im Krieg die einzige Lösung sahen, und wieder andere, denen es nur um ihre ganz eigenen Interessen ging. Eine kurzsichtige Kriegsschulddiskussion verhindert den Blick auf die tiefer liegenden Gründe sowie die komplexe Entwicklungsgeschichte. Hier reicht es nicht aus, die diplomatische Geschichte Europas von 1870 an zu bewerten. Marksteine in der Entwicklung auf den August 1914 hin dürften ebenso in der Französischen Revolution samt den Eroberungskriegen Napoleons wie auch in den verheerenden Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges liegen – geschichtliche Traumata, abgespeichert im kollektiven Gedächtnis. Vielleicht gehen manche Grundprobleme sogar auf die Zeit Karls des Großen zurück. Als exemplarisch ist auch die Geschichte des Kosovo anzusehen, die untrennbar verbunden ist mit der historischen Schlacht auf dem Amselfeld am 28. Juni 1389. Derartige nationale, transgenerationale Geschichtstraumata können beweint oder politisch ausgebeutet werden. Im letzteren Fall werden sie zum explosiven Gemisch, wenn sie nationalistisch unterfüttert und von der Presse instrumentalisiert werden. Dazu kommen die Probleme des industriellen Wandels und der Verstädterung. Ferner sind zu berücksichtigen: die Übervölkerung, die Versorgung, der Welthandel, die Rohstoffe, die Kolonien, das internationale Kapital und letztlich die alles überlagernden geopolitischen Interessen.

Heute wird peinlich darauf geachtet, den in Versailles zweifellos diktierten Vertrag als Friedensvertrag zu bezeichnen. Obwohl die deutsche Delegation zu den langwierigen mündlichen Verhandlungen über den Vertragsinhalt nicht zugelassen war, musste sie am 28. Juni 1919 – exakt fünf Jahre nach dem Terroranschlag in Sarajevo – nach ultimativer Aufforderung den vorgelegten Vertrag unterzeichnen. Nachdem im Weigerungsfall mit dem Einmarsch von Truppen gedroht wurde, unterzeichneten die Deutschen unter Protest. Auch nach damaligem Rechtsverständnis war ein Vertrag, der durch Drohung zustande gekommen war, nichtig.

Im Vergleich zu Versailles war der 1648 in Münster und Osnabrück geschlossene »Westfälische Frieden« geradezu nobel. Hier haben die ehemaligen Kriegsgegner nämlich gemeinsam die Bedingungen für den Frieden ausgehandelt. An dieser Stelle muss auch auf die Friedensverhandlungen von 1814 und 1815 hingewiesen werden, bei denen dem Vertreter des völlig besiegten Frankreichs ein Mitspracherecht auf Augenhöhe eingeräumt wurde. Die Friedensbedingungen waren dann auch für Frankreich sehr milde. Die Siegermächte hatten das zukünftige machtpolitische Gleichgewicht als Verhandlungsziel vor Augen und nicht, wie ca. 100 Jahre später, die Demütigung, Verleumdung, Ausbeutung, Verelendung, Ausgrenzung und völlige Niederwerfung des besiegten Volkes. Die Strategie der Sieger von 1918 war dumm und gefährlich. Sie bürdete der jungen deutschen Demokratie eine lebensgefährliche Hypothek auf und düngte den Acker, auf dem der Ungeist heranwuchs, der zum Zweiten Weltkrieg führen sollte.

Nun ist zu hoffen, dass sich nach hundert Jahren auch in Deutschland eine komplexere Sicht auf diese katastrophale Zeitenwende einstellt. Es geht nicht darum, Kriegsschuld oder -unschuld zu beweisen. Vielmehr kommt es darauf an, gemeinsam zu untersuchen, wie es zu diesem verheerenden Krieg kommen konnte. Nur dann wird man ähnliche Entwicklungen in unserer Zeit besser erkennen und hoffentlich verhindern können.

Zurück zu Kaiser Wilhelm II. und der Schwierigkeit, sich von seiner Person ein objektives Bild zu machen. Sein Hang zu großem Pomp und militärischem Prunk sowie sein forsches und schillerndes Auftreten brachten dem Monarchen von seinen besorgten wie auch konsternierten Zeitgenossen zu Recht Kritik ein, die häufig bis zur Verleumdung gesteigert wurde. Doch schon vor 50 Jahren forderte der englische Bismarck-Biograf Ian F. D. Morrow6, Wilhelm II. so darzustellen, wie »er sich dem heutigen, verständnisvolleren, besser informierten Historiker offenbart«.7 Dieser Appell wird bis heute weitgehend überhört. Es ist zu hoffen, dass er jetzt endlich ernst genommen wird. Auch dazu möchte das Buch beitragen. Es wagt den Versuch, die Epoche Wilhelms II. aus der damaligen Zeit heraus verstehend zu schildern.

Zweifelsohne gehörte Wilhelm II. schon vor 1914 zu den Schicksalsfiguren der deutschen Geschichte. Aber spiegelte seine Persönlichkeit nicht die Chancen und die Hoffnungen des englischen und des deutschen Volkes wider? Hätte nicht der Lieblingsenkel der britischen Queen Victoria zum Glücksfall für die Engländer und für die Deutschen werden können? So war er als Kind und Jugendlicher häufig gern gesehener Gast nicht nur im Windsorpalast, sondern auch im schottischen Schloss der Queen.

Queen Victoria ließ sich von ihrer Tochter Victoria Adelaide über die Erziehung ihres ersten Enkels immer auf dem Laufenden halten. Die Zuneigung des Kaisers zu seiner Großmutter und das eher schwierige Verhältnis zu seiner Mutter, der »Engländerin«, der am Berliner Hof mit großem Misstrauen begegnet wurde, und dem ebenfalls ungeliebten Onkel Edward, dem späteren englischen König, ließen wohl in Wilhelm II. jene oft beschriebene Hassliebe entstehen, die seine Beziehung zu England nach dem Tode Victorias prägen sollte. Trotz aller familiären Querelen fühlte sich der Hohenzoller mit englischen Vorfahren als Freund der Briten.

An der Mittelmeerküste Nordafrikas rivalisierte England mit Frankreich. Bismarck konnte sich auf eine kontinentale Politik beschränken und kam somit England nicht in die Quere. Zudem war England auch wirtschaftlich ein Koloss, das soeben gegründete zweite Deutsche Reich hingegen ein Zwerg. Doch Deutschlands Volkswirtschaft wuchs rasant und begann um die Jahrhundertwende die britische zu überflügeln. Das Deutsche Reich wurde nun zum Konkurrenten, der dem British Empire im Welthandel ständig wachsende Marktanteile abnahm, und als solcher als Bedrohung für den eigenen Wohlstand empfunden. Die britischen Imperialisten reagierten darauf in altbewährter Manier, nämlich durch Bildung einer Allianz mit dem Ziel, den Rivalen bei passender Gelegenheit zu erledigen.

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Wilhelm II. als Vierjähriger mit seinem Vater Friedrich Wilhelm auf Schloss Balmoral, Schottland (1863). Rechts: Wilhelm II. als 24-Jähriger in schottischer Tracht. Das Foto signierte er mit »I bide my time« (Ich warte, bis meine Zeit kommt) (© Abb. 1)

Soweit einige Schlaglichter auf die machtpolitische Konstellation vor dem Krieg, die zeigen sollen, wie hochkomplex die wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen miteinander verwoben waren. Ziel dieses Buches soll sein, die verwickelte Situation gegenseitiger Konkurrenzverhältnisse und Interessenlagen transparent zu machen. In diesem Zusammenhang muss die These eines »zweiten Dreißigjährigen Kriegs« (Charles de Gaulle 19418 und Winston Churchill 1944 und 19489) neu diskutiert und der Frage nachgegangen werden, ob Wilhelm II. eine Kollision hätte verhindern können.

Den Beginn des Buches bildet eine kurze Rekapitulation der europäischen Machtkämpfe seit der Reformation, die zu den verhängnisvollen Konstellationen Ende des 19. Jahrhunderts führten, woraufhin sich die Rivalitäten zuspitzten. Zum Verständnis der historischen Wurzeln ist diese Rückblende unverzichtbar. Der Dreißigjährige Krieg und die koloniale Eroberung Nordamerikas sind dabei besonders wichtig. Anschließend nähert sich die Betrachtung dem Brennpunkt Balkan, der zum Auslöser des Ersten Weltkriegs wurde. Der Grund aber lag nicht in Serbien, sondern im Spiel der Macht- und Profitinteressen, von einigen wenigen Hasardeuren hinter den Kulissen skrupellos gespielt – oft ohne Wissen der offiziellen Machthaber. So kam es trotz des allgemeinen Friedenswillens zum Countdown in die Katastrophe. Exemplarisch sowohl für die Hybris der Strategen als auch für das Leiden des einzelnen Soldaten steht die folgende Schilderung des »Handstreichs gegen Lüttich« Anfang August 1914. Nach einer Bewertung der Motive und Folgen des »Großen Kriegs« folgt schließlich die Analyse der Rolle der Vereinigten Staaten von Amerika. Deren Aufstieg zur einzigen Weltmacht ist untrennbar mit dem Ersten Weltkrieg verbunden und nimmt daher in dem Buch größeren Raum ein. Amerikas Eintritt hat den Sieg der Entente erst ermöglicht und damit auch das Ergebnis von Versailles.

Die Ungerechtigkeiten des Vertrags von Versailles waren eine der wesentlichen Ursachen für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Danach konnten die USA ihren Brückenkopf Europa mit dem Zentrum in der neu geschaffenen Bundesrepublik Deutschland weiter ausbauen. So zieht sich die Linie der erfolgreichen Strategie der USA über den Kalten Krieg und den Zusammenbruch der Sowjetunion bis in die Gegenwart, in der, wie Willy Wimmer zeigt, die Bruchlinien des Ersten Weltkriegs erneut aufreißen. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch die Nahost-Expertin Karin Kneissl. Für sie tobt im Nahen Osten immer noch der Erste Weltkrieg.10 Resigniert stellt sie fest: »Es sind unglaublich viele Feiglinge am Werk; es fehlen die Denker mit Rückgrat.«11 Paralysiert stehen sie als Gefangene der eigenen Geschichte vor den Problemen der Gegenwart. Doch nur wer die Vergangenheit reflektiert, kann die Konflikte der Gegenwart lösen und ein Fundament für eine friedlichere Zukunft schaffen.

Neben dem Krisenherd in Nahost hat sich die Ukraine in den Fokus geschoben. Auch hier liegen die Ursachen weit zurück. Schon Bismarck strebte als wichtigstes geopolitisches Ziel die Trennung der Ukraine von Russland an. Heute konstruiert die Publizistik hemmungslos Feindbilder. »Da haben Medien in ganz Europa durch ihre nationale Perspektive wesentlich zur Kriegsdynamik beigetragen«12, urteilt der Medienwissenschaftler Jürgen Grimm. Dasselbe war im Vorfeld des Ersten Weltkriegs zu beobachten. Als Protest an der Ukraine-Berichterstattung der Leitmedien entzündete sich eine Gegenbewegung im Internet und in unabhängigen Zeitschriften mit beachtlichen Beiträgen von Willy Wimmer.

Krieg und Bürgerkrieg – Spirale der Machtkämpfe (1600–1913)

»Wer nicht von dreitausend Jahren sich weiß Rechenschaft zu geben, bleib im Dunkeln unerfahren, mag von Tag zu Tage leben.«

Johann Wolfgang von Goethe, West-östlicher Divan1

England ordnet die Welt neu

Im »West-östlichen Divan« klagt Goethe über die Zersplitterung Europas; er mag dabei wohl an das Geplänkel auf dem Wiener Kongress gedacht haben: »Und wer franzet oder britet, italienert oder teutschet, einer will nur wie der andere, was die Eigenliebe heischet.«2 Die nationalen Egoismen aber, so hoffte Goethe, ließen sich zügeln, sofern die Europäer sich ihrer 3000-jährigen Geschichte bewusst würden – einer Geschichte, die mit der ca. 1000 v. Chr. einsetzenden griechischen und der nachfolgenden römischen Epoche begann. Der hier nun folgende Rückblick muss sich indes auf die 300 Jahre vor dem Attentat in Sarajevo beschränken.

Mit der Reformation war eine westeuropäische Bewegung entstanden, die sich von den Fesseln des römischen Papstes befreien wollte. Gleichzeitig streckten die romtreuen Portugiesen und Spanier ihre Hände nach den neuen Welten in Übersee aus. Gerhard Mercator (1512–1594) schuf im Jahre 1569 eine europazentrierte Weltkarte, die den Seefahrern das Navigieren erleichterte und ihm Weltruhm einbrachte.3 In ihr zeigt sich Europas Wunschdenken, respektabler Mittelpunkt der Erde zu sein.4 Zwei Drittel der Kartenfläche dienten der Darstellung der nördlichen Erdhälfte, während die südliche Erdhälfte ins untere Kartendrittel gepresst war. Die alte Mercator-Karte begleitete 400 Jahre europäischer Weltherrschaft und inspirierte auch John Dee, englischer Mathematiker, Astronom, Philosoph, Mystiker und Berater von Königin Elisabeth I. (siehe Abb. unten)

Mit Erstaunen und wohl auch einer Portion Missgunst verfolgten die angelsächsischen Gelehrten den grandiosen Aufstieg von Portugal und Spanien seit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus im Jahre 1492. John Dee war mit den Ministern William Cecil (1520–1598) und Francis Walsingham (1532–1590) befreundet. Letzterer baute in den Jahren von 1578 bis 1583 auf dem Kontinent ein Spionagenetzwerk auf – gleichsam eine Vorläuferorganisation des britischen Secret Service. Mindestens 50 Agenten bezahlte er aus eigener Tasche, darunter John Dee, der unter dem Codenamen 007 in seinen Diensten gestanden haben soll.5 Um 1570 brach der Freibeuter Francis Drake zu Kaperfahrten in die Karibik auf. John Dees Expansionspläne gingen deutlich weiter: Um ein »Atlantisches Imperium« errichten zu können – Dee prägte den Ausdruck »British Empire« – forderte er eine königliche Flotte von 60 großen Schiffen oder mehr. »Dadurch werden die Einkünfte der Krone Englands und der öffentliche Reichtum sich wunderbar vermehren und gedeihen und dementsprechend lassen sich die Seestreitkräfte dann weiter ausbauen. Und so wird sich der Ruhm, das Ansehen, die Wertschätzung und Liebe und die Furcht vor diesem Britischen Mikrokosmos über das ganze weite Erdenrund rasch und sicher ausbreiten.«6 Dees Visioen stießen auf offene Ohren, seine Wünsche wurden erfüllt. England siegte im Kampf um die neuen Welten in Übersee.

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Imaginäre Landkarte des britischen Weltreichs des Geographen John Dee (1527–1608). Sie gibt nicht Landmassen, sondern »Ideengebilde« wieder. An ein zusammenhängendes »Euro-America« – mit ähnlichen Grenzen wie die NATO nach der Osterweiterung – schließt sich ein »Euro-Asia« an. Südlich davon »Islamistan« (© Abb. 2)

Der Dreißigjährige Krieg in seiner heutigen Aktualität

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts brachen innerhalb des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation trotz des Religionsfriedens von Augsburg (1555) die Glaubensgegensätze zwischen Luthertum und Katholizismus wieder auf. 1608 rief Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz die »Protestantische Liga« ins Leben, Herzog Maximilian von Bayern 1609 die »Katholische Liga«. Das Heilige Römische Reich war im Gegensatz zu Frankreich nicht zentralistisch geführt, sondern zerfiel in über dreihundert Einzelterritorien – und das im konfliktträchtigen Gravitationszentrum Europas. Die von den Kurfürsten gewählten Kaiser – fast immer aus der Herrscherfamilie der Habsburger – strebten danach, möglichst viel Macht allein und direkt auszuüben, was jedoch die einzelnen Reichsgebiete zu verhindern trachteten, z. B. die Schweiz, Norditalien, das heutige Belgien und die heutigen Niederlande. Die Habsburger beherrschten zudem Spanien, Süditalien, Böhmen und Ungarn. Somit hatte Frankreich ab dem frühen 16. Jahrhundert nur noch eine Außengrenze und einen Feind: die Habsburger.

Nach einer angeblichen Verletzung des »Majestätsbriefes«, der den Protestanten in Böhmen Religionsfreiheit zusicherte, warf am 23. Mai 1618 eine Verschwörergruppe unter Führung des aufgebrachten Heinrich Matthias Thurn (1567–1640) die beiden verhassten kaiserlichen Statthalter Jaroslav Martinitz und Wilhelm Slavata samt ihrem Sekretär Fabicius aus den Fenstern des Hradschins (in 17 Metern Höhe) – der Prager Fenstersturz wurde zum Fanal für den offenen Aufstand der böhmischen Stände gegen das Haus Habsburg, und als sichtbares Zeichen erhoben sie den Führer der »Protestantischen Union« zum böhmischen König: Kurfürst Friedrich V., Schwiegersohn Jacobs I. von England. Der »Böhmische Krieg« (1618–1620) mündete in den »Pfälzischen Krieg« (1621–1624). Dem katholischen Heerführer Johannes von Tilly hatte sich während des böhmischen Krieges ein konvertierter böhmischer Edelmann angeschlossen: Albrecht von Wallenstein (1583–1634). Mit Wallenstein, so Leopold von Ranke, trat die »außerordentlichste Gestalt« des Dreißigjährigen Krieges ins Rampenlicht.7 Der Kaiser hatte dessen Angebot, ein privates Söldnerheer aufzustellen, angenommen. Damit begann laut Gombrich »ein gräuliches Gemetzel von schlechtbezahlten, wilden Soldatenhorden«8, die hauptsächlich aufs Rauben und Plündern aus waren und je nach erhoffter Beute die Seite wechselten. Kaiser und Glaube waren längst vergessen. Heute, am Beginn des 21. Jahrhunderts, feiert diese Art der Kriegsführung fröhliche Urständ. Auch die USA setzen in ihren Kriegen private Söldnerarmeen ein, die wie einst Wallensteins Kämpen rechtlos operieren. Staatliche Souveränität, pervertiert zur Souveränität des Stärkeren.9

1628 erhielt Wallenstein das eroberte Mecklenburg als Reichslehen und den Titel »General der ganzen kaiserlichen Schiffsarmada zu Meere wie auch des ozeanischen und baltischen Meeres«. König Gustav II. Adolf von Schweden fürchtete nun, der habsburgische Kaiser beabsichtige, an Nord- und Ostsee eine Seeherrschaft zu begründen. Gleichzeitig sah er seine Chance gekommen, hegemoniale Ansprüche in Nordosteuropa durchzusetzen. Anfang Juli 1630 landete er mit einer starken Armee auf Usedom und zwang Pommern, Mecklenburg, Brandenburg und Sachsen zu einem Bündnisvertrag. So wie heute Interventionen als humanitäre Rettungsaktionen verbrämt werden, verklärte Gustav Adolf seinen Krieg als Rettung des deutschen Protestantismus – und ließ sich vom katholischen Frankreich auch noch dafür bezahlen, denn in den Augen Richelieus war er als Vorkämpfer auf deutschem Boden ein willkommenes Werkzeug gegen das Haus Österreich.10 Gestern wie heute: Machtpolitik kennt keine Moral. Gustav Adolfs enge Anlehnung an Frankreich, wo Kardinal Richelieu längst zielstrebig auf die Schwächung der katholischen Habsburger hinarbeitete, verschaffte ihm durch den Bündnisvertrag von Bärwalde am 23. Januar 1631 jährlich eine Million Livres oder 400 000 Reichstaler französischer Hilfsgelder und versetzte ihn damit in die Lage, den Offensivkrieg »zur Restitution der unterdrückten Reichsstände ins Reich zu tragen«11.

Nachdem 1635 die Reichsfürsten, Protestanten wie Katholiken, Frieden mit Ferdinand II. geschlossen hatten, griff Frankreich den habsburgischen Kaiser und dessen spanische Verwandte aktiv an, um die Umklammerung Frankreichs aufzusprengen und gleichzeitig strategisch wichtige Gebiete an sich zu reißen. Für das Heilige Römische Reich sollte der nun folgende Krieg gegen das katholische Frankreich und das protestantische Schweden (1635–1648) zur Zerreißprobe werden: Die in Böhmen als lokaler protestantisch-katholischer Konflikt begonnene Rebellion endete im Kampf zweier katholischer Machtblöcke: der spanischen und österreichischen Habsburger einerseits und Frankreichs andererseits.12 Es ging also letztlich nicht um Glaubenskämpfe, sie wurden nur zu Machtzwecken instrumentalisiert – ähnlich wie heute die von den USA in gefährlicher Weise geschürten »Glaubenskonflikte« zwischen Schiiten und Sunniten.

Die Wechselfälle des Dreißigjährigen Krieges, in dem Deutschland durch seine geographische Mittellage zur Bühne für das Kriegstheater der europäischen Mächte geworden war, endeten am 24. Oktober 1648. Im »Westfälischen Frieden« wurden der Augsburger Religionsfriede von 1555 präzisiert und alle christlichen Bekenntnisse als gleichberechtigt anerkannt. Als noch bedeutungsvoller sollte sich jedoch die veränderte Mächtekonstellation in Europa – und damit die veränderte Landkarte – erweisen: Die Schweiz und die Niederlande wurden unabhängig, Schweden stieg unter Frankreich zur neuen Großmacht auf. Die protestantische Ostseemacht erhielt Vorpommern mit Stettin und der Odermündung, Rügen, Wismar, das Erzbistum Bremen und Stift Verden (Elbe- und Wesermündung). Das katholische Frankreich bekam viele deutsche Festungen und Städte in der Nähe des Rheins und war der eigentliche Sieger. In den österreichischen Erblanden war der Protestantismus so gut wie ausgerottet, gleichzeitig wurde die Machtstellung des Hauses Habsburg vernichtet und große Gebiete verwüstet.

Für Richelieus Nachfolger Giulio Mazarin (1602–1661) bedeutete der Frieden zunächst den Triumph über Österreich und die Schwächung des Heiligen Römischen Reichs. Frankreich konnte sich von nun an als Bürge der Reichsverfassung jederzeit formal einmischen. Durch diese »Pax Gallica« mit ihren beträchtlichen Territorialgewinnen – die österreichische Landgrafschaft Ober- und Niederelsass, der Sundgau, die Landgrafschaft über zehn elsässische Reichsstädte, die definitive Bestätigung der lothringischen Bistümer Metz, Toul, Verdun und des Besatzungsrechts im rechtsrheinischen Gebiet Philippsburg sowie der Gewinn von Breisach – rückte die Einheit der deutschen Lande in weite Ferne.

Im ohnmächtigen Deutschen Reich übernahmen nun die Landesfürsten die Rolle als Träger einer neuen Entwicklung, die durch Kleinstaaterei hindurch zum Nationalstaat führen sollte. Der Titel des Kaisers war kaum mehr als ein Ehrentitel, auch wenn die Habsburger ihn noch bis 1806 führten. Mit der Unabhängigkeit der Niederlande und dem Verlust wichtiger Küstenregionen und Ostseehäfen an Schweden war Deutschland fast völlig von der Hohen See abgeschnitten und somit vom Seehandel sowie dem Erwerb von Kolonien weitgehend ausgeschlossen und verlor damit an Bedeutung. England, Schweden, Spanien und die Niederlande hingegen wurden durch ihre erfolgreiche Kolonialpolitik einflussreich und wohlhabend, sie förderten zudem ein liberales Bürgertum, das sich in den deutschen Landen nicht entwickeln konnte.13