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Wolf G. Rahn

Leicht entflammt, leicht verbrannt: N.Y.D. - New York Detectives

Leicht entflammt, leicht verbrannt: N.Y.D. - New York Detectives

Krimi von Wolf G. Rahn


Der Umfang dieses Buchs entspricht 107 Taschenbuchseiten.


Der Privatdetektiv Bount Reiniger denkt an Urlaub, aber als er in sein Büro kommt und seiner Sekretärin sagen will, dass sie beide ein paar freie Tage verdient hätten, hat sie bereits einen neuen Fall für ihn. Ein zwölfjähriger Junge bittet ihn um Hilfe. Seine Mutter hat sich von seinem Vater getrennt und Bount soll mit dem Vater reden, um die Familie wieder zusammenzubringen. Bount bedauert den Jungen, deshalb bringt er ihn nach Hause und will auch mit dem Vater reden. Als sie aber in der Wohnung ankommen, ist der Vater verschwunden und die Mutter liegt erschlagen auf dem Fußboden.


Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Ronald Irvin - Mit seinen zwölf Jahren versucht er, das Schicksal aufzuhalten.

Clint Irvin - Aus einer Gefälligkeit wird blutiger Ernst. Unaufhaltsam legt sich die Schlinge um seinen Hals.

Blackjack - In seinen Fäusten wohnt mörderische Kraft, und im Jähzorn weiß der Catcher nicht, was er tut.

Tay Walsh - Er äußert einen schwerwiegenden Verdacht.

June March - ist Bounts Assistentin und hilft ihm bei seinen Fällen.

Bount Reiniger - ist Privatdetektiv.



1

Corny Seiler blickte voller Ungeduld auf die Uhr. Eine halbe Stunde noch, dann war endlich Feierabend.

Sissy wartete sicher schon auf ihn. Wie immer. Aber sie ahnte nicht, dass er sie heute bitten

würde, seine Frau zu werden.

Der Schalterraum der kleinen Bank in Brooklyn war fast leer. Mechanisch zählte Corny Seiler fünfzehnhundert Dollar ab und schob sie einem Italiener unter dem Panzerglas hindurch.

Ein eleganter Herr mit einem kleinen Mädchen betrat die Bank. Er blickte sich suchend um. Dann strebte er auf den Auszahlschalter zu.

Er musste warten. Vor ihm waren eine üppige Blondine und ein bärtiger Finsterling an der Reihe.

Die Blondine versuchte mit Seiler einen Flirt. Doch da hatte sie kein Glück. Für den Kassierer gab es keine andere Frau außer Sissy, und wenn sie noch so blond und üppig war.

Schmollend zog die Vollbusige ab und warf dem Bärtigen einen aufmunternden Blick zu. Doch auch bei ihm blitzte sie ab. Der Mann trug seine üble Laune wie ein Banner vor sich her. Jeder konnte sie erkennen.

Der Herr mit dem Mädchen schien der Blondine nicht das geeignete Objekt für ein Abenteuer zu sein. Von Kindern hielt sie noch nichts. Und wenn, dann sollten es wenigstens eigene sein.

Corny Seiler spürte ein Kribbeln. Gefahr! Er erschrak. Er war sicher, dass der Bärtige mit unredlichen Absichten die Bank aufgesucht hatte.

Nervös tastete Seilers Fuß zum Alarmknopf, während er mit verbindlichem Lächeln nach den Wünschen des Finsterlings fragte.

„Ich brauche Kleingeld“, brummte der Mann und entfaltete eine Zwanzigdollarnote. „Lauter Dollarstücke“, fuhr er knurrig fort. „Für ’n Automaten.“

Corny Seiler wusste, dass der Kerl ihn nur in Sicherheit wiegen wollte. Er blieb wachsam. Schließlich stand er schon fast drei Jahre an dieser Stelle. Er konnte in Gesichtern lesen.

Er holte aus dem Rechen die geforderten Münzen und legte sie in die Drehschale.

„Zwanzig Dollar“, wiederholte er mechanisch und drehte die Scheibe. Seine Schuhspitze lauerte über dem Taster auf dem Boden.

Der Bärtige schaufelte die Münzen ein, kniff die Augen mit den buschigen Brauen zusammen, drehte sich um und ging zum Ausgang.

Corny Seiler war verblüfft. Das war tatsächlich schon alles? Fast war er ein bisschen enttäuscht. Ihm hätte nichts passieren können. Das kugelsichere Glas schützte ihn. Daran biss sich jeder Halunke die Zähne aus.

So konnte man sich täuschen. Vielleicht rührte auch das Kribbeln in der Nackengegend nur daher, weil er so intensiv an Sissy dachte.

„Ich brauche ebenfalls Kleingeld“, meinte der Herr mit dem ungefähr achtjährigen Mädchen freundlich.

„Gern, Sir“, antwortete der Kassierer. „Wie viel?“

„Alles“, zischte der Kunde und fuhr drohend fort: „Wenn du den Alarm auslöst, jage ich der Kleinen hier eine Kugel durch den Kopf. Also nimm lieber den Fuß zurück. Ich bluffe nicht. Die Göre ist mir egal. Ich habe sie auf der Straße aufgelesen. Für ein Päckchen Kaugummi hat sie mir den Gefallen getan. Also los, du lahme Schnecke! Schieb die Scheinchen schon rüber!“

Corny Seiler war wie erstarrt. Das Kribbeln hatte ihn nicht getrogen, doch er hatte die verkehrten Schlüsse daraus gezogen.

Verdammt! Das wehrlose Mädchen schützte kein Panzerglas. Es war dem Schuft ausgeliefert.

Ob der Gangster seine Drohung wahrmachen würde, konnte Seiler nicht sagen. Doch sollte er es darauf ankommen lassen? Ausgeschlossen! Immerhin drückte der Kerl die Mündung einer Pistole gegen die Wange der jetzt zitternden Kleinen.

Wie in Trance wandte sich der Kassierer um und ergriff die ersten Bündel mit Hundertdollarnoten. Er schob sie dem Gangster zu.

Dieser warf sie mit zufriedenem Grinsen in die Plastiktasche, die das Mädchen halten musste.

„Weiter!“, herrschte er den Mann jenseits des Trennglases an. „Schlaf nicht ein! Sonst bist du schuld, wenn das Mädchen drauf geht.“

Corny Seiler gab sich einen Ruck. Er konnte nichts ändern. Er musste gehorchen.

Während er die nächsten Bündel holte, warf er hilfeflehende Blicke zu seinen Kollegen, die aber offensichtlich von dem Überfall nichts merkten. Jedenfalls reagierte keiner.

Die Tasche füllte sich. Der Gangster stopfte die letzten Scheine hinein.

„Du wartest, bis ich weg bin“, befahl er leise und zog sich mit dem Kind zur Tür zurück.

Jetzt erst merkte einer der anderen Angestellten, was da im Gange war. Aber auch er blieb wie angewurzelt stehen, als der Bankräuber das Mädchen erneut mit der Waffe bedrohte.

Sekunden später hatten die beiden die Bank verlassen.

Corny Seiler stand so, dass er durch die Glastür auf die Straße sehen konnte.

Draußen fuhr ein dunkler Wagen vor. Ein Chrysler. Der Fahrer trug einen breitkrempigen Hut, den er tief ins Gesicht gezogen hatte.

Der Gangster versetzte dem Mädchen einen brutalen Stoß, dass es schreiend aufs Pflaster stürzte. Daraufhin warf er sich mit einem Satz ins Auto, das unverzüglich davonraste.

Erst jetzt löste Corny Seiler den Alarm aus.



2

Der schwere Körper krachte auf die Bretter. Aus den Fugen stieg Staub auf.

Der Misshandelte stöhnte, aber der andere war bereits über ihm, packte seinen rechten Fuß und drehte ihn wie einen Uhrzeiger.

Ein Schrei löste sich aus der Kehle des gequälten Mannes. Er glänzte vor Fett und Schweiß. Mit muskulösen Armen versuchte er, seinen Gegner zu fassen, doch der schlug ihm die Hände mit einer Sichelbewegung zur Seite und umklammerte nun dessen Hals.

Der Mann unter ihm röchelte. In seine schmalen Augen trat ein Ausdruck panischen Entsetzens.

„Was ist denn in Blackjack gefahren?“, wunderte sich einer der beiden Zuschauer außerhalb des Ringes. „Der gebärdet sich heute, als wollte er den Chinesen umbringen.“

„Schlechte Laune“, konstatierte der Gefragte. Laut rief er: „Kurze Unterbrechung! Hört auf, ihr beiden. Wir brauchen euch noch heute Abend für den Kampf.“

„Sag das dem Verrückten“, knurrte der Chinese schnaufend. Er krallte sich in Blackjacks Ohren und zerrte so lange daran, bis der entfesselte Catcher seinen Trainingspartner endlich freigab.

Blackjack kümmerte sich nicht um den Unterlegenen. Er kletterte aus dem Ring und hüllte sich in seinen Bademantel.

Er wollte an dem Manager und dem Trainer vorbei, doch Jus Carpenter hielt ihn auf.

„Was ist los, Blackjack? Hast du Ärger?“

Der Koloss stampfte wütend mit dem Fuß auf. „Lass mich in Ruhe!“, schrie er gereizt. „Ich mache meine Arbeit. Das muss dir genügen.“

„Wenn du dabei den Chinesen arbeitsunfähig schlägst, genügt mir das nicht. Das ist ein Training, Blackjack. Wenn du private Schwierigkeiten hast, darf der Job nicht darunter leiden.“

„Ich habe keine Schwierigkeiten“, fauchte der Catcher, der nur aus Muskeln und einem besonders stabilen Knochengerüst zu bestehen schien. „Den möchte ich sehen, der mir Schwierigkeiten machen will.“

Er legte seine Pranken ineinander und verdrehte sie so, dass es aussah, als erwürge er jemanden.

Jus Carpenter knirschte mit den Zähnen.

„Mir gegenüber brauchst du nicht den wilden Mann zu spielen, Blackjack“, erklärte er. „Heb dir das für heute Abend auf. Aber vergiss nicht. Heute gewinnt der Chinese. Das haben wir so vereinbart. Wenn dir das nicht schmeckt, musst du das Harter sagen.“

„Es ist mir egal, wer gewinnt“, zischte Blackjack. Seine zwischen dicken Fettwülsten liegenden Augen funkelten angriffslustig. Der Mann vor ihm war kaum halb so schwer wie er selbst. „Wenn ich meine Kohlen kriege, lasse ich mir sogar von dir im Ring die Fresse polieren. Aber geh mir nicht auf die Nerven, Carpenter. Das mag ich nicht. Das weißt du genau.“

„Okay! Und der Chinese mag es nicht, wenn du ihn umbringst. Jeder hat nun mal seine Eigenheiten.“

„Der Chinese ist eine Null“, meinte Blackjack verächtlich. „Der verträgt nichts. Einer wie der sollte lieber zum Ballett gehen, als in den Ring zu steigen. Bei uns braucht man Männer.“

„Männer, aber keine Killer. Ich verlange von dir, dass sich der heutige Vorfall nicht wiederholt. Haben wir uns verstanden?“

Der Catcher stierte seinen Trainer an. Hass lag in seinem Blick. Aber er griff den wesentlich Schwächeren nicht an.

„Ich mag den Chinesen nicht.“ Das war alles, was Blackjack dazu sagte.

„Du sollst ihn ja auch nicht heiraten. Ihr kämpft gegeneinander. Die Zuschauer bezahlen dafür. Sie wollen einen spannungsgeladenen Kampf mit vielen Höhepunkten sehen. Keinen Mord. Vergiss das nicht. Und jetzt macht weiter. Ich will sehen, ob du kapiert hast.“

„Keine Zeit“, knurrte der Catcher. „Ich muss dringend weg. Dauert nicht lange.“

Jus Carpenter war verblüfft. „Willst du mich auf den Arm nehmen, Mann? Jetzt ist Training. An den Zeitplan hast auch du dich zu halten. Führ dich nicht wie ein Star auf. Ich warne dich. Es gibt ’ne Menge ausgezeichneter Catcher. Harter möchte zum Beispiel gern Napoleon, den Franzosen, herholen.“

„Soll er doch. Der Franzose lockt keine Großmutter hinterm Ofen vor. Die Leute wollen mich sehen. Ich bringe das Geld.“

„Sei dir nicht zu sicher, Blackjack“, warnte der Trainer. „Jeder ist zu ersetzen.“

Der Catcher grinste böse, als er betonte: „Du auch, Carpenter. Und jetzt gehe ich nach Hause. Ich habe was zu erledigen. In ’ner Stunde bin ich wieder da.“

Er ließ Jus Carpenter wie einen dummen Jungen stehen und verschwand durch die Tür in den Duschraum.

Der andere Catcher, der wegen seines asiatischen Gesichtsschnitts nur als „der Chinese“ bekannt war, schüttelte drohend die Faust hinter ihm her.

„Das zahle ich ihm heim“, murmelte er. „Irgendwann lasse ich ihn das büßen.“



3

Auf dem Bett räkelte sich eine junge Frau. Ein aufregender Anblick, zumal sie lediglich mit einem durchsichtigen, zweiteiligen Nichts bekleidet war.

Ihr Körper durfte als makellos bezeichnet werden, wenn ihre Hüften auch für manchen Geschmack eine Idee zu breit sein mochten.

Der Mann neben ihr fand jedenfalls an ihr nichts auszusetzen. Seine Hand streichelte ihre Knie. Sie kicherte amüsiert.

„Du bist ein Kindskopf“, fand sie. „Komm zu mir, wenn du spielen willst.“

Sie drehte sich auf die Seite und versuchte, ihre Arme um seinen Hals zu legen.

Der Mann stand brüsk auf. Er war wesentlich korrekter gekleidet. Zur dunklen Smokingjacke und hellen Hose trug er eine Fliege.

„Nicht jetzt. Ich erwarte Besuch. Er kann gleich kommen.“

„Besuch?“, fragte die Dunkelhaarige stirnrunzelnd. „Eine Frau?“

„Sei nicht albern, Baby. Wie könnte ich neben dir an eine andere denken? Es ist Earl. Wir haben etwas zu besprechen.“

„Etwas, das ich nicht hören darf?“

„Wie meinst du das?“

Die Frau richtete sich langsam auf. Sie griff unters Kopfkissen und zog eine Pistole hervor.

„Was tust du mit einer Schusswaffe? Ich habe sie zwischen deinen Hemden gefunden.“

Der Mann funkelte sie wütend an. „Was soll das? Spionierst du mir nach? So etwas braucht man zu seinem Schutz. Leg sie hin! Das ist nichts für dich.“

Sie lachte. „Wieso? Muss ich mich nicht auch schützen? Ist sie geladen?“

Langsam richtete sie die Waffe auf den Mann, der sich versteifte.

„Bist du verrückt?“, krächzte er. „Willst du mich umbringen?“

Sie lächelte wie ein Engel.

„Warum nicht? Du bist nicht ehrlich zu mir. Das verletzt mich. Ich hatte mir eingebildet, wir würden einander vertrauen.“

„Was meinst du damit?“

„Ich will die Wahrheit wissen, Liebster. Sag mir, was du mit diesem widerlichen Earl für Pläne schmiedest. Ich mag ihn nicht. Wenn er mich ansieht, fühle ich mich nackt.“

„Ist das ein Wunder? Du bist doch auch so gut wie nackt. Das würde nicht nur Earl feststellen. Übrigens möchte ich ihm nicht raten, sich an dir zu vergreifen. Du gehörst mir.“ Wieder dieses spöttische Lachen. „Nimmst du es mit dem Eigentum anderer Leute auch so genau? Du warst in letzter Zeit ziemlich großzügig. Nicht, dass mich das stören würde. Aber ich frage mich doch, woher du das Geld hast.“

Der Mann wurde nervös. Er erhob sich und ging im Zimmer auf und ab.