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Das Buch

Auf einem Hügel wendete er das Pferd. Die Umrisse der Stadt zeichneten sich schwarz vor dem Sternenhimmel ab. Es würden Jahre vergehen, bis er die Stadt wiedersah. Das wusste er. Wenn er zurückkam, dann nur als reicher Edelmann. Er hätte dann so viel Gold und Silber bei sich, dass Jaroslaw erbleichen und ihn anflehen würde, Jelisaweta zu ehelichen. Als er die Kuppe des Hügels erreichte, drehte er sich ein letztes Mal um. Aber der Nebel verbarg die Stadt. Auch die Sterne waren wie ausgelöscht.

Auch wenn Harald für Fürst Jaroslaw Seite an Seite mit den Russen gegen die Wenden gekämpft hat, weist ihn Jaroslaw als künftigen Schwiegersohn zurück. Harald muss erst in die Fremde ziehen, sich einen Namen und ein Vermögen erwerben. Doch dann kreuzen sich seine Wege mit der wilden Kitai, Tochter eines Khasarenhäuptlings. Harald ahnt nicht, wie gefährlich die Kriegerin ist: Wer auch immer ihre Freiheit rauben will, bekommt die Schärfe ihrer Waffen zu spüren …

Der Autor

Jan Ove Ekeberg lebt und arbeitet in Norwegen als Autor, Journalist und Nachrichtensprecher. Schon seit früher Jugend fasziniert ihn die Welt der Wikinger. Für seine Romane um die historische Figur von Harald dem Harten hat Ekeberg jahrelang recherchiert. In Norwegen wird seine Trilogie »Der König der Wikinger« von Publikum und Presse gefeiert.

JAN OVE EKEBERG

KRIEGER
BLUT

KÖNIG DER WIKINGER

Aus dem Norwegischen
von Andreas Brunstermann

WILHELM HEYNE VERLAG
MÜNCHEN

Die Originalausgabe Den siste Vikingkongen – Djevelens rytter erschien erstmals 2018 bei Gyldendal Norsk Forlag, Oslo


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Deutsche Erstausgabe 07/2021

Copyright © 2018 by Jan Ove Ekeberg

Copyright © 2021 der deutschsprachigen Ausgabe

by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,

Neumarkter Str. 28, 81673 München

Redaktion: Heiko Arntz

Umschlaggestaltung: DAS ILLUSTRAT, München,
unter Verwendung eines Motivs von © Nick Keevil

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

ISBN: 978-3-641-21323-7
V001

www.heyne.de

· I ·

Rus

1035

Nach der Schlacht bei Stiklestad floh Harald Sigurdsson, der jüngere Halbbruder Olavs des Heiligen, durch Schweden und über die Ostsee nach Holmgard zu Fürst Jaroslaw.

Der russische Fürst war ein Schwager des verstorbenen Königs. Olavs Sohn, der zehnjährige Magnus, und dessen Mutter Astrid lebten bereits in Holmgard, als Harald dort ankam.

In jener Zeit lagen die Russen im Krieg mit den Wenden, einem mächtigen Volk, das von südlich der Ostsee stammte. Die Situation war kritisch, denn in Russland herrschte auch Streit zwischen den Brüdern Jaroslaw und Mstislaw.

Der Fürst setzte großes Vertrauen in Harald, als er ihn im Kampf gegen die Wenden zum Zweiten Hauptmann der russischen Landwehr ernannte.

1

Harald zog den dicken Pelzfäustling aus, fuhr sich mit den Fingern durch den Bart und befreite ihn von Eisklumpen.

Der Winter ging dem Ende zu. Unter den großen Fichten war der Schnee bereits geschmolzen. Draußen, in der offenen Landschaft, wo der Schnee mannshoch gelegen hatte, eroberte die Sonne immer mehr Gelände zurück. Doch jetzt, in den letzten Stunden vor Anbruch des Tages, war es noch immer so, als übe der Winter die unbeschränkte Herrschaft aus. Die beißende Nachtkälte hatte sich auf sein Gesicht gelegt. Harald rieb sich mit der warmen Hand die Wangen.

Er blickte den Hügel hinunter. Der war von Buschwerk und Bäumen befreit worden. Das Tal lag offen vor ihm. Noch war es zu dunkel, um jeden Stumpf und jeden Stein erkennen zu können. Der kleine Bach, der im Tal floss, war von der nächtlichen Dunkelheit ebenfalls noch verborgen. Doch Harald wusste, wie es dort unten aussah. Auf der Anhöhe, auf der gegenüberliegenden Seite des schmalen Tals, standen alte, knorrige Fichten. Von dort würden sie kommen. Im Schutz der Bäume, mit erhobenen Schilden. Dann würden die Wenden ihren Sturmlauf den Hügel zu ihnen hinauf beginnen. Sobald sich die Sonne über den Hügelkamm erhob.

Sie würden kommen, die Männer, die jetzt zu ihren Göttern beteten, die Axtblätter küssten und sich auf den Kampf vorbereiteten.

Von seinem Standort aus konnte Harald den schwachen Schein der Feuer sehen, an denen sich die Wenden wärmten. Sie hatten Wasser aus dem Bach geholt, der jetzt eisfrei war, hatten ihren Durst gelöscht und das Fleisch frisch erlegter Tiere gekocht. Dann hatten sie das dampfende Fleisch brüderlich geteilt, den Sud aus Holzkellen getrunken und einander erzählt, welch große Krieger sie waren und wie viele Gegner sie in der Schlacht töten wollten.

Harald wusste es genau. So bereiteten Männer sich auf einen Kampf vor. Sie selbst taten es auf die gleiche Weise.

Die Wenden glaubten an den Sieg. Ein Wochenmarsch trennte sie von Holmgard. Trugen sie in dieser Schlacht den Sieg davon, würde ihnen die Fürstenstadt offen stehen. Dort warteten Wärme, Nahrung, Bier und Wein. Auch Frauen.

Das Eis knirschte, als Harald sich umwandte. Er stieg von dem Erdwall herunter, den sie als Schanze gegen den Angriff errichtet hatten.

Sie hatten Bäume gefällt und Buschwerk und Äste angezündet, bevor sie ihre Stellungen errichteten. Alles, um sicherzustellen, dass sich der Feind nicht unbemerkt an sie heranschlich. Die oberste Erdschicht war weich geworden, nachdem sie alles Brennbare angezündet hatten, der Wall war aus feuchter Erde und Baumstämmen erbaut.

Dicht gedrängt standen Männer hinter dem Wall. Es waren die Tapfersten von ihnen, die sich zuerst in den Kampf stürzen würden. Sie hielten ihre Speere bereit und hatten die Schilde auf dem Rücken befestigt. Alle trugen eine Axt am Gürtel.

Wenn die Wenden die Talsohle erreichten und den Angriff begännen, würden diese Männer auf den Wall stürmen und sich den Reihen der rachedurstigen Wenden entgegenstellen. Die Männer wussten, dass es für viele von ihnen der letzte Sonnenaufgang sein würde.

Und dennoch wurde Harald von lächelnden Gesichtern und Scherzen begrüßt: Warum war es so schwierig, einen Wenden zu töten? Weil sie so dumm waren, dass sie es nicht einmal begriffen, wenn sie starben. Gelächter erschallte, auch wenn alle die Scherze schon viele Male zuvor gehört hatten. Der Krieg währte seit zwei Jahren. Sie hatten Städte an der Weichsel niedergebrannt, dem großen Fluss, der das Land der Wenden in zwei Teile teilte. Sie hatten getötet, die Ernte vernichtet und das Vieh geschlachtet. Als sie sich zurückgezogen hatten, waren die Felder übersät gewesen mit toten Frauen und Kindern.

Jetzt standen die Wenden tief in ihrem Land, Rus, und sie waren nur schlecht auf diese Begegnung vorbereitet.

Harald ging weiter den Hügel hinauf, dort standen die Bogenschützen. Einige hatten bereits ihre Pfeile aus dem Köcher genommen und in den Schnee gelegt, damit sie rasch nach ihnen greifen konnten. Die Schützen würden ihre zwanzig Pfeile nach bestem Ermessen einsetzen, denn wenn die Wenden erst die vordere Schanze erreicht hätten, müssten auch die Bogenschützen mit Speer und Axt kämpfen.

Schon bald würden sich alle im Kampf befinden. Mann gegen Mann.

Auf dem Hügelkamm standen die Wurfmaschinen. Es gab nur zwei davon. Mehr hatten sie nicht herbeischaffen können. Aber sie hatten Körbe aus junger Birke geflochten, sie mit Steinen gefüllt, und einen Schutzring um die Männer postiert, die die Wurfmaschinen bedienen sollten. Innerhalb des Rings lagen mit Steinen gefüllte Ledersäcke bereit. Nach und nach würden sie in die Körbe geleert werden. Bei richtiger Anwendung würden die Russen mit den Maschinen große Breschen in die Linien der Wenden treiben können.

Als Harald die Wurfmaschinen erreicht hatte, wandte er sich erneut um. Jenseits der Talsohle standen majestätische Bäume. Sie sahen aus wie alte, kampferprobte Krieger vor der Schlacht, hocherhobenen Hauptes, den Blick auf den Feind gerichtet.

Noch gab es keine Bewegung zwischen den Bäumen. Dafür sah man jetzt einen ersten schwachen Lichtschimmer über dem Hügelkamm. Bald würde ein neuer Tag anbrechen. Ein neuer Kriegstag.

Harald ging weiter hinauf, zum Kommandoplatz.

Eiliv Ragnvaldsson, der Mann, der sie durch die Schlacht führen sollte, lächelte, als Harald in den Lichtschein des Feuers trat.

»Heute ist die Hölle leer«, sagte er und rieb sich die Hände. »Alle Teufel sind jetzt da unten im Tal.« Er lachte lauthals.

»Fürst Jaroslaw?«, fragte Harald.

Eiliv warf einen Blick hinter sich, und Harald verstand, dass der Fürst beim großen Zelt war.

»Der Alte ist gerade gegangen. Er war es leid, auf dich zu warten, und sagte, dass wir kommen sollten, sobald du zurück seist«, sagte Eiliv.

»Jetzt? Wollen wir jetzt unsere Stellungen verlassen?« Harald sah ihn erstaunt an.

Eiliv nickte: »Jetzt.«

Harald ging zum Fürstenzelt. Er hörte, dass Eiliv ihm folgte.

»Was hast du drüben gesehen?«, fragte der Erste Hauptmann.

»Wenig. Es ist noch zu dunkel«, erwiderte Harald.

Ein flackender Lichtschein war zwischen den Bäumen zu sehen. Zwischen zwei Steinen lag ein glühender Stamm. Im Widerschein der Glut stand ein vom Alter gebeugter, hagerer Mann, über den Schultern das Fell eines Braunbären. Im Laufe der Jahre waren große Büschel davon abgefallen, einige im Kampf, doch die meisten aufgrund des Alters. Jaroslaw trug den Pelz in jedem Kampf, auch an warmen Sommertagen. Er sagte, er trage den schlimmsten aller Feinde über den Schultern, damit die weniger schlimmen Feinde sehen konnten, mit wem sie es zu tun bekamen.

Eiliv beschleunigte seine Schritte und trat vor Harald in den Lichtschein. Jaroslaw lächelte und streckte die Arme aus. »Mein Erster Hauptmann Eiliv Ragnvaldsson und mein Zweiter Hauptmann Harald Sigurdsson«, sagte er.

Die Männer, die sich bei ihm befanden, scharrten sich enger um den Fürsten. Jaroslaws Berater, Oleg, betrachtete Harald und Eiliv wie zwei räudige Hunde.

»Was macht ihr hier? Die Wenden können jeden Moment angreifen.« Er schüttelte empört den Kopf. »Ich habe mehr als einmal zum Fürsten gesagt, dass es Irrsinn ist, die Landwehr von zwei Knaben anführen zu lassen.«

Harald lächelte. Knaben? Er zählte zwanzig Winter und Eiliv sogar dreißig. Aber er sagte nichts, und Eiliv schwieg ebenfalls.

Jaroslaw stützte sich auf einen Mann, der ihm den Becher hielt. Er wandte sich zu seinem alten Freund und Berater um. »Sie sind hier, weil ich sie darum gebeten habe, Oleg«, sagte er. »Ich wollte sie sehen, bevor die Schlacht beginnt. Du weißt, dass sie wie Söhne für mich sind, und sollten die Wenden unsere Stellungen durchbrechen, sehen wir einander vielleicht zum letzten Mal.« Er legte eine Hand auf Olegs Schulter und sagte: »So kann es auch uns beiden ergehen.«

Mit nun milderer Stimme erwiderte Oleg: »Wenn die, die deine Söhne sind, Wladimir und Isjaslaw, ein Reich erben sollen, können deine Befehlshaber nicht hier herumstehen und sich am Feuer wärmen.«

Jaroslaw überhörte die Bemerkung und sah Harald an.

»Du warst vorn an der Schanze …«

Harald nickte. »Sie haben sich zum Angriff versammelt«, sagte er. »Oleg hat recht. Eiliv und ich sollten zurückgehen.«

Jaroslaw schloss die Augen. Er faltete die Hände und sagte laut: »Gott sei mit euch. Gott sei mit uns allen. Gott halte seine Hand über Rus.«

Den göttlichen Segen konnten sie gebrauchen, ging es Harald durch den Kopf. Es war ein großes Heer, das auf sie zukam. Als er sprach, versuchte er, seine Stimme zuversichtlich klingen zu lassen: »Wir werden auch heute siegen, so wie immer, wenn du uns führst. Wir haben gute Stellungen errichtet, und der Feind hat einen steilen Hang zu überwinden, bevor er die Waffen gegen uns richten kann. Wir können viele töten, bevor die Schlacht überhaupt beginnt.«

Eiliv räusperte sich und ließ wie immer ein Lächeln hinter seinen Worten hervorscheinen: »Wir haben gute Männer, und weitere Männer können sich uns anschließen, bevor die Schlacht entschieden ist«, sagte er. »Keiner verfügt über so gute Krieger wie du. Norwegische und schwedische Waräger und deine eigenen mutigen Russen. Wir alle sind bereit für dich zu sterben, für unseren Fürsten.«

Jaroslaw blickte sie an. »Es wäre besser, wenn meine Männer für ihren Fürsten überleben würden. Sagt ihnen: Überlebt für euren Fürsten. Sagt: Jaroslaw braucht euch, auch nach dieser Schlacht, denn in Rus herrscht immer Krieg. Hier im Norden gegen die Wenden. Im Süden haben sich die Khasaren wieder erhoben, das Reitervolk des Teufels. Und wenn uns keine Feinde angreifen, kämpfen wir untereinander – Bruder gegen Bruder! So wie Mstislaw jetzt gegen mich zieht.«

Der Fürst trat näher ans Feuer, stocherte mit einem Stock in der Glut herum. Wütende Funken stoben auf und verloren sich knisternd am dunklen Himmel.

»Sollen die Wendenkrieger für ihren Fürsten sterben. Zu ihrem König Mieszko sagen sie bestimmt das Gleiche wie ihr zu mir. Soll ihr Wunsch in Erfüllung gehen! Ich werde die Schlacht verfolgen und zusehen, wie ihr die Arbeit erledigt, die ich euch aufgetragen habe. Und wenn alle seine Männer für ihn gestorben sind, dann trete ich hervor und werde dem elenden Hund von Wendenkönig den Kopf abschlagen.«

Jaroslaw starrte in die Glut des Feuers, als könne er dort das Ende des Tages vorhersehen. Der Mundschenk reichte dem Fürsten einen Becher, doch Jaroslaw achtete nicht auf ihn. Stattdessen nahm er die Axt zur Hand, die er am Gürtel trug. Es war eine Axt mit breitem Blatt und kurzem Schaft. Das Blatt war dünner als eine Männerhand geschmiedet worden, was für die ungewöhnliche Härte des Stahls sprach. Drei große Löcher im Blatt verringerten noch zusätzlich das Gewicht. Harald sah, dass es sich um eine Wikingeraxt handelte. Er hatte gehört, dass Jaroslaw eine solche einst von seinem Schwager, dem Schwedenkönig Jakob Anund, bekommen hatte.

Die geschliffene Schneide glänzte im Schein des Feuers. Jaroslaw wog die Axt in den Händen. Betrachtet das fein ziselierte Muster im Stahl. Es war im schwachen Licht nicht gut zu erkennen, aber Harald hatte es zuvor schon einmal gesehen: Das Muster stellte drei prächtig geschmückte Königskronen dar.

Jaroslaw sah Harald an. »Ein Jammer, dass solch eine gute Axt nicht von einem kräftigeren Mann geführt wird. Dies soll die Axt sein, die Mieszkos Kopf vom Rumpf trennt«, sagte er.

Harald sah Jaroslaws Blick. War das ein Befehl? Harald trat vor und streckte die Hand aus. Jaroslaw wog die Waffe weiter in den Händen, und Harald wollte seine Hand schon sinken lassen, als der Fürst sie ihm schließlich gab.

»Wenn ich nicht mehr in die Schlacht ziehen kann, soll wenigstens die Axt meinen Ruhm vermehren«, sagte Jaroslaw.

Als Harald die Axt in Händen hielt, war er überrascht, wie leicht sie war.

Er sah Jaroslaw an. Im Feuerschein leuchteten die Augen des Alten auf. Wenn er auch keine Axt mehr schwingen konnte, so war der Kampfesmut von Jaroslaw doch ungebrochen.

2

Würden sie sie hier zurücklassen, inmitten ihrer Feinde?

Kitai sah den großen Mann in die Dunkelheit entschwinden – Seldschuk, der Häuptling der Khasaren. Ihr Vater. Ein weiteres Mal versuchte sie, das Pferd zum Aufstehen zu bewegen, das dritte, das unter ihr im Kampf gefallen war. Aber auch dieses wollte nicht weiterlaufen. Sie konnte die Wunde in der Dunkelheit nicht sehen, spürte aber das warme Blut über ihre Hände fließen. Die Axt hatte das Pferd am Hals getroffen.

Sie kniete sich hin und legte die Hand auf das warme Maul.

»So stirb in Frieden, mein Freund Wind. Du hast einen tapferen Kampf gekämpft«, sagte sie. Mit dem Kopf des Pferdes im Schoß blieb sie hocken und hörte die sich nähernden Reiter. Die Verfolger. Die russischen Heermänner.

Niemand von ihren Leuten würde zurückkommen. Es gab Krieger im Trupp der Khasaren, die noch zusätzliche Pferde mit sich führten, aber keiner würde kommen, um sie zu holen. Sie war überzeugt, ihr Vater würde es verbieten. So trug er den Sieg über sie davon. Einen feigen Sieg.

Kitai hatte viele Male gegen die Russen gekämpft. War nachts auf sie losgestürmt, draußen in den Ebenen, wo die Khasaren auf ihren überlegenen Pferden schnell entkommen konnten. Kitai hatte sich in diesen Kämpfen als Kriegerin bewiesen. Viele Russen waren durch ihre Pfeile gestorben.

So hätte es auch in dieser Nacht werden sollen. Sie war an der Spitze geritten. Zusammen mit dem Vater. Langsam hatten sie sich vorgepirscht, bis sie die Feuer sehen konnten. Die Russen wärmten sich daran, Männer, deren Körper von fettem Fleisch und Bier feist geworden waren, und die lange Zeit brauchen würden, bis sie ihre Waffen ergriffen und sich auf die Pferde geschwungen hätten.

Doch als sie so nah an die Feuer herangekommen waren, dass Kitai schon den ersten Pfeil an die Bogensehne legte, wurde ihnen klar, dass die Russen ihnen eine Falle gestellt hatten. Aus dem Inneren des Lagers sowie aus der Dunkelheit abseits der Flammen waren die russischen Reiterkrieger wie eine gewaltige Woge über sie gekommen. Hellwach und mit frisch geschliffenen Waffen.

Dennoch hatten viele Khasaren den Ring der Russen durchbrechen können. Sie selbst hatte mit ihren Pfeilen geholfen, einen Weg zu bahnen. Als die Pfeile zur Neige gingen, hatte sie das Pferd einfach weiterlaufen lassen, bis Speere und Äxte der Russen es aufhielten.

Jetzt lag der Kopf leblos in ihrem Schoß. Sie blickte dem Tier in die großen Augen. Der Tod hatte seinen Schleier schon über sie geworfen.

Plötzlich ritt einer der Heermänner dicht an ihr vorbei. Sie rief das Pferd des Russen. Es machte abrupt kehrt, der Reiter stürzte. Aber sie schaffte es nicht, sich diesem Pferd zu nähern. Überall waren Männer, daher blieb sie über das tote Pferd gebeugt sitzen, zog das Messer, verbarg es aber.

Einer der Männer in der Nähe sagte, er wolle seinen Speer in diesen Khasaren rammen, weil seine Pfeile mehrere seiner Freunde getötet hatten.

Ein anderer sagte, dann werde er selbst den Speer in sich spüren, denn das hier sei der Khasarenkrieger, von dem sie alle gehört hatten. Der Krieger, der zehn von ihnen auf einmal erledigt hatte, der vom Pferd aus besser schoss als sie selbst mit beiden Füßen auf dem Boden stehend. Der Krieger, der so klein und zart war wie eine Frau.

Für diesen Feind sei der Tod eine allzu milde Strafe.

Mehrere Männer waren jetzt von den Pferden gestiegen und scharten sich um Kitai. Noch immer beugte sie sich über das Pferd. Streichelte das Maul. Wartete auf die passende Gelegenheit. Als einer ihren Bogen ergriff und ihn von ihrem Rücken zerren wollte, sprang sie auf und stach zu.

Das Messer traf mitten ins Herz. Mit einer ruckartigen Bewegung drehte sie das Messer in seiner Brust herum und sah, wie der Mann sie anstarrte, ehe er hinfiel. Dann traf sie ein Faustschlag mitten ins Gesicht, und um sie herum wurde es dunkler als die schwärzeste Nacht.

Die Sonne hatte ihre Reise über den Himmel schon fortgesetzt, als Kitai wieder erwachte. In dem großen Zelt war es warm. Die Männer betrachteten sie. Einige starrten sie hasserfüllt an, andere lüstern. Aber keiner sagte etwas. Nur ein älterer Mann mit schütterem Bart ergriff das Wort.

»Die besten Krieger der Khasaren sind Frauen.« Er trat dicht an sie heran. Sie nahm den Gestank aus seinem Mund wahr. »Sie haben dich zurückgelassen …«

Sie sah den Rücken ihres Vaters wieder vor sich. Die große Gestalt, die sich in die Dunkelheit zurückzog. Wäre sie noch im Besitz eines einzigen Pfeils gewesen, hätte sie ihn gegen Seldschuk verwendet, hätte ihn abermals gezeichnet, auf dass er nicht vergaß, was er ihrem Bruder angetan hatte. Und der Mutter.

Noch war der Tod nicht über sie gekommen. Erlik, der Herrscher des Totenreichs, musste noch eine Weile warten. Vielleicht würde Erlik den Häuptling der Khasaren, ihren feigen Vater, noch in Empfang nehmen, bevor ihre eigenen Tage gezählt waren.

Der fremde Mann umfasste ihr Kinn und zwang sie, ihn anzusehen. Seine Stimme klang seltsam heiser, und sie wusste weshalb. Alle Russen waren lange im Feld gewesen. Seit Beginn der Schneeschmelze hatten sie die Khasaren über die Ebenen gejagt, nun war der Schnee fast gänzlich fort. Und Kitai hatte keine anderen Frauen im Lager der Russen gesehen.

»Deine Pfeile sind tödlich, aber ohne sie hast du nicht viel, womit du dich verteidigen kannst«, sagte er und grinste sie mit einer Reihe brauner Zähne an. »Und jetzt bist du hier. In meinem Zelt.«

Sie erwiderte sein Lächeln. Wenn dieser Mann sie für sich allein haben wollte, könnte sie den anderen entgehen. Tatsächlich schickte er die anderen hinaus. Dann schlitzte er ihren Rock auf.

Sie hätte ihm das Knie in den Schritt rammen, sein Messer nehmen, ihn töten können, selbst mit gefesselten Händen. Doch stattdessen ließ sie zu, dass er ihr die Kleider vom Leib riss. Ließ zu, dass er ihren Oberkörper auf den Tisch hinunterdrückte und von hinten in sie eindrang.

Denn weit wäre sie nicht gekommen. Der Mann, der so schwer hinter ihr atmete, kommandierte zweitausend Krieger, und sein Zelt stand inmitten des Lagers, das die Russen errichtet hatten, als sie gekommen waren, um die Letzten ihres Volkes zu töten.

Die Khasaren, Männer und Frauen, die von ihren Feinden »Reiter des Teufels« genannt wurden.

3

Auf dem Rückweg zu den Stellungen ging Hauptmann Eiliv Ragnvaldsson voran. Harald war versucht, an ihm vorbeizugehen, denn er wurde ungeduldig, wenn er dem viel kleineren Waffenbruder hinterhertrotten musste. Aber er ließ es sein. Er wusste, dass es Eiliv nicht gefallen würde. Der Anführer der Streitmacht gegen die Wenden nahm es in dieser Hinsicht sehr genau. So sollte es auch sein, dachte Harald. Eiliv war der Erste und er selbst der Zweite Hauptmann.

Eiliv war Sohn von Jarl Ragnar. Der einst in Schweden geborene Jarl war bis zu seinem Tode der mächtigste Mann nach Jaroslaw in dessen Reich gewesen. Danach hatte Oleg den Platz des Beraters und wichtigsten Freundes des Fürsten eingenommen.

Nachdem Harald nach Holmgard gekommen war, hatte er sich rasch mit Eiliv angefreundet. Fünf Winter waren vergangen, seit er von seinem Heimathof Stein in Norwegen zu den mächtigen Verwandten nach Holmgard geritten war. Dort hatte er zwar niemanden gekannt, aber er war immerhin Olavs Bruder. Bruder des Königs, der Norwegen das Christentum gebracht hatte und der für Jesus Christus in Stiklestad gefallen war. Olav war Jaroslaws Schwager und Freund gewesen.

Harald war freundlich aufgenommen worden, hatte allerdings erst fünfzehn Winter gezählt. Eiliv hatte ihn mit in die Landwehr genommen und ihm die russische Lebensart nähergebracht. Im Krieg und im Frieden. Harald hatte es Eiliv zu verdanken, dass er nun selbst einer der Anführer im Heer des Fürsten war. Und Eiliv, der mit seinem breiten Rücken vor ihm herschwankte, verkörperte Kraft und Sicherheit. Jaroslaws Erster Hauptmann würde sein Leben für den Fürsten geben.

Es gab noch eine andere Person, der Harald bei seiner Ankunft in Holmgard an jenem kalten Tag zum ersten Mal begegnet war. Er erinnerte sich an ihre braunen Augen. Verwundert blitzten sie ihn an. Das eine Auge war etwas größer als das andere. Sie hieß Jelisaweta und war Jaroslaws jüngste Tochter. Sie war drei Winter jünger als er und damals ein gertenschlankes junges Mädchen. Doch immer würde er sich an den Moment erinnern, als er sie zum ersten Mal gesehen hatte. Der große Raum, in dem sie war, hatte so gut geduftet, und Harald hatte eine Wärme verspürt, die nicht vom Feuer und auch nicht von den trockenen Kleidern ausging, die Jaroslaws Diener ihm gegeben hatten. Sie trug ein rotes Gewand und hatte zwischen ihrem Vater, Fürst Jaroslaw, und ihrer Mutter, der schwedischen Königin Ingegerd, gesessen …

Ein Zweig brach unter Haralds Fuß und riss ihn aus seinen Gedanken. Als sie zur Schanze kamen, war immer noch keine Bewegung zwischen den Bäumen auf der anderen Seite des Tals zu erkennen. Doch inzwischen war das Tageslicht hervorgebrochen, und lange würde es bis zum Angriff nicht mehr dauern.

»Schafft es die Verstärkung rechtzeitig hierher?«, fragte Harald. Eiliv blickte ihn an, zögerte. »Schwer zu sagen«, sagte er schließlich. »Wir wollen es hoffen. Unsere Gegner werden zahlreich sein.« Harald nickte, und Eiliv fuhr fort: »Wenn die Verstärkung heute ankommt, will ich die Männer schonen.«

»Schonen? Sie werden hier auf der Schanze gebraucht«, sagte Harald.

Eiliv grinste. »Aus diesem Grund bist du bis jetzt nur Zweiter Hauptmann, Harald.« Sein Grinsen wurde breiter. »Mag sein, dass du im Kampf besser bist als ich. Ich kenne nur wenige, die den Speer besser führen als du, aber wie man eine Streitmacht führt, das musst du noch lernen«, sagte er.

Harald überlegte, was Eiliv sich mit seinem Plan wohl gedacht haben mochte, konnte die Frage aber nicht mehr stellen. Von der anderen Seite des Tals erscholl das laute Brüllen eines Mannes. Danach ein weiteres. Und dann das Gebrüll aus tausend Kehlen.

Die erste Reihe der Wendenkrieger trat aus dem Wald hervor. Harald war erstaunt, wie geordnet sie sich bewegten. Die Männer gingen dicht nebeneinander. Die Schilde überlappten sich. Er wusste, dass sie sich Zeit nehmen mussten für den Weg ins Tal, damit die Schildburg geschlossen blieb. Das war besser, als vorzustürmen und sich ungeschützt den Pfeilen des Feindes auszusetzen. Er hätte den gleichen Befehl gegeben.

Eine Reihe nach der anderen trat aus dem Wald, so dicht, dass die vordere stets den Schutzwall für die folgende bildete.

Sie selbst waren etwa tausend kampferprobte Männer mit guten Waffen, loyale Krieger, die in den letzten Tagen viel geschlafen und gut gegessen hatten. Doch wie viele Männer marschierten jetzt auf sie zu? Auf einen der Ihren kamen sicher drei Wenden – oder gar vier? Das Wendenheer füllte bald das ganze Tal, und Harald war sicher, dass es noch immer Krieger gab, die sich hinter den Bäumen verbargen. Wenn der Sturmlauf erst begann, würden diese Männer vorrücken und die Reihen der Gefallen an vorderster Front ersetzen.

Eiliv trat neben Harald. »Die Wurfmaschinen sind einsatzbereit«, sagte er.

Harald wollte gerade erwidern, dass sie die Wenden erst ihre Reihen schließen lassen sollten, als er im feindlichen Heer einen Mann auf einem schwarzen Pferd bemerkte. Pferd und Reiter standen hinter den Linien, die sich zum Angriff bereit machten, ein wenig im Schatten der Bäume im Hintergrund. Harald hätte ihn vermutlich nicht gesehen, wenn nicht ein Sonnenstrahl seinen blanken Helm getroffen hätte. In der Nähe des Mannes konnte er weitere Männer auf Pferden ausmachen.

Harald zeigte in die Richtung, und Eiliv folgte seinem Blick. »Mieszko?«, fragte Harald.

Eiliv kniff die Augen zusammen. Das Licht war stärker geworden. »Ich hatte nie das Vergnügen, diesem König die Hand zu küssen.« Eiliv lachte. »Aber es heißt, dass er stets zu Pferd ist und seine Männer in der Schlacht lenkt, dass er sie anfeuert und ihnen sagt, was sie tun sollen. Und die anderen Reiter sind vermutlich die königlichen Wachen.«

»Wo ist Jakow?« Harald sah sich nach dem Anführer von Jaroslaws Leibwache um.

Eiliv verstand, was Harald im Sinn hatte. Er lachte und schüttelte den Kopf: »Das geht nicht, Harald. Nicht einmal für dich und Jakow zusammen.«

Eiliv hob die Hand zum Zeichen – dann schnellte sein Arm nach unten. Die erste Ladung mit Steinen traf gut. Doch die Wenden schlossen schnell die Reihen und marschierten weiter auf sie zu. Es war so, wie Harald vermutet hatte, immer mehr Männer strömten aus dem Wald.

Harald spürte ein Kribbeln in seinen Gliedern, konnte es kaum erwarten, sich in die Schlacht zu werfen. Eiliv beobachtete aufmerksam den sich nähernden Feind.

Harald sagte: »Die Axt, die Jaroslaw mir gab, bedeutet etwas.«

»Ja, dass du sie in der Schlacht in Blut tränken sollst«, erwiderte Eiliv.

Doch Harald glaubte, dass Jaroslaw noch etwas anderes im Sinn gehabt hatte. Er wandte sich ab, ließ Eiliv stehen. Er würde nicht auf dem Kommandoplatz bleiben. Jaroslaw hatte ihm einen anderen Auftrag gegeben.

Er trat zurück in die Reihen, ging an den Männern vorbei, die hinter dem Kommandoplatz postiert waren, und weiter zu der Reitertruppe, die in die Schlacht gehen sollte, nachdem die Wurfmaschinen und die Männer auf der Schanze die gröbste Arbeit verrichtet hatten.

Jakow, der Leibwächter des Fürsten, war von mehreren Männern umringt. Einige hielten Pferde am Zügel. Weitere Tiere waren in der Nähe an Bäume angebunden und schon gesattelt. Alles war vorbereitet für eine eilige Flucht. Sollten die Wenden die Schlacht gewinnen, hatte Jakow den Auftrag, Jaroslaw und seine engsten Vertrauten in Sicherheit zu bringen.

Die letzte Schanze gegen den Feind war nicht der Erdwall, den sie gebaut hatten, und auch nicht die kleine Reserve, die hinter den Wurfmaschinen stand. Die letzte Schanze war die Stadt selbst. Dorthin würde Jaroslaw reiten und sich in der Burg am Fluss verbarrikadieren, wenn seine Männer die Schlacht heute verloren.

Harald kannte einige der Männer um Jakow. Der harte Kern des Heeres, der Leib und Leben des Fürsten schützen sollte. Harald hatte diesem Kreis selbst einmal angehört.

»Jaroslaw hat mich beauftragt, ihm einen Kopf zu bringen. Wer von euch mir dabei helfen will, mache sich jetzt bereit«, sagte er.

»Uns wurde befohlen, hier zu warten«, sagte Jakow tonlos. »Jaroslaw selbst hat mich …«

Harald achtete nicht auf seine Worte. Er ging an ihm vorbei und ergriff das Halfter der Grauschimmelstute, die er von Holmgard hierhergeritten hatte. Dann legte er den wärmenden Pelz, die Fäustlinge und alles andere ab, was ihn behindern könnte, befestigte Speer und Schild auf dem Rücken und führte das Pferd Richtung Wald.

»Statt dem Fürsten zu helfen, nach Holmgard zu fliehen, helft lieber, dass eine Flucht gar nicht erst nötig ist«, sagte Harald. Er nahm die Axt, hielt sie für alle sichtbar hoch und rief: »Ihr kennt diese Axt.«

Jakow betrachtete verwundert die Waffe, dann Harald, sagte aber nichts. Als Harald aufsaß, folgte er ihm. Auch die anderen, die bei den Pferden gestanden hatten. Zusammen waren sie zehn Männer. Eine gute Zahl. Nicht Masse zählte jetzt, sondern Schnelligkeit.

Als sie davonritten, wandte er sich Jakow zu. »Jaroslaw wird es dir danken. Wir werden ihm den Kopf bringen. Und dann werden wir sehen, wie mutig die Wenden noch sind, nachdem ihr König gefallen ist«, sagte er.

Sie ritten mit den Pferden im ruhigen Schritt durch den Wald, das Tal hinab, in einem weiten Bogen, fernab von den heranrückenden Wenden, bis sie einen kleinen Fluss erreichten. Sie folgten dem Flusslauf, halb verborgen von Bäumen, bis sie schließlich das Lager der Wenden vor sich liegen sahen.

Wie Harald vermutete, waren Wachtposten zurückgelassen worden, die vor einem Angriff aus dem Hinterhalt warnen sollten. Doch es schienen nicht viele zu sein. Harald stieg vom Pferd. Die Männer scharten sich um ihn.

»Wenn unsere Aufgabe erfüllt ist, reiten wir im Galopp durch ihr Heer hindurch und zurück zu unserem.«

Jakow blickte ihn mit ausdrucksloser Miene an. Nicht eine Spur von Furcht oder Verwunderung war seinem Gesicht anzusehen.

Harald fuhr fort: »Wir fallen ihnen von hier aus in die Seite und werden uns nur den einen Kopf holen. Den Kopf des Mannes auf dem schwarzen Pferd.«

Er löste die Axt vom Gürtel. Die Männer starrten auf Jaroslaws Waffe, die alle gut kannten.

»Ihr folgt mir dichtauf, bis ich zu König Mieszko gelangt bin. Danach steht es euch frei, euch in die eigenen Reihen zurückzuziehen, wie es euch beliebt.«

Er ließ die Axt in seiner Hand kreisen und hängte sie dann wieder an den Gürtel. Vorläufig war der Speer die bessere Waffe, um sich zu dem Wendenkönig durchzuschlagen. Er würde von vielen Männern umringt sein.

Unterdessen waren sie immer näher gekommen und riskierten, jeden Moment entdeckt zu werden. Aber noch hatten die Wachtposten der Wenden den Blick in die andere Richtung gelenkt. Sie lauschten dem Schlachtgetöse und versuchten seinem Klang zu entnehmen, ob es gut für sie ausging. Als die Wachtposten die Männer schließlich sahen, die hinter ihren eigenen Reihen aufgetaucht waren, ritten sie los, um ihre eigenen Kämpfer zu warnen. Vermutlich dachten sie, dass viele feindliche Reiter gekommen seien. Harald ließ sie ziehen und ritt zu einer kleinen, verlassenen Anhöhe, wo er hoffte, das Schlachtfeld überblicken zu können.

Von der Anhöhe sah Harald auf das kleine Tal hinaus. Die härtesten Kämpfe wurden am Erdwall ausgetragen. Auch die Bogenschützen waren dorthin vorgerückt. Die Wurfmaschinen schleuderten immer noch eine Steinladung nach der anderen in das Tal. Viele der Männer starben, bevor sie kämpfen konnten. Aber die Wenden schickten immer mehr Männer auf das Feld. Gleich einem reißenden Fluss strömte das Wendenheer in die russischen Stellungen hinein. Wenn ein Wende fiel, trat ein anderer an seine Stelle.

Harald konnte den König auf dem schwarzen Pferd nirgendwo sehen. Jakow stieß ihn an und zeigte in eine Richtung.

»Siehst du?«

Harald suchte vergeblich. »Wo?«

»Hinter dem Felshügel dort«, sagte Jakow.

Jetzt sah Harald ihn. Der Wendenkönig war vom Pferd gestiegen und sprach mit seinen Männern. Vielleicht waren es Hauptmänner, die neue Befehle erhielten. Vermutlich sprachen sie bereits über den baldigen Sieg. Soweit es Harald von der Anhöhe aus beurteilen konnte, würde die Schanze fallen. Noch ehe die Sonne den höchsten Punkt am Himmel erreicht hätte, würden die Wenden die russischen Stellungen überrannt haben.

Doch es war früher schon vorgekommen, dass sich das Kriegsglück wendete, weil ein einzelner Mann gefallen war. Sofern es sich bei diesem Mann um einen König handelte. Das hatte Harald in Stiklestad erlebt, wo Olav, sein Bruder, gestorben war.

Er zog Schild und Speer vom Rücken, hielt den Speer leicht nach vorn gesenkt und den Schild ein Stück vom Leib entfernt. Dann trieb er seine Schimmelstute an.

4

Pritbor wollte, dass Mieszko so lange wie möglich auf dem kleinen Felshügel blieb. Dort war der König geschützt. Draußen in der Schlacht wäre es fast unmöglich, ihn zu beschützen, vor allem, da es noch immer Steine auf die hinteren Reihen hagelte.

Auch hier, hinter dem Felsen, waren die Pferde unruhig. Der Lärm der Schlacht ängstigte sie. Mieszko hielt seinen Hengst an straffen Zügeln. Der König sprach so, als ob die Schlacht schon beendet wäre und sie den Sieg bereits errungen hätten.

»Bald werde ich mein Schwert in Jaroslaws mottenzerfressenen Pelz rammen. Aber bevor er stirbt, werde ich ihn an meinen teuren Kasimir erinnern, den er hat misshandeln lassen und der uns nicht in den Kampf folgen kann, wie es einem Königssohn geziemt.«

Von der anderen Seite des Felsens erhob sich lautes Gebrüll. Pritbor wusste, dass der Lärm von einer neuen Angriffswelle ihre eigenen Krieger herrührte, die gegen den Erdwall der Russen stürmten. Der Hengst des Königs riss an den Zügeln. Mieszko legte ihm die Hand aufs Maul, und das Tier beruhigte sich.

»Der Sieg ist uns so gut wie sicher, mein König. Du kannst getrost deinen Hauptmännern alles Weitere überlassen«, sagte Pritbor.

Mieszko antwortete nicht. Der König hatte sich von ihm abgewendet und sah in die Ferne. Pritbor drehte sich um und folgte seinem Blick. Eine Schar von Reitern näherte sich, aber es waren keine von ihren Männern. Das sah er sofort, und er wusste, was sie vorhatten.

Auch Mieszko schien es zu ahnen, denn er schwang sich auf sein Pferd und zog das Schwert. Pritbor befahl den anderen Männern, einen Schutzring zu bilden. Die Vertrauten des Königs scharten sich um ihn. Pritbor war sicher, dass sie den Angriff abwehren könnten. Es waren gute Männer. Er kannte sie alle.

Er führte sein Pferd aus dem Kreis und riss sich den Bogen vom Rücken. Er zählte zehn Männer. Konnte der große auf dem Grauschimmel der Anführer sein? Er ritt der Schar voraus und trug weder Helm noch Kettenhemd. Helles Haar flatterte um seinen Kopf. Ein Nordmann. Ein Waräger aus dem Norden. Schon früher war er diesen Männern im Kampf begegnet. Sie plünderten als Wikinger ganze Dörfer aus oder ließen sich als Söldner anheuern.

Waräger waren ehrlose Männer, die für Silber kämpften.

Pritbors Pfeil traf den Schild und durchdrang ihn. Er konnte sehen, dass der blonde Reiter an der Seite getroffen war. Aber der Mann preschte einfach weiter in wildem Galopp, und Pritbor wusste, dass er es nicht schaffen würde, einen zweiten Pfeil abzuschießen. Er zog das Schwert und wollte den Kampf auf diese Weise fortführen.

Die feindlichen Reiter rasten in einem irrsinnigen Tempo auf sie zu. Plötzlich waren sie mitten unter ihnen. Die Pferde kreisten umeinander. Die feindlichen Männer stachen mit Speeren auf sie ein, schlugen mit Äxten und Schwertern nach ihnen. Pritbor lenkte sein Pferd dicht an Mieszko heran. Der König befand sich noch inmitten der Schar. Die Russen gingen wie die Wilden auf sie los, aber der Nordmann war nicht mehr zu sehen. War er vielleicht vom Pferd gefallen? Der Pfeil hatte gut getroffen.

Pritbor achtete darauf, dass Mieszko zwischen ihm und dem Felsen gut geschützt war. Zwei der Russen lagen schon am Boden. Der Rest von ihnen würde fallen, sobald Mieszkos Leute zur Hilfe eilten. Viele hatten den Angriff auf den König gesehen.

Als hinter ihm ein Geräusch vom Felsen ertönte, drehte Pritbor sich überrascht um, aber es war zu spät. Der Waräger stand auf der Kuppe des Felsens und schleuderte gerade seinen Speer. Der Speer traf Mieszko mitten in die Brust und fuhr durch den Körper hindurch.

Noch immer saß der König auf dem Pferd. Er hatte den Speerschaft umklammert, wie um sich daran festzuhalten. Mieszko starrte Pritbor an. Die Augen des Wendenkönigs quollen hervor.

Dann stürzte sich der Mann von dem Felsen hinunter. Pritbor hatte schon früher Wikingeräxte gesehen und versucht, ihnen mit dem Schwert zu begegnen. Aber jetzt war er nicht schnell genug. Im nächsten Moment hieb der Waräger dem König den Kopf ab – er landete auf dem Boden und rollte in einem zuckenden, blutroten Todestanz umher.

Pritbor machte einen großen Schritt auf den Mann zu, der von der Felskuppe gesprungen war. Der Waräger hatte den Pfeil, der ihn getroffen hatte, abgebrochen, sodass er nicht im Weg war. Die Wunde blutete stark, aber er würde nicht daran sterben. Sterben würde er für diese Tat!

Pritbor stand mit dem Schwert bereit, als sich der Mann mit seinem Speer und Mieszkos Kopf in der Hand erhob.

Pritbors Hieb verfehlte sein Ziel. Einer der Russen war zwischen sie geritten. Der Mann wehrte Pritbors Schwerthieb mit seinem Schild ab, der zerbrochen zu Boden fiel. In der Zwischenzeit hatte sich der Waräger schon auf Mieszkos Pferd geschwungen.

In schnellem Galopp durchpflügte er die Reihen der Wenden. Viele der Russen folgten ihm, es war klar, dass sie ihn beschützten. Der große Mann hielt den blutigen Kopf hoch und rief in der Sprache der Wenden, dass der König tot sei. Auch die Russen riefen: »Mieszko ist tot! Mieszkos Kopf ist gefallen! Tod den Wenden!«

Die Schlacht war plötzlich vorbei. Wo der Waräger und die Russen entlangritten, fielen die Männer auf die Knie. Andere blieben stehen, wie zur Salzsäule erstarrt. Viele weinten. Pritbor wünschte, ein Russe würde kommen und ihn ebenfalls töten. Dann würde er wenigstens in derselben Schlacht sterben wie der König, mit dessen Schutz er betraut war.

Er schloss die Augen. Aber niemand kam, um ihm den Todesstoß zu versetzen. Die Russen waren bereits zu weit entfernt. Ein Schrei wuchs in seiner Brust heran. Von einem Ort tief in seinem Innern stieg er zu den Lippen empor und drängte hinaus in wildem Schmerz.

Dann sah Pritbor sich nach seinem Pferd um, aber es war nicht mehr da. Auch seine Männer waren verschwunden. Er hob sein Schwert zum Himmel und stieß einen weiteren Schrei aus. Doch dieses Mal war es kein Schrei der Trauer und des Verlusts. Jetzt schwor er brüllend Rache. Irgendwo dort im Kampfgetümmel war der Waräger. Der große Mann mit der Axt. Pritbor schwor sich, dass er nicht eher ruhen würde, bis dieser Mann tot wäre.

Es brannte, als hätte jemand ein Feuer direkt auf seinem Gesicht entzündet. Pritbor öffnete die Augen, konnte aber nichts erkennen. Nur Licht, weißes Licht ohne Konturen. Als er den Mund öffnete, spürte er seinen eigenen Atem.

Er wollte aufstehen, aber auch das ging nicht. Sein Kopf schmerzte. Irgendwas musste ihn am Hinterkopf getroffen haben. Pritbor hatte keine Ahnung wie lange er bewusstlos dagelegen hatte.

Mit geschlossenen Augen wartete er darauf, dass sie kommen und ihre Speere in ihn rammen würden. Die Russen waren nicht wie die Waräger. Die Nordmänner liebten Gold und Silber mehr als ihre Kinder und verkauften ihre Feinde als Sklaven. Die Russen töteten alle, die verletzt auf einem Schlachtfeld zurückblieben. Die Russen liebten nichts und niemanden und versklavten ihre eigenen Leute.

Sie hätten die Schlacht gewinnen können. Sie hätten die Schlacht gewinnen müssen. Aber zu viele hatten den Mut verloren, nachdem Mieszko gefallen war. Die Trauer hatte das Heer gelähmt. Viele hatten dagestanden wie die Ähren auf dem Feld in Erwartung der Sense.

Doch dann hatte Pritbor sie angetrieben zu einem Sturmlauf gegen die Russen und ihre Waräger. Sie hatten die Schanze erobert und die Reihen des Feindes gelichtet.

Als sie die Hügelkuppe fast erreicht hatten und schon die Wurfmaschinen sehen konnten, kam der Gegenangriff. Hunderte von Männern strömten aus dem Wald. Ausgeruhte Männer, die zuvor noch nicht gekämpft hatten, viele davon Waräger. Woher sie kamen, wusste Pritbor nicht.

Der Gegenangriff war gnadenlos. Erst Reiter mit Speeren, dann Fußsoldaten mit Äxten und eisenbewehrten Keulen. Die Wenden wurden zurückgetrieben. Zunächst langsam, doch nach einer Weile hatten sich die Reihen der fliehenden Soldaten in einen Mahlstrom aus Furcht und Chaos verwandelt.

Als sie bis auf die Ebene hinuntergetrieben worden waren, stießen noch mehr Feinde in ihre Flanken. Die Wenden waren eingeschlossen wie Schafe in einem Pferch, dessen einziger Ausgang zur Schlachtbank führte. Die Kämpfe hatten bis in den Nachmittag hinein gedauert. Die meisten von ihnen waren ehrenvoll gestorben. Auch Pritbor hatte viele Feinde getötet.

Er hoffte, dass er von Warägern gefunden würde. Dann könnte er als Sklave verkauft werden. Nur wenn er lebte, würde er die Gelegenheit bekommen, den Mann zu töten, der Mieszko den Kopf abgeschlagen hatte.

Er erwachte aus seinem Dämmer, als ihn jemand in die Seite stach. Und noch noch einmal. Eine Speerspitze? Waren die Russen gekommen, um ihn zu töten? Aber die Stiche hatten ihn nicht verwundet. Er sah die Umrisse eines Mannes, der sich auf einen Stock stützte. Ein hagerer, gekrümmter Mann, der einen Pelz über den Schultern trug. Einen alten Bärenpelz.

Pritbor wollte sich auf die Ellbogen aufrichten, aber der Mann schlug mit seinem Stock zu. Ein brennender Schmerz stieß Pritbor in die Dunkelheit zurück.

5

Sie traten nackt in die kleine Badestube. Jaroslaw saß auf einer niedrigen Bank, eine ältere Frau schlug ihm Birkenreisig auf den Rücken. Der Fürst stöhnte.

Als er Harald und Eiliv sah, gab er der Frau einen Klaps auf den Hintern. Sie lächelte den Alten an, warf sich ein dickes Schaffell über und ging barfuß hinaus.

»Mein Erster Hauptmann und mein ebenso lieber Zweiter Hauptmann«, sagte Jaroslaw und deutete mit einer Armbewegung an, dass es ihnen gestattet war, Platz zu nehmen.

Harald hatte schon einmal mit Jaroslaw in der Badestube gesessen und hoffte nur, dass es nicht zu lange dauern würde. Jaroslaw war zäh und ausdauernd bei allem, was er tat, sogar jetzt, als alter und gebrechlicher Mann. Im Kreis der vornehmen Edelleute hieß es, man könne auch gleich die Wahrheit sagen, wenn man zu Jaroslaw in die Badestube gebeten wurde. Er würde sie so lange dort festhalten, bis sie redeten oder ihnen das Fleisch von den Knochen fiel.

»Seit der Bär mein Knie angenagt hat, setzt mir der Krieg doch stärker zu«, sagte Jaroslaw und strich sich mit der Hand den Schweiß vom Oberschenkel.

Haralds Blick folgte der Handbewegung. Eine dicke rote Narbe reichte vom Schenkel über das versehrte Kniegelenk bis zum Schienbein hinunter. Auch eine schon längst verheilte Wunde am linken Arm zeugte vom Kampf des Fürsten gegen den Bären. Die Russen in der Landwehr konnten den ganzen Abend davon erzählen, wie Jaroslaw einst, nur mit einem Küchenmesser bewaffnet, auf einen verletzten Bären losgegangen war.

Die Frau kam zurück und warf zwei Birkenscheite in einen großen Eisentopf, in dem ein Feuer brannte. Der Topf stand auf mehreren großen Steinen, auf die sie Wasser kippte. Der Dampf breitete sich zischend aus. Jaroslaw betrachtete die sich wieder zurückziehende Alte lüstern und sagte: »Ich mag vielleicht alt und vom Bären gezeichnet sein, aber noch ist nicht alle Hoffnung für mich dahin. Die Wärme von trockener russischer Birke und eine üppige Frau helfen immer.«

Abermals fuhr er sich über den Schenkel, hob dann den Kopf und sah Harald an: »Du hast deinen Speer in Mieszko gebohrt, hast dir etwas Zeit gelassen, mir seinen Kopf zu bringen.«

Die Hitze brannte in Haralds Hals, als er antwortete: »Seine Männer mussten doch sehen, dass der König …«

Jaroslaw winkte ab. »Du hast gut daran getan, diesen Kopf für mich zu holen, Harald, denn ich hätte eine Weile gebraucht, um auf das Schlachtfeld zu kommen und ihn mir selbst zu holen. Du hast die Axt, die ich dir lieh, gut eingesetzt.«

Der Fürst kniff die Augen zusammen, sein hagerer, sehniger Körper spannte sich. Die Falte, die sich vor Anstrengung auf seiner Stirn bildete, glich der Spur eines Pflugs.

»Wir werden jetzt zurück nach Holmgard reiten. Ich habe entschieden, was mit den Gefangenen geschehen soll«, sagte er.

Eiliv hob zu sprechen an, aber Jaroslaw gebot ihm mit einer Handbewegung Einhalt. »Nein, Eiliv«, sagte er. Er schloss die Augen und fuhr dann fort: »Mein Vater, der heilige Wladimir, nahm Jesus Christus als seinen Gott an und befahl allen Russen, seinem Beispiel zu folgen. Wir töten andere Menschen nicht aus Freude, wir töten, um uns selbst zu beschützen«, sagte er und öffnete die Augen. »Außerdem brauche ich Männer, die den Ausbau der Schanzen in Holmgard vorantreiben. Wir nehmen die Gefangenen als Sklaven mit uns.«

Der Fürst holte behutsam Luft. Der Eisentopf glühte. Die Steine unter ihm mussten sehr heiß sein. Die Hitze legte sich schwer auf den Körper.

Es fühlte sich an, dachte Harald, wie ein schweres Kettenhemd zu tragen. Doch Jaroslaw wirkte wie erfrischt, und wie immer zog er die anderen in den Bann mit seiner Stimme und seinem durchdringenden Blick.

»Ich brauche meine mutigen Russen für die Landwehr, auch euch Waräger. Für den Fall, dass dieser Hund, der sich mein Bruder nennt, so dumm ist und mit seinem Heer nach Holmgard kommt.«

Schon seit einiger Zeit hatten sie nichts mehr von Jaroslaws Bruder gehört. Zu Beginn des Jahres hatte Mstislaw Kiew eingenommen. Die Stadt war Jaroslaws Stammsitz. Er war Wladimirs ältester Sohn. Der jüngere Mstislaw sollte in Holmgard residieren, hatte aber die reiche Stadt Kiew eingenommen, nachdem die Wenden gekommen waren und Jaroslaw mit seinem Heer ausziehen musste, um sie zurückzuschlagen.

Harald fand, dass Mstislaw den Bruder in doppelter Hinsicht verraten hatte. Er war nicht wie versprochen mit seinen Truppen nachgekommen und hatte sie stattdessen nach Kiew geführt, um die Stadt zu erobern.