COVER

Jens Schäfer

ALLES,
WAS GUT IST

Handbuch für die schnäppchenfreie Zone

Falsch gespart ist schon kaputt
oder: Die neue Lust an Qualität

Meinen ersten Dosenöffner kaufte ich mit zwanzig. Meinen zweiten drei Wochen und gefühlte zehn Konserven später. Er sollte nicht mein letzter Fehlkauf bleiben. Seit Jahren stapeln sich bei mir zuhause Dinge, die günstig waren, sich aber als so minderwertig entpuppten, dass ich sie nicht benutzen konnte. Die zu eng, zu klein oder zu dünn waren; die klemmten, quietschten, kratzten, rochen, verschmierten oder rissen; die nicht schmeckten, auseinanderfielen oder zerbrachen und die mich entweder sprachlos, hilflos oder wütend machten, meist aber alles zusammen.

Das Leiden am Schlechten ist kein neues Phänomen. Schon vor 100 Jahren listete das Buch Guter und schlechter Geschmack im Kunstgewerbe zahllose Material-, Konstruktions- und Dekorfehler auf, setzte sich der Deutsche Werkbund für »ästhetisch und moralisch« gute Form ein, wollte das Bauhaus Architekten, Bildhauer, Maler mit Handwerkern vereinen, »weil sich zu viele unproduktive ›Künstler‹ in Salonkunst verloren hatten«.

Wurde damals mangelnde Nützlichkeit, Zweckmäßigkeit und Sachlichkeit beklagt, leiden wir heute vor allem an geringer Qualität. Wir haben nicht zu viel von allem. Sondern zu vieles, das nicht funktioniert.

Funktionalität, Funktionstüchtigkeit, Geschmack und Langlebigkeit sind die wesentlichen Eigenschaften, die ein gutes Produkt ausmachen. Seine Güte wird bestimmt durch die Faktoren Zeit und Raum. Je mehr Zeit ein Produkt in der Herstellung benötigt, desto teurer wird es. Vieles braucht Raum, um zu reifen. Auch das kostet. Nicht zuletzt ist Zeit das, was wir Endverbraucher täglich in Warteschlangen, Warteschleifen und mit dem Beheben von Folgeschäden, die schlechte Dinge verursacht haben, verlieren. Zeit, die wir uns hätten sparen können, wenn wir gleich zum Guten gegriffen hätten.

Dieses Buch ist für alle Menschen, die den Spaß an und den Wert von guten Dingen zu schätzen wissen und keine Lust mehr auf billige Ramschangebote haben. Die kapiert haben, was buy cheap – buy twice bedeutet und dass es Sinn macht, ein paar Euro mehr hinzulegen, wenn die Sachen dafür funktionieren, halten, Zeit und Nerven sparen. Qualität ist, was bleibt, wenn der Preis längst vergessen ist. Wie angenehm ist ein Bleistift, der beim Spitzen nicht abbricht. Wie zufrieden macht eine Regenjacke, die tatsächlich wasserdicht ist. Und wie viel Spaß ein Dosenöffner, der eine Konserve ohne Probleme aufschneidet.

Meinen ersten habe ich nie vergessen.

Den zweiten benutze ich heute noch.

Jens Schäfer,

Berlin, im Februar 2011

Beruf & Büro

Bleistifte

Man hat einen Bleistift, dessen Mine stumpf ist, greift zum Spitzer, spitzt und spitzt und freut sich, gleich mit einem schönen, frisch gespitzten Stift weiter zu schreiben oder zu malen … da bricht die Mine ab! Kann ja mal passieren, denkt man, entfernt das Bruchstück und spitzt noch mal. Die Mine, die übrigens nicht aus Blei, sondern aus Graphit ist, bricht wieder ab. Erste Selbstzweifel tauchen auf, vielleicht spitze ich falsch, oder ich kann gar nicht richtig spitzen, habe möglicherweise im Unterricht gefehlt, als das Spitzen drankam. Man spitzt noch mal, langsamer diesmal, und wieder bricht das Ding ab. Und noch mal und noch mal und so weiter und so fort. Man weiß ja nicht, dass man nicht selbst Schuld trägt, sondern es mit einem qualitativ minderwertigen Bleistift zu tun hat, der von der Bleistiftindustrie vermutlich nur deshalb auf den Markt gebracht wurde, um die vielen gebrochenen Minen, die sie im Lager hatten, loszuwerden. Dabei ist es so einfach, einen guten, wenn auch etwas kostspieligeren Bleistift zu kaufen, dessen Mine laut Hersteller sogar einen Sturz aus dem familieneigenen Schloss übersteht. Gute Hersteller verleimen ihre Mienen noch mal extra, und sie verkaufen sie nicht zu Schleuderpreisen im Zehnerpack, sondern einzeln und im Fachhandel.

Bleistiftspitzer

Wenn der Bleistiftspitzer den → Bleistift eng anliegend führt, kann eigentlich nichts schiefgehen. Spitzern aus Aluminium gelingt das am besten. Aluminium geht auch nicht gleich kaputt, wenn der Spitzer runterfällt oder man drauftritt. Plastik schon eher.

Bodenschutzmatten

Schon so mancher Dielenboden sah schon wenige Wochen, nachdem er zweifach abgeschliffen und versiegelt wurde, aus, als seien mehrere Maschinengewehrsalven auf ihn abgefeuert worden. Im Gegensatz zu Parkett, auf dem man problemlos herumlaufen kann, wurde für Dielen früher meist billiges (und damit sehr weiches) Holz genommen, das der Last heutiger Stuhlbeine und -rollen nicht gewachsen ist. Damals störte das nicht, denn zu einer Zeit, da die Altbauten noch Neubauten waren, verbarg man Dielen ganz selbstverständlich unter Teppichböden und Läufern.

Wer heute keine hagelschadenartigen Löcher im Boden haben will, kommt um eine Bodenschutzmatte kaum herum. Dabei sollten Sie zu einer stabilen, bruchfesten, schwer entflammbaren und geruchsneutralen Matte aus Polycarbonat greifen, oder, noch besser, zu antistatischem Polycarbonat mit rutschsicherer Haftschicht. Transparente Matten sind teurer, sehen aber besser und nicht gleich schon am ersten Tag so vergilbt aus wie die milchigweißen Matten aus Polypropylen.

Briefmarken

Der Erwerb einer guten Briefmarke hat nichts mit Kosten zu tun, dafür viel mit Zeit und Ästhetik. Es gibt sie nämlich am Schalter und am Automaten. Am Automaten muss man nie anstehen. Dafür sehen diese Marken alle gleich und gleich langweilig aus – reine Zweckprodukte, die auch ein angedeutetes Brandenburger Tor im Hintergrund nicht verschönern kann.

Für Sondermarken dagegen muss man anstehen. Und zwar in einer der immer langen Schlangen in einer der immer rarer werdenden deutschen Postfilialen, wo immer nur zwei von zehn Schaltern geöffnet sind und wo im hinteren, für alle einsehbaren Bereich immer mindestens sechs weitere Angestellte mit etwas beschäftigt sind, dessen Sinn sich einem nicht erschließt. Das stellt die Geduld jedes Mal auf eine harte Probe. Denn es kostet viel Zeit, und Zeit ist bekanntlich Geld. Aber das Warten lohnt sich, denn die Marken, die hier verkauft werden, sind tausendmal schöner als die einfallslosen, gelb-blauen Rechtecke der Automaten. Filigrane kleine Meisterwerke, die die Geschichte und Geschichten unseres Landes und seiner Menschen erzählen: die Himmelsscheibe von Bebra, die Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land oder 750 Jahre Knappschaft auf einen → Briefumschlag oder eine → Postkarte geklebt, bereiten den Adressaten jedes Mal viel Freude.

Hier einige hübsche Sondermarken, die 2011 auf den Markt kommen:

 200 Jahre Errichtung des ersten Turnplatzes durch »Turnvater« Friedrich Ludwig Jahn, Deutsche Post

 125 Jahre Mecklenburgische Bäderbahn »Molli«, Deutsche Post

 Regensburger Dom und Tempel Yakushi-jiin Nara, Gemeinschaftsmarke der Deutschen Post mit Japan

 100. Geburtstag Max Frisch, Schweizer Post

 14th World Gymnaestrada Lausanne 2011, Schweizer Post

 Muggenstutz*, Schweizer Post

 Österreicher in Hollywood: Hedy Lamarr, Österreichische Post

 Jan Vermeer van Delft, Österreichische Post

 Gastronomie mit Tradition: Café Hawelka, Österreichische Post

* Ein beliebter Schweizer Zwerg

Briefumschläge

Hier lautet die Faustregel: Briefumschläge mit Klebestreifen zum Abziehen sind besser als selbstklebende und selbstklebende sind besser als abzuleckende. Letztere schmecken immer ein wenig nach Recyclingmaterial, ein scheußlicher Geschmack, den man minutenlang nicht von der Zunge bekommt.

Bürostühle

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Das Volksleiden Rückenschmerzen steht vermutlich im direkten Zusammenhang mit den vielen schlechten Bürostühlen. Ein guter Bürostuhl ist durch das GS-Zeichen zertifiziert, das garantiert, dass der Stuhl sicherheitstechnisch überprüft wurde. Er ist gefedert und höhenverstellbar und hat eine hohe Rückenlehne, an der sich auch die Schulterpartie anlehnen kann. Armauflagen helfen, die Schulter zu entlasten. Die Sitzfläche ist verstellbar und hindert das Becken daran, abzukippen. Bei tausenden von Stunden, die man im Lauf seines Lebens auf einem Bürostuhl verbringt, ist falsches Sparen fahrlässig und hochgradig gesundheitsgefährdend.

Collegeblocks

Das Papier der meisten Ringbücher wiegt 70 g/m². Dadurch ist ihr Papier dünner und anfälliger als das schwererer Produkte. Ein guter Collegeblock darf nämlich ruhig
80 oder sogar 90 Gramm haben. Die Grammzahl bezieht sich immer auf das Gewicht des Papiers pro Quadratmeter. Die Blätter sollten satiniert (d. h. geglättet) und mikroperforiert sein, damit man sie leicht herausreißen kann. Die Spirale besteht idealerweise aus stabilem Draht und der Rücken aus festem Karton.

Cutter

Der große Vorteil bei der Benutzung eines guten Cutters ist, dass man nicht ständig Angst haben muss, sich damit Finger (oder gar ganze Gliedmaßen) abzutrennen – oder, dass er einfach nur auseinanderfällt. Metall-Cutter sind Plastik-Cuttern immer vorzuziehen, denn sie sind fest, stabil, ihre Klinge ist nicht zu dünn und rutscht nicht hin und her, nachdem man sie einmal justiert hat.

Druckerpapier

80 Gramm sollte Druckerpapier auf jeden Fall wiegen (siehe → Collegeblocks). Nur dann flattert und wellt es sich nicht, wenn es mit der feuchten Tinte in Kontakt kommt. Es knickt auch nicht mangels Stabilität um, wenn es ins Papierfach eines Druckers gestapelt wird. Einige Premium-Hersteller bieten Druckerpapier mit 60 Gramm an, das dieselben Eigenschaften hat wie schwereres, aber dünner ist. Das ist überall da gut, wo Papier tonnenweise verbraucht wird, also in Verlagen, Schulen oder beim Finanzamt.

Filzgleiter

Der erste Filzgleiter meines Lebens war einer zum Kleben. Das erschien mir praktisch, konnte ich ihn doch jederzeit wieder ablösen, sollte ich den Stuhl einmal verkaufen wollen. Leider fielen die Filzkleber ständig ab. Ich fand sie in Zimmerecken und auf den Sohlen meiner → Schuhe, in → Blumentöpfen und im → Fressnapf meines Hundes. Und was tat ich? Lief in einen Discounter und kaufte neue Filzgleiterkleber. Ich war dumm und hatte kein Geld. Von meinem ersten Selbstverdienten erwarb ich vier Nagel-Filzgleiter, die ich mit großem Genuss unter meinen Lieblingsstuhl nagelte. Eine neue Zeit brach an. Bis auf die beiden, die ich krumm hineingeschlagen hatte, saßen sie sehr fest. Auch war der Filz viel dicker und somit dämmender als der alte. Aber irgendwann wurden auch die genagelten Gleiter locker und fielen ab. Sie hatten der Belastung und dem vielen Hin- und Hergeschiebe nicht standgehalten. Schließlich kaufte ich Schraubgleiter. Die kosten das Zehnfache der Klebefilzgleiter. Aber sie sind es wert. Ich schraubte sie in die Löcher, die die Nagelfilzgleiter hinterlassen hatten. Fester kann ein Filzgleiter nicht sitzen. Die Filzfläche ist wie beim Nagel 10 mm dick, aber hat in der Mitte ein Loch (für die Schraube) und damit bis zu 25 Prozent weniger Fläche. Dafür halten sie aber bombensicher. Sollten auch die Schraubfilzgleiter eines Tages rausfallen, werde ich den Stuhl wohl wegwerfen müssen.

Füllertinte

Gute Markentinte enthält mehr Farbpigmente als weniger gute und liefert deshalb ein deckenderes Schriftbild.

Geodreiecke

Es gibt bruchsichere und nicht bruchsichere Geodreiecke, wobei nur Erstere explizit als solche gekennzeichnet sind. Vor allem junge Schüler sollten ausschließlich bruchsichere Produkte verwenden, da sie sie bekanntlich gerne zu allen möglichen schulfremden Tätigkeiten benutzen, bei denen die Spitze abbrechen kann. Das könnte so manchen chirurgischen Eingriff bei Mitschülern ersparen.

Handyverträge

Hohe Preise werden hierzulande stets mit zu hohen Lohn- und Lohnnebenkosten begründet. Produkte, bei deren Verkauf keine Menschen mehr beteiligt sind, müssten also zwangsläufig billiger sein. Handytarife zum Beispiel. Tatsächlich kosten die, die man online abschließen kann, weniger als die aus dem Fachgeschäft. Man klickt sich durch viele Seiten, begibt sich auf falsche Fährten, geht Irrwege, muss mindestens einmal zurück, weil man irgendein Häkchen vergessen hat, und muss dann mindestens zwei ganze Datensätze von neuem eingeben, weil man rausgeflogen ist. Hat man dann endlich seinen Handyvertrag, verkauft der Mobilfunkanbieter diese Daten möglicherweise weiter, während man auf die Freischaltung der Nummer und die Zusendung eines Mobiltelefons wartet. Irgendwann hat man alles beisammen. Erst dann merkt man, was man sich ans Bein gebunden hat. Dass man, wenn man ein Problem oder auch nur eine Frage hat, mit niemandem sprechen darf, es sei denn, man bezahlt horrende Minutenpreise. Willkommen in der Warteschleife:

Ihr Handy geht nicht? – Herzlich willkommen bei Ihrem Mobilfunkanbieter. – Man hat Ihnen das falsche Handy geschickt? – Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass dieses Gespräch zu Trainingszwecken aufgezeichnet werden kann. Wenn Sie dies nicht wünschen, teilen Sie uns das bitte am Anfang des Gesprächs mit. – Sie haben aus Versehen eine Flatrate für Saudi-Arabien angekreuzt und wollen das schnell rückgängig machen? – Wollen Sie mit einem unserer Kundenberater sprechen, dann drücken Sie bitte die 1. – Ihre Adresse wurde falsch übernommen. – Haben Sie Fragen zu Ihrer Rechnung oder ein Problem mit dem Abruf der Rechnung, dann drücken Sie bitte die
2
. – Es wurde nicht der versprochene Angebots-, sondern der volle Preis von Ihrem Konto abgebucht. – Haben Sie Fragen zu ihrem Vertrag oder Ihrer Mindestlaufzeit, dann drücken Sie bitte die 3. – Sie wollen vom Vertrag zurücktreten? – Wollen Sie den Chef sprechen, unser Unternehmen verklagen oder mir eine reinhauen, dann drücken Sie bitte die 0. Aber bedenken Sie, dass ich nur eine computergenerierte Stimme bin.

Heftgeräte

Ein Hefter aus Plastik erträgt es auf Dauer nicht, dass man ihm ständig auf den Kopf haut. An einem robusten Metallhefter führt also kein Weg vorbei. Bis zu acht Blätter sollte er nur durch leichtes Antippen und ohne zusätzliche Kraftanstrengung heften können. Mit Kraftanstrengung müssen 20 bis 30 Blätter drin sein.

Heftklammern

Heftklammern sollten immer verzinkt sein. Sonst können sie rosten. Bei der Altpapierentsorgung werden sie separat erfasst und zusammen mit anderem Altmetall weiter recycelt.

Homepages

Es gibt immer noch viel zu viele kleine Handwerksbetriebe, die keine eigene Website haben. Und das, obwohl kein Mensch mehr zum Telefonbuch greift, wenn er den Boden fliesen, einen Sessel neu beziehen oder eine Marmorplatte zurechtsägen lassen möchte. Jeder recherchiert im Internet. Handwerker, die noch keine Homepage haben, aber gerne eine hätten, sollten auf keinen Fall auf die Idee kommen, sie mit Hilfe eines Baukastens selbst bauen zu wollen. Dafür gibt es Webdesigner, deren Beruf es ist, gute, schöne, praktische, sinnvolle, durchdachte, ansehnliche und einladende Webseiten zu entwerfen. Sehen Sie sich die Arbeit des Profis genau an – geht ja ganz einfach im Netz. Wie schnell baut sich die Seite auf? Ist sie überladen? Wie übersichtlich ist die Navigation? Gefällt Ihnen die Farb- und Bildgestaltung? Gibt es zu viel Text? Zu viele Bilder? Klicken dauernd Werbefenster auf? Denn eines haben Ihre Kunden immer im Hinterkopf: Life is too short to surf on bad websites.

Karteikarten

Gute Karteikarten sind hochweiß oder bunt, satiniert und haben 200 Gramm (siehe → Collegeblocks). Die Grammzahl bezieht sich immer auf das Gewicht des Papiers pro Quadratmeter (die sogenannte Grammatur). Die Füllerfeder bleibt nicht an kleinen Papierpartikeln hängen, sondern gleitet sauber und elegant über den Karton, als würde sie schweben.

Klammeraffen

sollten → Heftklammern so lösen, dass sowohl die gehefteten Papierblätter als auch die eigenen Fingernägel ganz und unbeschädigt bleiben. Das geht. Kostet aber.

Klebebänder

An den Kassen der Baumärkte, neben Pinselsets, Mülltüten und Fliegenklatschen liegen sie aus, die dicken braunen Rollen, die nicht viel kosten. Liegen da und rufen Ihnen ins Gedächtnis, dass Sie ja auch noch Klebeband kaufen wollten. Dabei sollten Sie von dieser Art von Mitnahmeartikeln grundsätzlich die Finger lassen. Auch wenn sich das Markenprodukt im hintersten Winkel oder im zweiten Stock befindet, sollten Sie sich unbedingt noch mal auf den Weg machen. Gute Klebebänder lassen sich gut schneiden, sie reißen in einer geraden Linie ab und nicht stückchen- oder fitzelchenweise. Vor allem lässt sich gutes Klebeband wieder von Küchenschränken, Regalbrettern, Kühlschränken entfernen, die bei einem Umzug zugeklebt oder verklebt werden. Billiges Klebeband dagegen löst sich ab und auf und bleibt in hässlichen, braunen Fetzen, die man selbst mit literweise Waschbenzin nicht mehr richtig wegbekommt, an Ihren Möbeln hängen. Generationen von Menschen haben sich die Einrichtung versaut, weil sie zu müde waren, noch mal in den zweiten Stock zurückzugehen. Gutes Klebeband erkennt man daran, dass es wesentlich mehr kostet als schlechtes. Und viel dicker ist. Legen Sie mal eine teure 50-Meter-Rolle auf eine billige. Sie werden staunen.

Klebefilme

Nur Markenprodukte kleben dauerhaft gut, lassen sich sauber und glatt abreißen und verarbeiten. Benutzt man sie ohne → Abroller, muss man sie ihrer ausreichenden Dicke wegen nicht umständlich abknubbeln, sondern findet rasch den Klebefilmanfang. Ein guter Film ist gleichförmig aufgerollt (wie eine Filmspule) und nicht krumm, schief oder gewellt.

Klebstoff

Klebstoff ist ein Stoff, der zwischen zwei gleiche oder verschiedene Materialien aufgetragen wird, so dass diese beiden Teile sich (meist) unlösbar miteinander verbinden. Adhäsion bezeichnet den molekularen Kontakt zwischen den Oberflächen verschiedener Teile. Kohäsion meint die innere Festigkeit des Klebers, also den Zusammenhalt der Kunststoffmoleküle untereinander. Je höher die Kohäsion des Klebstoffs, desto stärker klebt er. So mancher Hersteller von handelsüblichem Haushaltsklebstoff scheint bei der Kohäsion zu sparen. Warum sonst kleben und halten die teureren Markenprodukte oft besser als die billigen?

Korrekturflüssigkeit

Die klassische Korrekturflüssigkeit neigt mit der Zeit zum Eintrocknen und zu starker Bröselbildung. Dann fallen beim Öffnen des Fläschchens kleine, harte Bröckchen ab, die sich schon mal über das Papier und den ganzen Tisch verteilen können. Gelangen diese Brösel zusammen mit der Flüssigkeit auf die zu korrigierende Stelle, verwandeln sie diese in eine hügelige Kraterlandschaft, auf der ein schönes Rewrite nahezu unmöglich ist.

Empfohlen werden Korrekturbänder, die man aus einem Roller auftragen kann. Man fährt einfach wie mit einem Markierungsstift über die entsprechende Stelle, die korrigierte Fläche ist anschließend sauber, plan und sehr gut beschreibbar.

Kugelschreiber

Hochwertige Kugelschreiber haben es heutzutage schwer, da es die billigen Exemplare in allen Farben und Formen und vor allem überall umsonst gibt. In Hotels, bei Verkaufs- und Sportveranstaltungen, als Werbeartikel und bei Freunden. Kugelschreiber sind der totale Massen- und Wegwerfartikel. Besonders schlimm sind die Kulis, die in den Postfilialen aushängen: gelbe, schmierende, an viel zu kurzen Ketten befestigte Stifte, mit deren schwarzer Tinte man so unfassbar krakelig und krumm schreibt, als habe man sich gerade die Hand auf einer Herdplatte verbrannt. Außerdem läuft diese Tinte aus und verschmiert Paketscheine und Hände.

Die Konkurrenten von Kugelschreibern sind Filzstifte, Tintenroller sowie E-Mails und SMS, mit denen wir heutzutage unsere tägliche Korrespondenz erledigen. Mit einem Kuli schreibt man heute höchstens noch die Einkaufsliste. Oder signiert Rechnungen, Abmahnungen oder Urlaubsgrüße auf → Postkarten. Aber gerade weil es nur noch wenige, dafür aber sehr wichtige und persönliche Dinge sind, ist es umso bedeutender, einen guten Kugelschreiber zu benutzen. Der liegt stabil in der Hand, hat den richtigen Schwerpunkt und ist nicht zu dick oder zu dünn. Er hat ein Metallgehäuse und ist weder zu leicht noch zu schwer. Vor allem enthält seine Mine hochwertige Tinte, die ein flüssiges und geschlossenes Schriftbild ergibt. Er ist in der Lage, auch noch die krakeligste Handschrift in ein kleines kalligraphisches Meisterwerk zu verwandeln. Wie zu einem → Messer entwickelt man zum eigenen Kugelschreiber im Lauf der Zeit ein persönliches, nahezu freundschaftliches Verhältnis, was mit einem Werbegeschenk nur in Ausnahmefällen passiert.

Laptoptaschen

Eine Laptoptasche muss wasserfest, stabil und gut gepolstert sein, denn das Wichtigste ist der Laptop, der sicher und trocken von A nach B transportiert werden soll. Zum Ärgernis wird eine mit einem Laptop gefüllte Laptoptasche, wenn sie den Schwerpunkt nicht halten kann und ständig nach vorne oder nach hinten rutscht. An so eine Tasche kann man leicht geraten, wenn man im Internet bestellt oder den Laptop nicht mit in den Laden nimmt, um sie vorher auszuprobieren – was ich Ihnen somit dringend empfehle.

Lineale

Kaufen Sie ein Lineal aus Metall oder einem sehr festen Kunststoff. Die sind bruchsicher und lassen sich auch nicht so leicht von einem → Cutter zerschneiden.

Locher

SEDDDR

Monitore

Von einem Schreiner erwartet jeder, dass er nur mit den besten Hobeln und Stechbeiteln arbeitet. Von einem Schlachter, dass er das Fleisch mit einem guten Fleischermesser zerteilt, von einem Maurer, dass er seinen Mörtel mit einer guten Kelle auf die Backsteine klatscht. Aber wenn es an das eigene Arbeitsgerät geht, werden die meisten Menschen nachlässig. So starren viele ihr halbes Arbeitsleben in minderwertige Monitore. TFT (Thin Film Transistor) und LCD-Monitore (Liquid Crystal Display) sind die besten, denn sie sind flach, strahlungsarm, verzerren das Bild nicht und flimmern kaum.

Die besten haben eine hohe Auflösung, also viele Bildpunkte. 1920 x 1200 sind sehr gut. Je mehr Pixel, desto schärfer das Bild. Ein großer Blickwinkel ist ebenfalls wichtig, damit man auch noch etwas sehen kann, wenn man von links oder rechts auf den Bildschirm blickt. Manche Monitore passen den Helligkeitsgrad automatisch an das Umgebungslicht an. Ihren Augen werden es Ihnen danken.

Musiklabels

Viele junge Bands und Musiker fragen sich, ob sie sich ein Musiklabel suchen oder im Zeitalter von Internet, Onlineshops und Downloadportalen ihre Songs nicht lieber selbst vermarkten sollten. Schließlich bekommt so ein Musiklabel Prozente. Sie sollten sich mal mit Lars Lewerenz vom Elektropunklabel Audiolith unterhalten, der in einem Spiegel-Interview sagte: »Wenn es heute heißt, jetzt braucht keiner mehr Labels, weil man es ja selbst direkt bei iTunes einstellen kann – ja, dann macht das doch! Mach deinen eigenen Webshop, mach deine eigene Promo, bemustere die ganzen Blogs und Magazine doch, aber schimpf nicht auf die Labels.«

Notizbücher

Siehe Rubrik → Unterwegs & Draußen.

Ordner

Ein guter Ordner ist aus besonders fester, kantenverstärkter Pappe und hat ein verstärktes Griffloch. Seine Schließmechanik muss passgenau sein und so präzise funktionieren, dass reibungsloses Blättern und Schließen an jedem Ort und zu jeder Zeit gut möglich ist. Wer Unterlagen durchgeht, ein Dokument sucht oder in längst abgehefteter Korrespondenz stöbert, will Papierstapel ohne Widerstände hin und her wuchten können. Es nervt kolossal, wenn das Papier beim Blättern hängenbleibt oder man sich an den nicht exakt passenden Bügeln die Finger klemmt.

Schneidemaschinen

Nur gute Schneidemaschinen haben eine Millimeter-Skala auf einer Metallplatte und ein Rundmesser, das sich beim Benutzen um eine Achse dreht und an ein unteres Messer gedrückt wird. Damit kann man sauber, glatt und schnell kleinere und größere Papiere und Kartonagen zurechtschneiden.

Schulhefte

Rein in den Ranzen, raus aus dem Ranzen, rein in den Ranzen, raus aus dem Ranzen: Ein Schulheft ist heftigen Strapazen ausgesetzt. Deshalb muss es einen stabilen Einband haben und zwei- oder dreifach fadengeheftet sein (Metallklammern können leichter ausreißen). Abgerundete Ecken wirken wie ein geschmäcklerisches Detail, verhindern aber lästiges Um- und Einknicken. Wer nicht möchte, dass der → Kugelschreiber beim Schreiben kratzt oder hängenbleibt, schreibe auf satiniertem Papier, das 80 oder sogar 90 Gramm hat (siehe → Collegeblocks).

Tricks

Billig oder voll billig, ey! sagt man zu Tricks und Verhaltensweisen, die rasch durchschaut werden und nur wenig Charme und Esprit haben.