cover

Mitgehört und aufgeschnappt - Komisches aus dem wahren Leben

Unermüdlich sammeln die Betreiber der Internetseite belauscht.de lustige und absurde Dialogszenen, die irgendwo auf den Straßen Deutschlands aufgeschnappt wurden. Im Supermarkt, an der Bushaltestelle, im Büro oder in der Bahn – überall werden wir Zeuge unfreiwillig komischer oder grotesker Gespräche, die eigentlich nicht für unsere Ohren bestimmt sind.

Dieses Buch versammelt zahlreiche bislang unveröffentlichte Beiträge und das Beste aus drei Bänden – authentisch, abgefahren und unterhaltsamer als jede Reality-Show!

»Eine Riesenentdeckung!« Jürgen von der Lippe

»Ein Sammelbecken für bizarre oder peinliche Gespräche, aufgeschnappt in Zügen, Cafés oder auf der Straße, aufgeschrieben für den Rest der Republik.« Zeit Campus

Felix Anschütz

Nico Degenkolb

Krischan Dietmaier

Thomas Neumann

Wilhelm Heyne Verlag

München

Der Inhalt der einzelnen belauschten Szenen spiegelt nicht die Meinung der Autoren oder des Verlags wider. Um die Anonymität der belauschten Personen zu gewährleisten, wurden alle Namen geändert.

Große Teile dieses Buches sind bereits in den Einzelbänden »Entschuldigung, sind Sie die Wurst?«, »Nee, wir haben nur freilaufende Eier« und »Entschuldigung, wo geht’s hier geradeaus?« erschienen. Darüber hinaus enthält dieser Band zahlreiche neue Belauschnisse.

Taschenbuchausgabe 09/2015

Copyright © 2015, 2009, 2010, 2012 by Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Umschlaggestaltung: Eisele Grafik-Design, München, unter Verwendung der Illustrationen von Lucia Götz

ISBN: 978-3-641-14613-9

www.heyne.de

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Die beliebtesten Belauschnisse –

»Ihre Konfession ist 34?«

Die kurzweiligsten Kleinen –

»Mama, warum steht denn da eine Dusche?«

Die schrägsten Sonderlinge –

»Ist Ihr Laden so unübersichtlich?«

Die durchschlagendsten Durchsagen –

»Dieser Zug verendet hier.«

Die dämlichsten Dummschwätzer –

»Biste Zauberer, oder wat?«

Die bemerkenswertesten Beziehungen –

» … Konkret flotte Dreier gemacht!«

Die schlagfertigsten Sprücheklopfer –

»Da ist ein Feuerwehrauto doch das Mindeste.«

Die Lauscher

Das Buch, das Sie gerade in Ihren Händen halten, ist Teil einer Geschichte (oder, besser gesagt, Zehntausender Geschichten), die eines Morgens im Jahr 2006 in einer Studentenküche in Augsburg ihren Anfang nahm. Dort beschlossen wir, das sind Felix, Nico, Krischan und Thomas, dazumal Mitbewohner einer gemeinsamen Studenten-WG, eine Internetseite ins Leben zu rufen, auf der wir lustige, unterhaltsame, originelle und rein zufällig aufgeschnappte Gesprächsfetzen und Kurzdialoge aus dem öffentlichen Sprachraum sammeln wollten. Noch am selben Abend ging belauscht.de online.

Wir fingen an mit unseren eigenen »Belauschnissen«, doch schon nach wenigen Tagen erhielten wir Unterstützung von Lauschern aus dem ganzen deutschsprachigen Raum. In fast zehn Jahren haben sich auf belauscht.de Zehntausende kleine Geschichten angesammelt, die uns von treuen Lesern aus Deutschland und der ganzen Welt zugesendet wurden. Entstanden ist daraus eine riesige und einzigartige Sammlung witziger, schräger, verrückter, überraschender und manchmal auch nachdenklicher Anekdoten, deren Originalität, Authentizität und Kurzweiligkeit uns nach wie vor in ihren Bann ziehen. Und scheinbar nicht nur uns. Die kleinen Geschichten aus dem echten Leben fanden schnell so großen Anklang, dass wir 2009 mit Unterstützung des Heyne Verlags in »Entschuldigung, sind Sie die Wurst?« die ersten Belauschnisse in Buchform veröffentlichen konnten.

Nach dem unverhofften Erfolg des ersten Bands, der sich wochenlang in den Top Ten der Bestsellerliste hielt, folgten 2010 und 2012 zwei weitere Belauscht-Bücher.

Belauscht.de hat nun nahezu eine Dekade hinter sich, ein durchaus stolzes Alter für ein Hobby-Internetprojekt und ein wunderbarer Anlass für eine Bestandsaufnahme: Mit diesem Buch wollen wir auf über 400 Seiten die besten Geschichten der drei Belauscht-Bände und die bisher ungedruckten Lieblinge der Fans unserer Website zwischen zwei Buchdeckeln vereinen.

Falls Sie mit diesem Buch das erste Mal etwas von belauscht.de hören, ist es der ideale Einstieg in die Welt der Belauschnisse. Falls Sie bereits die Internetseite oder eines unserer früheren Bücher kennen, ist dieses Buch eine wunderbare Gelegenheit, die schönsten Perlen aus knapp zehn Jahren in einer einzigen Ausgabe in Händen zu halten und noch einmal durch die unzähligen irrwitzigen Begebenheiten zu stöbern.

Wir sind uns jedenfalls sicher, dass dieses Buch etwas ganz Besonderes ist. Ganz so wie das Gemüse unserer titelgebenden Geschichte.

Felix, Nico, Krischan und Thomas

Belauscht.de

— Leipzig. In einem Kaufland.

Ein junger Mann fragt eine Aushilfskraft in der Gemüseabteilung.

Kunde: »Entschuldigung, wo gibt’s hier passionierte Tomaten?«

Verkäuferin: »Drittes Regal links, gleich neben den leidenschaftlichen Gurken.«

Über Humor lässt sich streiten und über Belauschnisse erst recht! Nach zehn Jahren Sammelarbeit und der redlichen Bemühung unter unzähligen Einsendungen nur die besten herauszusuchen, ist dies für uns zu einer unumstößlichen Wahrheit geworden. Was den einen völlig aus der Fassung und mit Lachkrämpfen auf den Boden schicken mag, lässt den anderen möglicherweise gänzlich kalt. Nicht selten haben wir leidenschaftlich über Einsendungen gestritten, und nicht selten schlossen sich unsere Leser daran an. Wann ein Belauschnis zum Kracher und Lacher wird, wann zum Rohrkrepierer – ganz ehrlich, so ganz genau wissen wir das immer noch nicht. Mal ist es die Authentizität, die Kraft, das eigene Kopfkino zu entfachen, dann wieder die unerwartete Pointe, der originelle Sprachwitz oder der doppelte Boden. Und manchmal ist es schlicht und einfach nur entwaffnende Banalität. Was auch immer die Zutaten für ein perfektes Belauschnis sein mögen, die folgenden Geschichten scheinen sie offenkundig zu haben: Sie sind die 50 beliebtesten Einträge von belauscht.de, ermittelt über Hunderttausende Leserstimmen. Viel Spaß mit den Stars und Sternchen von belauscht.de!

im namen des hüft-, des taillen- und des brustumfangs

— Berlin. In einem Büro am Gendarmenmarkt.

In der Personalabteilung. Eine Mitarbeiterin (Mitte 20) füllt einen Personaldatenbogen aus, in dem auch die Konfession abgefragt wird. Dort trägt sie die Zahl 34 ein. Der daneben sitzende Personalchef schaut die Mitarbeiterin verblüfft an und fragt leicht ironisch:

»Ihre Konfession ist 34?«

Die Mitarbeiterin guckt zerknirscht zurück und sagt:

»Na gut, 36!«

was lehrer heute schlucken müssen

— Monheim. In einer Schule.

Neulich im Geschichtsunterricht. Eine Schülerin mampft genüsslich und nur wenig um Heimlichkeit bemüht an ihrem Brötchen herum.

Lehrer: »Würdest du bitte sofort dein Brötchen wegpacken?«

Schülerin verdreht die Augen, beißt noch einmal herzhaft in ihr Brötchen, bevor sie es in ihren Rucksack packt. Sie erwidert den mahnenden Blick des Lehrers ausgiebig kauend.

Lehrer (genervt): »Und jetzt runterschlucken …«

Schülerin (mit vollem Mund): »Schlucken kostet aber extra.«

schwäbischer pottspott

— Stuttgart. Im Büro.

Der Firmeninhaber ist gerade dabei, eine Mail an Geschäftspartner im Ruhrpott zu verfassen.

Chef: »Glauben Sie, das passt, wenn ich schreibe: ›Herzliche Grüße ins schöne Gelsenkirchen‹?«

Mitarbeiter: »Ja, warum denn nicht?«

Chef: »Nicht dass die glauben, wir wollen sie verarschen.«

hobby humboldts neuester fund

— Bonn. An einer Bushaltestelle.

Ein ausländischer Mitbürger sitzt neben mir an der Haltestelle. Als ein Eichhörnchen über die Straße läuft, ruft er laut:

»Ey, Nussmäuschen Alter! Nussmäuschen!«

startschuss für den strandmarathon!

— Rosapineta (Italien). Am Strand.

Nebenan liegt eine deutsche Familie. Der Vater schaut einer vorbeilaufenden, knackig-braunen Strandschönheit mit knappem Bikini hinterher. Zwinkernd sagt er zu Frau (gelangweilt dösend) und Tochter (ca. neun):

»Ob ich die junge Dame noch einhole, wenn ich hinter ihr herrenne?«

Tochter (ganz trocken): »Nicht, wenn sie einen Rückspiegel hat.«

burg statt burka?

— Dortmund. In der Fußgängerzone vor der Reinoldikirche.

Eine bis auf die Augenschlitze schwarz verschleierte Muslima läuft die Straße entlang. Ein Mann mit seinem kleinen Sohn (ca. vier) kommt ihr entgegen. Der Junge bemerkt die Frau, stellt sich vor sie und fragt mit großen Augen:

»Bist du der schwarze Ritter?«

konferenz in rüsselsheim?

— Wuppertal. Im Zoo.

Ein Kind steht mit seinem Vater vor dem Elefantengehege und schaut die Babyelefanten an. Der Vater fummelt am Handy rum.

Kind: »Papa, wo ist denn der Papa von den kleinen Elefanten?«

Vater antwortet nicht.

Kind (nochmals): »Papaaa, wo ist der Papa von den kleinen Elefanten?«

Wieder keine Antwort, Vater geht weg zum Telefonieren.

Kind (schulterzuckend zu sich selbst): »Der ist bestimmt im Büro.«

von enten, käfern und fröschen

— Elm. Bei einer Stoppelcross-Veranstaltung.

Zwei Kinder (ca. fünf) unterhalten sich über die vorbeifahrenden Stoppelcrossautos. Der Junge ist ganz aufgeregt, weil die Fahrzeuge so schnell sind. Das Mädchen steht locker daneben.

Mädchen: »Mein Papa fährt da auch mit. Er ist ganz schnell.«

Junge: »Fährt dein Papa einen Käfer?«

Mädchen: »Nein, er fährt mit dem Auto.«

wohl mit assirabisch verwechselt

— Berlin. Am Flughafen im Flughafenbus.

Ein ca. dreijähriges Kind stellt während der Fahrt einige Fragen.

Kind: »Du, Mami, kann ich die Menschen in Ägypten verstehen? Wie ist Arabisch?«

Mutter: »Alleine von der Sprache wirst du eher nichts verstehen. Arabisch ist sehr schwierig und gar nicht mit der deutschen Sprache verwandt. Es klingt meist etwas abgehackt und kehlig.«

Kind: »Schwieriger als Englisch?«

Mutter: »Auf jeden Fall. Aber dort können die Menschen auch Englisch und etwas Deutsch, zur Not behilft man sich mit Gesten.«

Kind: »Das wird lustig! Ich bin schon so gespannt.«

Währenddessen telefoniert schräg gegenüber eine tussihafte junge Frau (zwischen 16 und 17).

Tussi: »Ne alle assi. Und ja ne, ich sag ne, er och, komms Party, ich sag ey nich, wa? Party, ey Griffl ab, ne er, voll uff Dröhnung, er ey wat jet? Watn shit, nervt … wa? Ne ich mein ’n Murat, wa? Ey nich der …«

Kind (hört eindringlich zu): »Mami, spricht das Mädchen arabisch?«

houston, wir haben 13 probleme!?

— Hennef (Sieg). In einer Videothek.

Kunde: »Haben Sie auch ›Apollo 13‹?«

Die Verleiherin tippt ›Apollo‹ in den Computer.

Verleiherin: »Nein, ham wir nicht. Die anderen Teile aber auch nicht.«

er wusste es: blind dates bringen es nicht

— Frankfurt am Main. Alt-Sachsenhausen.

In einer ziemlich vollen Kneipe. Am Nebentisch sitzt ein Blinder mit seinem Hund und trinkt ein Bier. Der Kellner setzt einen Mann mit an den Tisch, welcher den Blinden und den Hund einige Zeit anstarrt. Nach ein paar Minuten hält er es wohl für angebracht, ein Gespräch zu beginnen.

Mann: »Hat der Hund eine Ausbildung?«

Blinder: »Ja, er ist gelernter Industriekaufmann.«

sex, drugs and nachbarschaft

— Düsseldorf-Flehe.

Eine ältere, sehr neugierige Dame trifft ihre deutlich jüngere Nachbarin im Treppenhaus, als ich gerade an den beiden vorbeigehe.

Ältere Dame: »Was war da gestern Nacht los bei Ihnen?!«

Nachbarin: »Nun ja, ich hatte wilden Sex … und Sie?«

freispruch in letzter sekunde

— Hannover. Im Taxi.

Türkischer Taxifahrer, etwas unsicher: »Äh, Zentrale, ich habe hier eine Fahrgast, der möchte in eine Lokal, wo sich auch, äh, Homosexuelle treffen.«

Zentrale: »Die schwule Sau!«

(lange Pause)

Taxifahrer: »Äh, Zentrale, das war nix gutt. Fahrgast ist sehr böse!«

Zentrale, entsetzt: »NEIN! Die Schwule Sau in der Schaufelder Straße. Der Laden heißt so!«

ein sack henkersmahlzeit bitte

— Gevelsberg. Im Praktiker.

Eine ältere Dame (ca. 70) geht auf eine junge Verkäuferin zu und fragt diese:

»Entschuldigung, Fräulein, fällt Rattengift unter Tiernahrung?«

und wie lange hat dein widder noch tüv?

— Stuttgart. In einer Autowerkstatt.

Eine junge Frau (ca. 20) im Büro der Werkstatt. Sie übergibt dem KFZler den Autoschlüssel. Der Mechaniker nimmt ihre Daten auf.

Er: »Name?«

Sie: »Friedrich.«

Er: »Ihre Telefonnummer, wo ich Sie tagsüber erreichen kann?«

Sie: »07654 3210.«

Er: »So, und nun noch Ihr Kennzeichen.«

Sie: »Widder.«

Er schaut sie fragend an.

Sie: »Ja, schon. Im März geboren.«

get big in big apple

— New York. In einem McDonald’s.

Ein Kunde aus Österreich möchte noch eine Cola bestellen.

Österreicher: »I’d like to have a big cock!«

Verkäuferin: »I guess you’d like to have a LARGE COKE, not a BIG COCK.«

wenn omis dissen

— Bremen. In der S-Bahn.

Neben mir sitzt eine ältere Dame. Ihr gegenüber zwei Jungs (ca. 16) im Gangsta-Look. Diese beiden zeigen auf mich, tuscheln und lachen hin und wieder. Mir ist das egal, die Dame neben mir fühlt sich aber gestört.

Sie: »Wisst ihr beiden, jetzt muss ich euch mal was sagen. Die Jungs, die so aussehen wie der da (zeigt auf mich), so mit schwarzen Klamotten und langen Haaren, die sind nett, höflich und freundlich …«

(Pause)

»… Aber die Jungs, die sich die Hosen nicht mal richtig hochziehen können, weil sie so schwach sind, die sind vielleicht Arschlöcher!«

freudsche verhörer – heute: die anale phase

— Kirchheim. Im Hotel Seepark.

Während eines Fortbildungsseminars. Zwei Teilnehmer – sie im Business-Kostüm, er im Anzug – unterhalten sich am Ende des Seminars auf dem Hotelflur.

Sie: »So, wenn ich im Zimmer bin, werde ich erst mal packen.«

Er: »Wow! Endlich mal eine Frau, die es ausspricht!«

Sie: »Was denn? Packen?«

Er: »Äh, ach so, ich habe ›kacken‹ verstanden.«

bullenstarker wiesenhit

— München. Theresienwiese während des Oktoberfests.

Auf dem Wiesn-Gelände ist das Fahrradfahren aufgrund der Fußgängermassen eigentlich verboten, trotzdem fährt einer im Slalom zwischen den Fußgängern durch. Nicht weit entfernt steht der grün-weiße »Partybus« der Münchner Polizei. Aus dem Bus erschallt eine gesungene Durchsage eines Wolfgang-Petry-Klassikers:

»Das ist Waaahnsinn, warum fährst du hier mit dem Fahrrad?«

100 heimgehende Wiesn-Besucher im Chor: »Fahrrad, Fahrrad, Fahrrad!!«

eilantrag abgelehnt

— Berlin. In der S-Bahn.

Die S-Bahn hält zwischen zwei Bahnhöfen.

Durchsage des Zugführers: »Werte Fahrgäste, es befinden sich Kinder auf den Gleisen. Da es uns das Gesetz verbietet, diese zu überfahren, verzögert sich die Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit!«

Einige Minuten vergehen.

Erneute Durchsage: »Da es in der Zwischenzeit keine Gesetzesänderungen gab, müssen wir weiter warten!«

mit viel glück gibt‘s ’nen kreislaufkollaps zu sehen

— Dortmund-Wischlingen. In der Sauna.

Ein Mann kommt mit seinem Sohn (ca. vier) in die große, gut gefüllte Blockhaussauna. Für den Jungen ist das offensichtlich der erste Saunabesuch. Beide setzen sich auf die unterste Stufe, der Junge sieht sich um.

Nach ein paar Minuten Stille:

Sohn: »Papa?«

Vater: »Ja?«

Sohn: »Worauf warten wir?«

sätze für die ewigkeit

— Saarbrücken. In der Diskothek Garage.

Ein Pärchen streitet sich lautstark auf der Tanzfläche, allerdings ist die Musik so laut, dass man trotzdem kein Wort versteht. Doch dann kommt eine Pause zwischen zwei Liedern, und man hört sie durch die ganze Diskothek schreien:

» … UND DU DARFST MIR NIE WIEDER INS GESICHT SPRITZE!!!«

vamp in spe: süß und giftig, sie hat es schon drauf

— Berlin. Beim Kinderarzt.

Eine Mutter sitzt mit ihrer Tochter (ca. fünf) im Wartezimmer. Um sie zu beschäftigen, drückt sie der Tochter einen Einkaufsbeutel in die Hand mit der Bemerkung, »einkaufen« zu gehen.

Die Tochter nimmt den Beutel, geht den Gang hoch und runter, bückt sich ab und an, um »Ware« hochzuheben. Sie kommt zurück zu ihrer Mutter:

Mutter: »Na, was hast du denn eingekauft?«

Tochter: »Bonbon, Lala (Schokolade?), Lutscher …«

Fremde Frau, die daneben sitzt: »Hast du gar kein Brot eingekauft?«

Tochter (böse): »Und du hältst dich schön raus, Tante!«

bei vorbildern sehe ich rot!

— Heilbronn. Wollhausplatz.

Eine Frau (Mitte 20) mit ca. dreijährigem Kind im Wagen geht langsam auf eine rote Fußgängerampel zu. Von hinten nähert sich eilig ein aufgestylter Checker. Er überholt die Frau und geht wie selbstverständlich über die rote Ampel auf die Kreuzung. Mitten auf der Straße dreht er um, kommt zurück.

Checker (zu Frau): »Sorry, war jetzt nicht so gut. Schlechtes Vorbild und so. Sorry.«

Frau (aggressiv): »EY SPRISCH MISCH NISCHT AN SPACKO!!!«

…und läuft mitsamt dem Kind in aller Seelenruhe über die rote Ampel.

grasklare reisepläne

— Senftenberg.

Eine Familie sitzt gemeinsam zum Abendessen am Tisch. Oma (Mitte 70) spricht ihren Enkel an.

Oma: »Und, fährst du im Sommer noch mal nach Holland?«

Enkel: »Jap …«

Oma: »Zum Kiffen, was???«

super-mario-kart im supermarkt

— Ulm. In einem Supermarkt.

Eine ältere Frau kauft mit ihrer knapp dreijährigen Enkelin ein. Die Kleine schiebt ihren Kindereinkaufswagen wild durch die Gegend.

Großmutter: »Jetzt pass mal auf, wo du den Wagen hinschiebst. Und wenn du wieder einen anrempelst, dann sagst du ›Entschuldigung‹ und nicht ›Boing‹!«

geil glauben, alda!

— Offenbach. Zu Hause.

Das wohlerzogene Töchterchen (drei) ist neu im Kindergarten und bringt frisch Erlerntes nach Hause. Vor dem Abendessen soll gebetet werden.

Tochter: »Beten!?«

Da dies unüblich ist, fragt die Mutter erstaunt: »Was?«

Darauf zeigt das Töchterchen, was es noch gelernt hat: »Beten, Arschloch!«

papa der vorbildkiller

— Krefeld Hüls. In einer Kindertagesstätte.

Kollegin sitzt mit einem Jungen (drei Jahre alt) am Maltisch und spricht über das Wochenende.

Kurz darauf kommt ein weiterer dazu (fünf Jahre) und zeigt ihr stolz sein neues »Bob-der-Baumeister-T-Shirt«.

Kollegin zum Dreijährigen: »Na, willst du auch so ein tolles T-Shirt haben?«

Dreijähriger: »Der Papa sagt, der Bob der Baumeister ist ein Riesenversager und wenn der Papa so langsam arbeiten würde wie der, wär er arbeitslos!«

wer hatte ihm nur diese schnapsidee mit dem lehramtsstudium eingebrockt …

— St. Arnold. In der Schule.

Der Lehrer bespricht einen mehr als schlecht ausgefallenen Physiktest.

Lehrer: »Frage 4. Da hat einer geschrieben, dass die elektrische Leitfähigkeit mit höherer Temperatur des Leiters abnimmt.«

Die Hälfte der Klasse bricht in Gelächter aus …

Lehrer (leicht resigniert): »Das ist richtig.«

liebe geht durch den laden

— Augsburg. Rathausplatz.

Ein junges Pärchen händchenhaltend in der Fußgängerzone.

Sie: »So, und jetzt will ich noch zu H&M …«

Er: »Da will ich aber nicht hin!«

Sie (geduldig): »Ja, aber zu einer Beziehung gehört es nun mal, dass man auch mit in die Läden geht, wo man nicht hinwill.«

Er: »Ich war heute in JEDEM Laden, in den ich nie in meinem Leben hinwollte!!!!«

pränatale breaking news

— Köln Porz. In der Regionalbahn.

Im Abteil hinter mir sprechen zwei junge Damen (Anfang 20) über Nachrichtensendungen im Fernsehen.

»Hey, in 3 SAT läuft heute und tagesschau… da wird eine Frau eingeblendet, die das in Gebärmuttersprache übersetzt.«

im allgäu, wo die welt noch in ordnung ist

— Immenstadt. An einer Tankstelle.

Beim Versuch zu zahlen fällt uns auf, dass die Bedienung der Tankstelle nicht hinter der Theke steht und auch sonst nicht im Verkaufsraum der Tankstelle ist. Allerdings hängt an der Kasse ein Zettel mit der Aufschrift:

»Bin kurz auf dem Klo. Bitte versuchen Sie, nichts zu klauen – danke!«

nimm zwei (beleidigungen): eine kommt garantiert an

— Herne, Innenstadt. Abends im McDonalds.

Junge: »Boah, was trinkst du so viel von meiner Cola??? Du hast gesagt, EINEN Schluck, du dumme Schlampe!«

Mädchen: »Hast du mich gerade dumm genannt?!?!«

kleine geheimnisse bringen spannung in die beziehung

— Bad Berleburg. Auf dem Schützenfest.

Ein sichtlich angetrunkener junger Mann (ca. 24) steht an der Theke und telefoniert mit seiner Freundin über die Freiprechfunktion seines Handys.

Er: »Schatz, hol mich ab. Ich muss jetzt ins Bett.«

Sie: »Wo bist du denn?«

Er: »Das geht dich gar nichts an!«

(Er legt sauer auf.)

eine runde probeschlecken?

— Leverkusen. An einem Kiosk.

Ein kleines Mädchen steht vor mir in der Schlange am Kiosk.

Mädchen: »Ich hätte gerne den Schokoriegel mit dem Löwen drauf.«

Verkäufer: »Lion?«

Mädchen: »Neee, kaufen!«

snoop doggy dackel

— Leipzig. In der Fußgängerzone.

Zwei Jugendliche um die 18 (ein Junge, ein Mädchen) unterhalten sich.

Mädchen: »Ey, mein Ex dreht so hohl, seitdem er seine neue Ische hat.«

Junge: »Warum?«

Mädchen: »Der macht jetzt dermaßen einen auf cool. Der hat sogar seinen Hund umgenannt, nur um der Tussi zu imponieren. Snoop Doggy Dog! Das musst du dir mal geben. Der nennt seinen Hund in Snoop Doggy Dog um wegen so ´ner Schlampe.«

Junge: »Wie hieß der Köter denn vorher?«

Mädchen: »Willi! Ich mein, der Hund ist schon zehn oder so! Der muss doch auch mal an das Tier denken, der Hund kriegt doch nen Schaden. Und ich mein, der Dackel sieht echt nicht aus wie ´n Rapper!«

neuester trend: schwarzer turban?

— Ilshofen. Am Telefon.

Meine Tante: »Bist du immer noch bei diesen Sikhs?«

Ich (verwirrt): »Wieso sollte ich bei den Sikhs sein?«

Meine Tante: »Ja, du bist doch bei diesen Sikhs. Dieser Gruppe, wo sich die Leute so schwarz anziehen und so.«

Ich: »Meinst du etwa die Gothics?«

Meine Tante: »Ja, genau, stimmt! So heißen die! Go-Sikhs!«

der kleine sherlock spanner

— Osnabrück. In der Damentoilette eines Kaufhauses.

Eine Mutter wartet mit ihrem kleinen Sohn (ca. vier) auf das Freiwerden einer Kabine. Hinter einer der verschlossenen Türen erleichtert sich gerade eine Dame. Plötzlich schmeißt sich der Junge zu Boden, steckt den Kopf unter der Tür hindurch und ruft:

»WER DUSCHT DENN DA?«

der playboy und sein anti-bunny

— Im Zug von Halle nach Magdeburg.

Ein junges Pärchen (ca. 18) sitzt sich gelangweilt gegenüber, bis er einen Playboy aus der Tasche zieht und anfängt, dadrin zu blättern. Sie schaut ihn total erbost an.

Er: »Hey, da stehn interessante Artikel drin!«

Sie reißt ihm das Heft aus der Hand und blättert selber drin, während er nur verdutzt zuschaut.

Sie: »Wow, hier ist ein Artikel, wie sich ein weiblicher Orgasmus anfühlt!«

Er: »Und, stimmt es zumindest?«

Sie (liest weiter, dann unbeteiligt): »Wie soll ich das denn beurteilen?«

es stinkt was am fischmarkt

— Hamburg, Fischmarkt. An den Landungsbrücken.

Sonntagmorgen in aller Herrgottsfrühe, eine Durchsage auf dem Fischmarkt:

»Sehr geehrte Besucher des Fischmarkts, hier spricht die Marktleitung. Wir möchten darauf hinweisen, dass sich Taschendiebe auf dem Marktgelände befinden. Bitte achten Sie auf Ihre Wertgegenstände. Die Taschendiebe werden aufgefordert, den Markt umgehend zu verlassen.«

ein glück, sie muss sich nicht untenrum freimachen

— Köln. In einem Friseursalon.

Kundin: »Ich hab da mal ne Frage: Was kostet es, die Haare untenrum dunkel zu färben?«

Friseurin: »Da müssen Sie mir jetzt erst mal definieren, was Sie mit ›untenrum‹ meinen …«

Kundin (verständnislos): »Ja den Nacken!«

die bösen, kleinen weight-watchers

— Stuttgart. In der U-Bahn.

Eine Mutter (1,80 m groß, geschätzte 130 kg schwer) steigt mit ihren beiden Kindern (Tocher ca. fünf, Sohn ca. vier) in die U-Bahn ein. Nach kurzer Zeit entsteht zwischen der Mutter und ihren Kindern folgender Dialog:

Mutter: »Und, habt ihr eben bei der Tante schön gegessen?«

Tochter: »Ja, war lecker. DU hast aber viel zu viel gegessen!«

Mutter: »Nein, ich habe nicht viel gegessen. Ich esse immer nicht so viel.«

Sohn: »Doch, du hast viel gegessen. Dein Bauch ist doch ganz dick.«

Mutter (schaut schon ganz beschämt, da jeder im ganzen Abteil mithört): »Nein, ich esse auch nicht mehr als ihr. Ah, schaut mal da draußen, was da ist!«

Es herrscht zwei Minuten absolute Stille. Die Bahn hält an einer Haltestelle ungewöhnlich lange.

Ungeduldig sagt die Mutter: »Wieso dauert das so lange?! Warum fährt die Bahn nicht weiter?«

Darauf beide Kinder sehr laut im Chor: »WEIL DU ZU SCHWER BIST!!!«

die kleine besserwisser-ein

— Köln. Bahnhof Ehrenfeld.

Zwei ca. 17-jährige Mädels sitzen am Bahnhof und warten.

Durchsage: »Auf Gleis 3 fährt ein: Regionalbahn RE4510.«

Das Mädel neben mir: »Ey, sind die doof, das heißt doch ›einE‹ Regionalbahn!«

der feine unterschied zwischen rasur und intimrasur

— München. In einem Kindergarten.

Gespräch zwischen einem kleinen Mädchen (ca. vier) und einem Erzieher auf dem Flur. Die Mutter ist gerade zum Abholen gekommen.

Mädchen (zum Erzieher): »Warum hast du da Haare im Gesicht?«

Erzieher (leicht verwundert): »Das ist mein Bart.«

Mädchen: »Warum?«

Erzieher: »Weil ich heute Morgen vergessen hab, mich zu rasieren.«

Eine kurze Pause, in der das Mädchen überlegt, kurz zu seiner Mutter sieht, schließlich nickt und mit wissender Miene sagt:

»Meine Mama rasiert sich auch immer die Vagina.«

kaffee oder koitus?

— Berlin. KEH-Krankenhaus, Cafeteria.

SIE und ER stehen vor mir in der Cafeteria an der Kasse. Die Verkäuferin fragt, was sie denn für die beiden tun kann.

Er: »Haben Sie hier auch Kondome?«

Die Verkäuferin schaut etwas irritiert und verneint die Frage. Daraufhin dreht sich der junge Mann zu seiner Begleiterin um und fragt:

»Hm, willste dann vielleicht ’n Kaffee?«

kindernamen in den ewigen jagdgründen gefunden?

— Bad Segeberg.

Es sind mal wieder Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg, »Halbblut« steht auf dem Programm. Etwa nach der Hälfte der Vorführung rennt ein Indianer völlig aufgelöst in die Mitte des Aufführungsplatzes, reckt die Hände in den Himmel und brüllt sich die Kehle aus dem Leib:

»MAAANITOOUUUU!«

Danach ist alles mucksmäuschenstill. Plötzlich hört man aus dem Publikum eine Kinderstimme: »Ja?«

das vorstellungsgespräch wird lustig

— Köln.

Wir stehen vor unserer Firma im Industriepark und rauchen. Ein junges Mädchen um die 17 hastet auf uns zu.

Mädchen: »Tschuldigung, wo ist denn die Hausnummer 135?«

Kollege: »Weiß nicht genau, wie heißt denn die Firma?«

Das Mädchen kramt eine Weile in seinen Unterlagen in der Tasche.

Sie: »GmbH.«

kinder sind ihr jacke wie hose

— Hamburg. Im Karstadt.

Ein Paar beim Einkaufen bei Karstadt. Sie probiert eine Jacke, offensichtlich fest entschlossen, diese zu kaufen.

Er: »Schatz, meinst du nicht, dass die ein bisschen teuer ist?! Wir brauchen ja auch noch Geschenke für die Kinder …«

Sie: »DU wolltest die Kinder!«

das erste schleudertrauma hat er schon …

— Hamburg. Metro in der Papenreye.

Bei den Waschmaschinen steht ein junger Mann, Typ Student, und studiert verzagt die Bedienungsanleitungen der dort angebotenen Waschmaschinen. Schließlich greift er sich einen Angestellten der Metro.

Student: »Entschuldigen Sie bitte, wo steht denn hier, wie rum die Trommel dreht?«

Verkäufer: »Was meinen Sie denn mit ›wie rum‹?«

Student: »Ich will nur wissen, wo man einstellen kann, wie rum die Trommel beim Waschen dreht!«

Verkäufer macht große Augen: »Ja aber warum denn?!«

Student: »Also, ich hab meine Mutter gefragt, wie man wäscht, und sie hat gesagt, Jeans und Pullover immer linksrum!«

an nikolaus zum nordpol?

— Kiel. Bus in der Innenstadt.

Der Bus ist sehr voll, draußen starkes Schneegestöber.

Durchsage vom Busfahrer: »Sehr geehrte Fahrgäste – HoHoHo –, wie Sie bemerkt haben, es schneit draußen. Suchen Sie sich einen festen Halt oder Sitz, wir sind jetzt ein Schlitten! Hat jemand Glocken für die Atmosphäre dabei?«

Im hinteren Teil des Busses fängt es an, rhythmisch zu klingeln …

Die größte Belauscht-Beliebtheit genießen hierzulande eindeutig die Kleinsten. In den Einsendungen unserer Leser sind Kinder mit Abstand am häufigsten vertreten. Aber erst zusammen mit ihren Erzeugern bilden sie jene kongeniale Verbindung, die uns seit Jahren hinweg mit frischen und unterhaltsamen Geschichten versorgt. Denn was Erstere sorglos in die Welt hineinbrabbeln, halten Letztere sorgsam für dieselbe fest. Und auch wenn uns dann der Elternstolz oft unverblümt zwischen den Zeilen entgegenstrahlt, viele der besten Belauschnisse sind Kindermündern entsprungen. Viel Spaß mit den kurzweiligen Kleinen, ganz groß!