Cover

John Armstrong

Wie man gelassen mit Geld umgeht

Kleine Philosophie

der Lebenskunst

Herausgegeben von Alain de Botton und der SCHOOL OF LIFE

Aus dem Englischen von

Richard Barth

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Die britische Originalausgabe erschien 2012 unter dem Titel »How to Worry Less about Money« bei Macmillan, einem Imprint von Pan Macmillan, London.



Deutsche Erstausgabe

© 2012 der deutschsprachigen Ausgabe

Kailash Verlag

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,
Neumarkter Str. 28, 81673 München

© 2012 The School of Life

Lektorat: Rasha Khayat

Umschlaggestaltung: WEISS WERKSTATT MÜNCHEN unter Verwendung verschiedener Motive von © shutterstock

Satz: EDV-Fotosatz Huber/Verlagsservice G. Pfeifer, Germering

ISBN 978-3-641-08836-1
V003

www.kailash-verlag.de

I Einleitung

In diesem Buch geht es nicht um Geldprobleme, sondern um Geldsorgen. Das ist ein großer Unterschied.

Akute Geldprobleme erfordern eine sofortige Reaktion. Ich weiß nicht, wo ich das Geld für die Autoversicherung auftreiben soll. Meine Kreditkartenrechnungen sind wie ein Mühlstein um meinen Hals: Sie ziehen mich immer tiefer in den Schuldensumpf. Mein vierzehnjähriger Sohn tut sich in der Schule unheimlich schwer. Ich wünschte, ich könnte ihn auf eine Privatschule schicken. Aber das kann ich mir nicht leisten.

Bei Geldproblemen wie diesen gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder Sie bessern Ihre finanzielle Lage auf, indem Sie Ihre Schulden begleichen, mehr verdienen oder Ihre Ausgaben reduzieren – oder Sie verzichten auf etwas anderes.

Geldsorgen dagegen sagen oft mehr über uns selbst aus als über die Realität.

Diese Sorgen haben weniger mit dem Saldo Ihres Bankkontos zu tun als mit der Frage, was sich in Ihrem Kopf abspielt. Sie richten sich teils auf die Vergangenheit, teils auf die Zukunft: Ich fürchte, dass ich vor fünfzehn Jahren eine große finanzielle Fehlentscheidung getroffen habe. Ich habe Angst, meine Kinder könnten nicht genug Geld haben, wenn sie erwachsen sind. Sorgen haben nicht nur mit dem Hier und Jetzt zu tun, sondern viel mit unserer Einbildung und mit unseren Gefühlen.

Geldsorgen sollte man daher ganz anders angehen als Geldprobleme. Wenn wir uns mit unseren Sorgen auseinandersetzen wollen, müssen wir auf unsere (ideologisch geprägten) Denkmuster achten, auf unser (kulturell geprägtes) Wertesystem, und darauf, wie diese sich in unserem eigenen, individuellen Dasein manifestieren.

Ratgeber zum Thema Geld behandeln in aller Regel hauptsächlich die Frage: Wie komme ich zu mehr Geld? Bei den Ratschlägen handelt es sich um Ideen und Anregungen, wie man den eigenen Reichtum mehren kann: Investieren Sie in Immobilien; suchen Sie sich einen besser bezahlten Job; heiraten Sie einen reichen Partner. Die zugrunde liegende Annahme lautet, dass wir bereits wissen, wie viel wir brauchen (»Mehr! Mehr!«) und wozu (»Was soll die Frage?«). Doch eigentlich sollte man sich die Frage »Wie komme ich zu mehr Geld?« erst stellen, nachdem man sich ein paar Gedanken darüber gemacht hat, wie viel Geld man braucht und wofür man es ausgeben will.

Die zweite Kategorie von Ratschlägen in Sachen Geld geht von der Frage aus: Wie komme ich mit weniger Geld aus? Ideen zum Geldsparen gibt es viele: Schneiden Sie Ihre Kreditkarte in tausend Stücke; zwingen Sie sich, jede einzelne Ausgabe zu dokumentieren; drehen Sie die Heizung runter, und tragen Sie zu Hause einen Pullover mehr; sammeln Sie Coupons für Rabattaktionen. Das sind natürlich alles durchaus sinnvolle Strategien. Aber dabei wird davon ausgegangen, dass Sie sich bereits die richtigen Ziele gesetzt haben und diese nun auf möglichst günstigem Weg erreichen wollen. Die entscheidende Frage bleibt außer Acht: Wofür brauche ich eigentlich Geld? Oder, anders ausgedrückt: Worin besteht der Zusammenhang zwischen Geld und einem guten Leben?

Mit anderen Worten: Unsere Ratgeberkultur ist nicht auf Geldsorgen ausgerichtet, sondern auf Geldprobleme. Das ist deswegen problematisch, weil das Thema Geld in unserem Leben einen so breiten Raum einnimmt. Unser Verhältnis zu Geld begleitet uns ein Leben lang, es beeinflusst unser Selbstbild, es prägt unsere Haltung gegenüber anderen, es eint oder spaltet Generationen. Geld ist der Schauplatz, auf dem wir uns als gierig oder großzügig erweisen, auf dem wir von unserer Klugheit Gebrauch machen oder Dummheiten begehen. Freiheit, Verlangen, Macht, Status, Arbeit, Besitz: Bei all diesen zentralen Konzepten, die unser Leben bestimmen, geht es fast immer auch um Geld.

Die Bildungstheorie macht einen großen Unterschied zwischen Wissensvermittlung und Bildung. Durch die Aneignung von Wissen lernt ein Mensch, bestimmte Aufgaben effizienter und zuverlässiger zu erledigen. Bildung dagegen bereichert uns und erweitert unseren Horizont. Um Menschen Wissen zu vermitteln, benötigt man keinerlei Informationen darüber, wer sie eigentlich sind, was ihnen am Herzen liegt und aus welchem Grund. Bildung zielt hingegen stets auf den ganzen Menschen. Der Umgang mit Geld ist etwas, was traditionell eher als eine Frage der Wissensaneignung betrachtet wird, weniger als eine Frage der Bildung im weiteren und ganzheitlicheren Sinn.

In letzter Konsequenz ist unser Verhältnis zu Geld von unseren grundlegendsten und zugleich schwammigsten Vorstellungen vom »Leben, dem Universum und dem ganzen Rest« geprägt – von unserer Vorstellung davon, was es heißt, ein Mensch zu sein. Und das bedeutet, dass unsere Einstellung zu Geld von Gedanken beeinflusst oder beeinträchtigt werden kann, die auf den ersten Blick gar nichts mit Geld zu tun haben.

Für Karl Marx war Geld zum Beispiel Teil eines zutiefst ungerechten Systems. Seiner Ansicht nach schadet es Erfolgreichen und Erfolglosen gleichermaßen. Der einzig denkbare Ausweg bestand für ihn darin, das System als Ganzes zu verwerfen, die Fließbänder anzuhalten und eine Revolution ins Rollen zu bringen. Aus dieser Perspektive betrachtet ist Geld etwas, das der Welt von außen aufgedrückt worden ist.

Die Verfechter des freien Marktes von der Chicagoer Schule argumentierten dagegen, Geld sei im Grunde ein neutrales Tauschmittel, das Menschen ermögliche, rational miteinander zu interagieren und so ihren Nutzen zu maximieren. Von dieser Warte aus gesehen ist Geld etwas völlig Harmloses. Sämtliche Probleme, die wir mit Geld in Verbindung bringen, sind in Wirklichkeit eine Folge mangelnder Rationalität. Jeder ist seines Glückes Schmied.

Das sind große Gedankengebäude, und vermutlich laufen nur wenige Menschen mit einem detaillierten und ausgefeilten Geldmodell im Kopf herum. Aber irgendeine Idee haben wir alle im Kopf – mag sie auch vager, poetischer, banaler sein. Unser Umgang mit Geld ist davon bestimmt, welche Vorstellungen wir vom Leben und von der Welt haben. Es geht nicht darum, die Theorien von Marx oder den Verfechtern des freien Marktes schlicht zu übernehmen oder zurückzuweisen. Vielmehr können ihre Ansichten der Anstoß zu der Frage sein: Was ist eigentlich meine Geldtheorie? Damit sind wir bei einem zentralen Thema dieses Buches: Es soll Ihnen dabei helfen, Ihre eigenen Vorstellungen zu entwickeln, was Geld für Sie bedeutet und welche Rolle es in Ihrem Leben spielt.

II Über Geld nachdenken

1 Worum geht es bei Geldsorgen wirklich?

Geldsorgen lassen sich grob in vier Kategorien einteilen:

1.Ohne Geld wird mein Leben beschwerlich und mühsam sein. Ich muss mich schämen, weil ich nicht genug Geld habe, um mich gegen Unvorhergesehenes zu wappnen. Ich werde einen niedrigen Status haben.

2.Ich werde einen erheblichen Teil meiner Lebenszeit damit verbringen, genug Geld zu verdienen, um mich über Wasser zu halten. Diese Zeit ist zwar nicht verschwendet, aber dadurch bleibt mir sehr viel weniger Zeit, als mir lieb ist, um mich selbst zu verwirklichen und lohnende Dinge in Angriff zu nehmen. Ich muss mir unablässig Gedanken über Kreditkarten und die Rückzahlung von Schulden machen – anstatt mich mit Wichtigerem zu beschäftigen. Außerdem ist Geld eine extrem unsichere Angelegenheit. Man spart und spart, und dann kommt es zu Turbulenzen auf den Märkten und von heute auf morgen ist alles weg.

3.Viele wunderbare Dinge, die ich mir wünsche, werden mir ewig versagt bleiben. Ich werde niemals ein schönes Haus besitzen, ein elegantes Auto fahren, meine Traumreise machen und die wohlige Wärme und Leichtigkeit erleben, die in meiner Vorstellung mit finanzieller Sicherheit einhergehen. Und das macht mich wütend auf mich selbst und auf die Welt. Ich habe Angst, dass ich im Leben scheitern werde und dass dieses Scheitern mit meiner Unfähigkeit zu tun hat, besser mit Geld umzugehen.

4.Geld ist wie ein Virus. Um des Geldes willen tun Menschen schreckliche Dinge. Geld scheint einer Logik zu folgen, die sich weder um Leistung noch Gerechtigkeit schert. Es gibt anscheinend so etwas wie ein Schicksal, das ohne nachvollziehbaren Grund dafür sorgt, dass der eine als Bettler auf der Straße landet, während der andere dicke Gewinne an der Börse macht. Gegenüber diesem System fühle ich mich ohnmächtig – weder ich noch irgendjemand sonst kann etwas daran ändern.

Bevor wir etwas gegen unsere Sorgen unternehmen können, müssen wir sie zunächst verstehen. Woher kommen diese diffusen Sorgen? Was steckt dahinter? Wovor haben wir eigentlich Angst? Wenn es uns gelingt, unsere Sorgen in konkrete Fragen zu fassen, bringt uns das einen wichtigen Schritt weiter. Voraussetzung ist allerdings, dass wir die richtigen Fragen stellen.

Von Geldsorgen werden wir geplagt, weil wir keine zufriedenstellenden Antworten auf die ihnen zugrundeliegenden Fragen haben:

1. Wofür brauche ich Geld? Anders ausgedrückt: Was ist mir wichtig?

2. Wie viel Geld brauche ich tatsächlich?

3. Wie kann ich mir dieses Geld am leichtesten verschaffen?

4.Welche wirtschaftlichen Verpflichtungen habe ich gegenüber anderen?

Diese Fragen zielen unmittelbar auf die Sorgen ab, die unser Ausgangspunkt waren. Es sind keine leichten Fragen, aber es gibt konkrete Antworten darauf.

Von Natur aus neigen wir dazu, von einer Sorge zur nächsten zu stolpern. Wir wechseln sozusagen das Thema, drehen uns dabei jedoch im Kreis.

(© Joana Niemeyer 2011.)

Ein erstrebenswerteres Ziel hingegen ist, Sorgen nicht aus dem Weg zu gehen, sondern sie in echte Fragen umzuwandeln:

(© Joana Niemeyer 2011.)

Vielleicht finden Sie es ein wenig pedantisch, dass ich das so stark betone. Aber es ist ein enorm wichtiges Prinzip. Solange wir uns nicht klarmachen, dass unsere Geldsorgen auf einer Reihe grundlegender Fragen beruhen, werden wir niemals einen Schritt weiterkommen. Diese grundlegenden Fragen betreffen unsere Werte, unseren Lebensstil und unser Weltbild. Die Sorgen, die wir mit Geld verbinden, haben ebenso viel mit Psychologie zu tun wie mit Ökonomie – mit unserem Charakter ebenso wie mit unserem Kontostand.

Unsere erste Aufgabe besteht also darin, uns unsere Sorgen bewusst zu machen und sie jeweils auf eine zugrundeliegende Frage zurückzuführen. Gut möglich, dass Ihnen Ihre Sorgen auf den ersten Blick ziemlich diffus erscheinen. Ich weiß ganz oft selbst nicht so genau, worüber ich mir eigentlich Sorgen mache. Aber das bedeutet nicht, dass mein Kummer keine Ursache hätte. Ich bin mir über diese Ursache nur nicht so ganz im Klaren.

Zum Beispiel mache ich mir ziemlich häufig Sorgen über Geld, wenn ich mir mein Auto anschaue. In den zehn Jahren, die ich es nun besitze, haben sich eine ganze Menge kleiner Macken und Kratzer angesammelt. Es gibt ein seltsames Quietschen von sich, die Scheibenwischer stottern über die Windschutzscheibe, und die Plastikverkleidungen zum Schutz der Radkästen haben sich schon vor geraumer Zeit verabschiedet. Auf einer Seite hat es eine Delle, weil ich beim Rückwärts-Einparken in einer Tiefgarage einmal nicht aufgepasst habe. Aber es fährt, und es bringt mich zuverlässig von A nach B. Und ein neues kann ich mir nicht leisten.

Aber irgendein Teil meines Gehirns sagt mir, dass dies nicht das Auto ist, das ich verdiene. Eigentlich hätte ich viel lieber einen aufregenderen, schnittigeren oder einfach nur exklusiveren Wagen. Sooft ich auf dem Parkplatz meines Tennisclubs parke, bin ich erleichtert, wenn noch ein paar andere gewöhnliche Autos herumstehen, und (wie ich leider zugeben muss) verärgert über den Anblick eleganterer Wagen.

Wenn ich mir mein Auto anschaue, mache ich mir Sorgen über Geld. Aber was ist der Grund dafür?
(Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Julian Scheffer.)

Der Grund für meine Sorgen ist die Befürchtung, dass ich niemals ein schöneres Auto besitzen werde. Ich werde mir niemals einen fahrbaren Untersatz leisten können, mit dem ich wirklich zufrieden bin.

Bei näherer Betrachtung hat diese Angst ziemlich wenig mit meinem Auto zu tun, sondern ziemlich viel mit meiner Phantasie und meiner Beziehung zu meinen Mitmenschen. Was genau ist es also, worüber ich mich sorge? Wenn ich genauer darüber nachdenke, dann macht mir Sorgen, dass ich nicht ordentlich auf meine Sachen achtgebe. Hätte ich mich besser um mein Auto gekümmert, könnte es noch immer gut in Schuss sein. Und ich müsste mir keine Sorgen machen, weil es zehn Jahre alt und ein absoluter Durchschnittswagen ist. Wenn ich mein Auto anschaue, dann sehe ich (wie mir jetzt klar wird) das Ergebnis einer gewissen Faulheit – aus der heraus ich kleine Reparaturen ewig vor mir herschiebe, nie die Rückbank aufräume usw. Meine Sorge gilt eigentlich meinem Charakter. Und der Kauf eines neuen Wagens – der mein Budget schwer belasten würde – hätte keineswegs zur Folge, dass ich besser auf mein Auto aufpassen würde. Ich glaube, was die Aussicht auf ein neues Auto so verlockend macht, ist die Idee des Neuanfangs: Beim nächsten Mal, verspreche ich mir insgeheim, werde ich gut auf meinen Wagen achtgeben. Aber das ist eine Selbsttäuschung. Wenn ich das bisher nicht geschafft habe, warum sollte es mir dann jetzt plötzlich gelingen?

Dass der »Gegenstand« einer Sorge in vielen Fällen alles andere als eindeutig ist, ist ein ganz entscheidender Punkt. Denn daraus folgt wie gesagt, dass die eigentliche Aufgabe darin liegt, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, sondern erst einmal nachzudenken.

Nehmen wir ein anderes Beispiel: Jedes Mal, wenn ich an ein ganz bestimmtes Grand Hotel in Venedig denke, erfasst mich eine innere Unruhe. Beim Gedanken an dieses unglaublich elegante, bezaubernde und sündhaft teure Hotel bin ich niedergeschlagen und frustriert. Mit Abscheu denke ich an mein schmales Konto. Ich werde es mir niemals leisten können, in diesem Hotel zu übernachten. Natürlich gibt es tausend Dinge, die ich mir nicht einmal im Traum leisten kann, und tausende Hotels der gehobenen Preislage. Warum löst gerade dieses eine Hotel so viele Gefühle aus bei mir?

Während ich darüber nachdenke, wird mir gerade zum ersten Mal bewusst, dass ich dieses Hotel mit historischen Persönlichkeiten assoziiere, die ich bewundere. Ich glaube, John Ruskin hat dort übernachtet, und soweit ich weiß auch der Schriftsteller Cyril Connolly und der Historiker Kenneth Clark. Mit diesem Hotel verbinde ich die Hoffnung: Du kannst so sein wie sie. Wobei dieser Gedanke bei Licht betrachtet natürlich albern ist. Durch eine Übernachtung im selben Hotel würde ich meinen Vorbildern kein bisschen ähnlicher werden, zumindest nicht in den Punkten, auf die es ankommt. Damit liegt der Schluss nahe, dass es bei meinen Ängsten im Grunde genommen gar nicht um Geld geht. Meine wahre Sorge ist, dass ich im Vergleich zu diesen von mir bewunderten Menschen nicht zielstrebig und mutig genug bin. Es ist lohnenswert, sich mit diesen Ängsten auseinanderzusetzen. Aber ein Luxushotel wird dabei keine große Hilfe sein.

Eine weitere Geldsorge, die mich umtreibt, lautet: Was, wenn meine Kinder später nicht genug Geld verdienen? Ich überlege mir, wie ich schon jetzt etwas ansparen könnte, damit sie abgesichert sind. Wenn ich jede Woche einen kleinen Geldbetrag zurücklege, wie viel wird dann in fünfzig Jahren dank Zins und Zinseszins daraus geworden sein? (Wobei das zugegeben etwas zu weit in der Zukunft liegt, als dass es eine große Hilfe wäre.) Was mir eigentlich Sorgen macht, denke ich mir jetzt, sind ihre innere Unabhängigkeit und die völlige Ungewissheit der Zukunft. Vielleicht werden ihnen Dinge, die mir wichtig sind, ganz egal sein. Ich muss der Tatsache ins Auge blicken, dass ich mir meine Kinder schlicht und einfach nicht als Erwachsene vorstellen kann. Wie soll das kleine Mädchen, das heute im Sandkasten spielt, einmal einen halbwegs gut bezahlten Job finden? Es handelt sich also um eine existenzielle Angst: Meine Kinder werden irgendwann erwachsen sein und das Leben nach eigenen Maßstäben beurteilen. Sie werden sich von mir abnabeln.

Oftmals wissen wir einfach nicht so genau, wo das eigentliche Problem liegt. In den hier beschriebenen Fällen drehen sich meine Sorgen eindeutig nur zum Teil um Geld. In Wirklichkeit sind sie Ausdruck anderer Sorgen: der Angst, zurückgewiesen zu werden, der Sorge um die Zukunft meiner Kinder, der Frage nach meinem Umgang mit der uneingestandenen Hoffnung auf Erfüllung und Erfolg, der Befürchtung, mein Leben könnte zerfasern. Das sind zugegebenermaßen sehr vage Ausgangspunkte. Es ist verlockend, solche Sorgen einfach beiseitezuschieben, weil sie so diffus sind. Doch gerade aus diesem Grund sollten wir ihnen besondere Aufmerksamkeit schenken.