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Felix Anschütz • Nico Degenkolb

Krischan Dietmaier • Thomas Neumann

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Das Beste von belauscht.de

Wilhelm Heyne Verlag

München

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Originalausgabe 11/2012

Copyright © 2012 by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,
Neumarkter Str. 28, 81673 München.

Printed in Germany 2012

Umschlaggestaltung: Eisele Grafik-Design, München

Illustrationen: Lucia Götz

Satz: Der Buchmacher, Arthur Lenner, München

ISBN: 978-3-641-08821-7
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www.heyne.de

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Aller guten Dinge sind drei!

Sie halten gerade das dritte Exemplar einer kleinen Reihe in den Händen, die ihren Anfang vor sechs Jahren in einer Augsburger Studenten-WG nahm. Im Sommer 2006 fingen wir damit an, lustige und originelle Geschichten und Dialoge, die wir und unsere Freunde in den unterschiedlichsten Situationen aufgeschnappt hatten, zu sammeln und auf einer Website zu veröffentlichen. Wir nannten diese Website belauscht.de.

Die Seite erfreute sich rasch immer größerer Beliebtheit, bald beteiligten sich Tausende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an dem Projekt und schickten uns ihre persönlichen „Belauschnisse“ zu. Seitdem reißt der Lauschstrom nicht mehr ab und neben der Website entstanden zwei Bücher und zwei Hörbücher voller kleiner, witziger Alltagsdialoge: Entschuldigung, sind Sie die Wurst? und Nee, wir haben nur freilaufende Eier!

Sechs Jahre nach der Gründung der Seite staunen wir manchmal immer noch darüber, wie lange sich belauscht.de in der schnelllebigen Internetwelt nun schon gehalten hat. Anfangs waren wir nämlich durchaus skeptisch und erwarteten, dass irgendwann, nach ein oder zwei Jahren, sich alles wiederholen und der Reiz des Belauschens langsam abnehmen würde. Glücklicherweise war dem nicht so. Wir werden auch heute immer wieder aufs Neue von der Vielfältigkeit und immer neuen Komik unserer Zusendungen überrascht. Die Wirklichkeit ist Gott sei Dank doch viel origineller, als wir uns sie vorstellen konnten.

Was macht den Reiz von Belauschnissen aus?

Doch warum konnte unsere kleine Idee überhaupt so große Kreise ziehen? Eine Frage, die wir recht schnell beantworten können – weil die Alltagsdialoge nicht nur unglaublich kurzweilig, originell und witzig sind, sondern vor allem eines: authentisch. Im Gegensatz zum Witz oder zur klassischen Comedy-Pointe ist das, was Sie hier in den Händen halten, niedergeschriebene Wirklichkeit – so passiert, irgendwo in Deutschland.

Zugegeben: Die kleinen Geschichten klingen manchmal fast zu verrückt, um wahr zu sein. Doch wir können Sie beruhigen. Wir haben nach einem halben Jahrzehnt und Zehntausenden von Belauschnissen ein gutes Gespür dafür entwickelt, was echt und was kopiert ist. Und manchmal verhält es sich sogar umgekehrt und das Witz-Ei wird zum Belauscht-Huhn, wie folgende Geschichte zeigt.

Im Sommer 2010 bekamen wir folgendes Belauschnis zugeschickt und veröffentlichten es auf unserer Seite:

im namen des hüft-, des taillen- und des brustumfangs

— Berlin. In einem Büro am Gendarmenmarkt.

In der Personalabteilung. Eine halbwegs attraktive Mitarbeiterin (Mitte 20) füllt einen Personaldatenbogen aus, in dem auch die Konfession abgefragt wird. Dort trägt sie die Zahl 34 ein. Der danebensitzende Personalchef schaut die Mitarbeiterin verblüfft an und fragt leicht ironisch:

„Ihre Konfession ist 34?”

Die Mitarbeiterin guckt zerknirscht zurück und sagt:

„Na gut, 36.”

Ein halbes Jahr später erhielten wir eine E-Mail vom Einsender des Dialogs, der uns darauf aufmerksam machte, dass er eben diese Geschichte wortwörtlich auf der Witzeseite eines großen deutschen Herrenmagazins wiedergefunden habe. Da er selbst oben beschriebener Personalchef war, fühlte er sich nun als bloße „Witzfigur“ verunglimpft. Wie es der Zufall wollte, war er auch ein auf Urheberrecht spezialisierter Anwalt und bot uns im gleichen Atemzug an, gegen das Magazin juristisch vorzugehen, um sozusagen die Echtheit des vermeintlichen Witzes einzuklagen. Wir lehnten dankend ab, waren aber dennoch über die Geschichte erfreut – bestätigte sie doch wunderbar einige unserer lang gehegten Annahmen:

Erstens: Beim Witz hört der Spaß schnell auf. Ein Anwalt, der sich als Witzfigur verunglimpft sieht, zum Beispiel. Oder die hartnäckigen und immer wieder geäußerten Vorwürfe, dieses oder jenes Belauschnis sei erfunden, habe einen Bart oder könne gar nicht wahr sein, da es ja schon in der Witzesammlung von Großvater abgedruckt sei.

Zweitens: Das Leben schreibt eben doch die besten Geschichten und vieles, was als alter Witz verschrien ist, hat sich wohl irgendwo und irgendwann genau so zugetragen. Sehr wahrscheinlich wiederholen sich einige Situationen auch immer wieder in ganz ähnlichen Varianten, wie zum Beispiel bei den sogenannten „Urban Myths“, die überall in Deutschland kursieren und uns in regelmäßigen Abständen als „echte“ Belauschnisse zugetragen werden.

Drittens: Wirkung und Charme einer Geschichte hängen stark davon ab, ob diese wirklich passiert ist und man sie sich genau vorstellen kann.

Überzeugen Sie sich am besten selbst – knapp 600 unserer besten Belauschnisse warten auf Sie in diesem Buch. Vielleicht werden Sie ja auch zu einem leidenschaftlichen Lauscher und bekommen Ihr Erlebnis irgendwann von Ihren Enkeln als Witz mit langem Bart erzählt. Der erste Schritt hierzu: ein Klick auf www.belauscht.de.

Felix, Krischan, Nico und Thomas

auf in die schlacht

— Lengerich. In einem Drogeriemarkt.

Es ist nur eine einzige Kasse geöffnet. An dieser hat sich eine sehr lange Schlange gebildet.

Kassiererin (über Lautsprecher): „Bitte besetzen Sie Kasse 3!“

Junger Mann aus der Schlange: „Auf, auf, meine Brüder und Schwestern! Bewaffnet euch mit Schwert und Forke, wir besetzen Kasse 3!“

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Im Fußball wie im richtigen Leben gilt: Ein schneller, gut platzierter Konter lässt alle Abwehrmauern fallen. Die Zuschauer haben in beiden Fällen ihre wahre Freude oder leiden mit demjenigen mit, der da einen eingeschenkt bekommen hat. Ein Großteil der aufgeschnappten Belauschnisse handelt von ihnen, den Schlagfertigen und Gewitzten, denen, die sich auch in Rückstand liegend nicht aus der Ruhe bringen lassen und blitzschnell von verbaler Abwehr auf Angriff umschalten. Ihnen, den Wortkickern des Alltags, jenen, die sich unerwartet zum Jürgen Klopp des Supermarktes aufschwingen und ihr Gegenüber aussehen lassen wie Lothar Matthäus im literarischen Quartett, sind die nächsten Seiten gewidmet. Anpfiff für die Spielmacher von belauscht.de!