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Buch

Oft geben uns die gewöhnlichsten Alltagsdinge die größten Rätsel auf. Kaum jemand kann sich schließlich erklären, warum in der Waschmaschine so oft Socken verschwinden und vor allem – wohin. Wer hat sich eigentlich noch nicht darüber gewundert, dass der Februar so wenige Tage hat und dass der rote Teppich rot ist? Die von Natur aus wissbegierige SAT.1- und Radiomoderatorin Simone Panteleit gibt sich nicht nur mit den Fragen zufrieden. Täglich stellt sie in ihrer erfolgreichen Sendung »Warum? Darum!« im Berliner Rundfunk 91.4 solche Alltagsphänomene vor und gibt endlich Antwort darauf, warum es zum Beispiel keine blauen Gummibärchen gibt und Störche auf einem Bein stehen, warum der Flug nach New York länger dauert als der zurück und warum die Taxis in Deutschland immer beige, in New York aber gelb sind. Hier hat sie 300 ihrer originellsten, lustigsten, spannendsten und überraschendsten Fragen und Antworten zusammengestellt. Endlich muss man sich nicht mehr nur mit einem »Stimmt, warum ist das eigentlich so?« zufriedengeben, sondern bekommt eine gut recherchierte und unterhaltsame Auflösung dazu, die einen wirklich interessiert.

Autorin

Simone Panteleit wusste schon als Vierjährige, dass sie Moderatorin werden wollte. Seit 15 Jahren ist sie bei diversen Berliner Rundfunksendern als Redakteurin, Chefmoderatorin und Morning-Show-Moderatorin tätig. Seit 2008 kann man sie im SAT.1-Frühstücksfernsehen auch sehen. Im November 2010 ging ihre Rubrik »Warum? Darum!« beim Berliner Rundfunk 91.4 täglich auf Sendung.

Simone Panteleit

Warum Socken
immer verschwinden
und wohin

300 spannende Alltagsfragen
aus der Sendung »Warum? Darum!«

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1. Auflage

Originalausgabe März 2013

Wilhelm Goldmann Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

© 2013 Wilhelm Goldmann Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,
Neumarkter Str. 28, 81673 München

Covergestaltung: Uno Werbeagentur, München

Covermotiv: Fine Pic®, München

Redaktion: Dunja Reulein

Satz und Layout: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling / Kim Winzen

CB · Herstellung: IH

ISBN 978-3-641-09094-4
V002

www.goldmann-verlag.de

Papili & Mama

DANKE für ALLES!!

und Carsten: Edemeu!

Vorwort

»Sei nicht so neugierig!«, diesen Satz habe ich als Kind sehr oft gehört. War mir aber egal, ich habe trotzdem immer weiter gefragt, wenn mich etwas interessiert hat. Irgendwann beschloss ich dann: Ich bin gar nicht neugierig, sondern lediglich sehr wissbegierig. Klingt doch gleich viel seriöser und tugendhafter, oder? Aus dieser seriösen Tugend habe ich – und ich danke dem lieben Gott immer noch jeden Tag auf Knien, dass es geklappt hat – meinen Job gemacht.

Seit 1996 kann ich jeden Tag ungeniert Menschen ausfragen und werde auch noch dafür bezahlt.

Ab dem Jahr 2006 bekam ich dann plötzlich selbst Löcher in den Bauch gefragt, von meiner damals vierjährigen Tochter. Aus dieser Not habe ich erneut eine Tugend gemacht, indem wir die Fragen kurzerhand in meine damalige Vormittagssendung beim Radio hievten und dort täglich beantworteten. Das war, leicht pathetisch gesagt, die Geburtsstunde meiner Sendung »Warum? Darum!«. Ich liebe diese Rubrik, die sich mittlerweile zu einer ganzen Sendung gemausert hat. So ziemlich jede Frage aus dem täglichen Leben findet hier ihren Platz, drei Dinge vorausgesetzt: Erstens muss sie mit einem »Warum« beginnen. Das ist die leichteste Übung. Zweitens muss die Frage für Erwachsene nicht so einfach zu beantworten sein. Auch wenn man sich die Antwort mit einem bisschen Nachdenken leicht selbst herleiten kann, ist das im Grunde ein Ausschlusskriterium. Drittens sollte die Antwort spannend, informativ und am liebsten überraschend sein. Wenn es in der Antwort selbst noch eine kleine Geschichte zu erzählen gibt, dann ist es ein (für mich) perfektes »Warum? Darum!«. 300 solcher Fragen und Antworten finden Sie in diesem Buch, und ich hoffe sehr, dass sich bei Ihnen schon beim Lesen der Frage der Neugier-Effekt einstellt: »Stimmt, warum ist das eigentlich so?« und Sie anschließend in der Antwort dann etwas erfahren, das Sie vorher so noch nicht wussten.

Im Anhang finden Sie eine lange Liste mit vielen Buchtiteln und noch mehr Adressen von Internetseiten, aus denen ich viele tolle Anregungen für die »Warums« und wichtige Fakten für die »Darums« gezogen habe. Jede dieser Quellen war für meine Recherche extrem wertvoll, schließlich bin ich keine Wissenschaftlerin, die alle Fragen nach ausgeklügelten Experimenten und jahrelangen Studien selbst beantworten kann, sondern eine Journalistin, die Fakten zusammenträgt und so aufbereitet, dass sie für Sie spannend und möglichst leicht verständlich sind. Ob es mir gelungen ist, müssen Sie beim Lesen selbst entscheiden. Viel Spaß dabei!

Ihre

Simone Panteleit

Kalender

Wenn man wie ich am 29. Februar Geburtstag hat, beschäftigt man sich wahrscheinlich automatisch häufiger mit dem Kalender als andere Menschen. Schließlich bekommt man in drei von vier Jahren zu hören, dass man in diesem Jahr ja gar nicht feiern darf, man wird gefragt, warum es eigentlich Schaltjahre gibt, und man muss ausdiskutieren, warum man (wie ich) am 28. Februar feiert und nicht am 1. März. (Das nur nebenbei: Dieses angebliche »Vorfeiern« hat mir noch nie Unglück gebracht …) Aber der Kalender hat natürlich noch viel mehr spannende Fragen zu bieten: Warum haben Juli und August eigentlich jeweils 31 Tage, obwohl diese Monate doch direkt aufeinanderfolgen? Warum heißt der April »April«? Warum hat der Februar selbst in Schaltjahren nur so wenige Tage? Die Antworten darauf finden Sie in diesem Kapitel.

Warum gibt es Schaltjahre?

Das mit den Schaltjahren ist eine ganz schön komplizierte Angelegenheit. Denn es gibt nicht einfach alle vier Jahre einen 29. Februar! Jahre, die sich durch 100 teilen lassen, wie zum Beispiel das Jahr 1700, sind keine Schaltjahre, obwohl sie ja auch durch vier teilbar sind. Jahre, die sich durch 400 teilen lassen (wie das Jahr 2000), sind wiederum Schaltjahre, das ist quasi die Ausnahme von der Ausnahme. Dass man überhaupt solche Jahre mit einem zusätzlichen Tag braucht, hat astronomische Gründe. Die Zeit, die die Erde braucht, um einmal die Sonne zu umrunden, wurde als ein Jahr definiert. Die Zeit, in der sich die Erde einmal um sich selbst dreht, als ein Tag. Nun hat sich das der Mensch zwar so ausgedacht, nur leider hält sich die Natur nicht ganz an dieses Timing. Denn tatsächlich braucht die Erde für einen Umlauf um die Sonne nicht 365, sondern 365,2424 Tage. Das sind knapp sechs Stunden mehr als »erlaubt«. Würde man keine zusätzlichen Tage »schalten« und diese fünf Stunden, 49 Minuten und drei Sekunden ignorieren, würden wir irgendwann Weihnachten im Hochsommer feiern, weil sich die Jahreszeiten durch den beschriebenen Zeitüberhang immer weiter verschieben würden.

Warum schickt man sich »in den April«?

Wie so oft bei uralten Bräuchen gibt es nicht nur eine Begründung, sondern viele, viele Theorien. Die einen glauben zum Beispiel, dass Aprilscherze bis auf den Augsburger Reichstag von 1530 zurückgehen. Dort sollte unter anderem das Münzwesen geregelt werden. Weil man aus Zeitgründen nicht dazu kam, wurde für den 1. April ein besonderer »Münztag« ausgeschrieben. Aber auch dieser fiel ins Wasser, und viele Spekulanten, die auf diesen Münztag gesetzt hatten, verloren ihr Geld und wurden auch noch ausgelacht. Andere Texte besagen, dass der 1. April früher als der Tag angesehen wurde, an dem der gefallene Engel Luzifer in die Hölle einzog, und dass er deshalb als ein Unglückstag galt, an dem man sich besonders vorsehen müsse. Wieder andere machen einfach das wechselhafte, trügerische Aprilwetter dafür verantwortlich. Am wahrscheinlichsten ist aber folgende Theorie: Da der 1. April wie zum Beispiel auch »Freitag, der 13.« bereits in der Antike als Unglückstag galt, wird vermutet, dass man mit irgendwelchen erfundenen Geschichten das Schicksal austricksen wollte. Denn wenn das quasi »hörte«, dass bereits etwas Unglaubliches passiert war, verschonte es einen hoffentlich mit weiteren solcher Ereignisse.

Warum haben die Monate Juli und August eigentlich jeweils 31 Tage?

Das verdanken wir einem ziemlich eitlen Fatzke, wenn ich das so salopp formulieren darf, und zwar Kaiser Augustus, seines Zeichens von 31 v. Chr. an Alleinherrscher des Römischen Reiches. Richtig, das war der Kerl aus der Weihnachtsgeschichte im Lukas-Evangelium, der sich die Sache mit der Volkszählung ausgedacht hat, weshalb Josef und die schwangere Maria den weiten Weg von Nazareth nach Bethlehem auf sich nehmen mussten. Diesem Kaiser Augustus zu Ehren wurde im Jahre acht v. Chr. der damalige Monat »Sextilis« in »Augustus« umbenannt. Nun kommen wir zur eigentlichen Antwort auf die Frage: Augustus war der Großneffe seines Vorgängers Julius Cäsar, der wiederum Namensgeber des Vormonats Juli war. Augustus ärgerte sich darüber, dass der Monat seines Großonkels einen Tag mehr hatte als sein eigener, und so klaute er dem Februar einen Tag und hängte ihn an den August dran. Damit hatte auch dieser Monat 31 Tage, und Augustus’ Ego war befriedigt. Ich sage es doch: Ein ganz schön eitler Fatzke

Warum heißt der Altweibersommer »Altweibersommer«?

Das Landgericht Darmstadt hat 1989 festgestellt, dass die Verwendung des Wortes »Altweibersommer« durch Radio, Fernsehen und Zeitungen keinen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte von älteren Damen darstellt. Denn: Diese Bezeichnung hat ursprünglich gar nichts mit in die Jahre gekommenen Damen zu tun. Das »Weiber« in »Altweibersommer« geht nämlich zurück auf das Wort »weben«, das früher »weiben« genannt wurde. Gemeint waren damit Spinnweben, die man an schönen Herbsttagen im neblig-dunstigen Sonnenaufgang wegen der dort gesammelten Tautropfen besonders gut sehen kann.

Warum dreht sich die Erde zum Winter hin schneller um sich selbst?

Es klingt wie ein Witz, ist für uns Menschen auch nicht zu spüren, aber Wissenschaftler konnten dieses Phänomen mit einem speziellen Ringlaser tatsächlich nachweisen: Wenn auf der Nordhalbkugel im Herbst die Blätter von den Bäumen fallen, nimmt die Erde an »Fahrt« auf und dreht sich im Winter um eine Tausendstelsekunde pro Tag schneller um sich selbst. Physiker erklären das mit dem sogenannten Drehimpulserhaltungssatz. Der ist furchtbar kompliziert, lässt sich aber gut anhand eines Eiskunstläufers erklären, der eine Pirouette macht. Dabei dreht er sich bekanntlich sehr schnell. Noch schneller wird die Drehung aber, wenn er die Arme an seine Drehachse, nämlich seinen Körper, heranzieht. Genauso rotiert auch die Erde schneller, wenn es auf der Nordhalbkugel Herbst wird und dort die Blätter von den Bäumen fallen. Der Herbst auf der Südhalbkugel fällt deshalb nicht ins Gewicht, weil es dort weniger Landmasse als bei uns gibt, und damit auch weniger Grünzeug, das seine Blätter verlieren kann.

Warum beginnt die Karnevalszeit am 11.11. um 11 Uhr 11?

Warum sich ausgerechnet die Zahl Elf als Zahlensymbol für den Karneval durchgesetzt hat, ist bis heute nicht eindeutig bewiesen, es gibt aber mehrere Theorien. Einige Wissenschaftler sind der Meinung, dass die Zahl Elf mit den Anfangsbuchstaben des Mottos der Französischen Revolution zu tun habe. Das Motto lautete ja »Egalité, Liberté, Fraternité«, und die jeweils ersten Buchstaben ergeben zusammen eben das Wort ELF. Andere glauben, dass die Zahl auf den Narrenspruch »Ey lustig fröhlich« zurückgeht, der 1381 zum ersten Mal auf einem Siegel aufgetaucht ist. Auch hier ergeben die Anfangsbuchstaben des Spruchs ELF. Der Brauch, die Karnevalssaison im November einzuläuten, hat seine Wurzeln in der griechischen, römischen und auch germanischen Tradition. Im November wurde der Götter gedacht, die für die Gaben des Herbstes verantwortlich waren, wie zum Beispiel den Wein. Da der beim närrischen Treiben auch eine nicht unwesentliche Rolle spielt, lag es nahe, den Karnevalsauftakt in den November zu legen.

Warum hat der Februar so wenige Tage?

Seit 153 v. Chr. ist der Februar der zweite Monat des Jahres, der Jahresbeginn wurde vom März auf den Januar vorverlegt. Das heißt im Umkehrschluss: Davor war der Februar der letzte Monat des Jahres. Das erklärt, warum er im Vergleich zu den anderen Monaten so wenige Tage hat: Es blieben einfach nicht mehr übrig, nachdem die meisten Tage des Jahres schon auf die anderen elf Monate (inklusive des »verlängerten« Augusts) verteilt worden waren. Deshalb lag es auch nahe, den Schaltjahrestag ausgerechnet an den Februar anzuhängen: Er war damit lange Zeit der letzte Tag des Jahres.

Warum haben die Maya geglaubt, dass 2012 die Welt untergeht?

Haben sie gar nicht. Das ist ein weitverbreiteter Aberglaube, den pessimistische Esoteriker in die Welt gesetzt haben. Die Maya benutzten drei verschiedene Kalender: einen für rituelle Zwecke, einen für den Alltagsgebrauch und einen Langzeitkalender. Vermutlich war der »Nullpunkt« dieses Langzeitkalenders, also der Beginn ihrer Zeitrechnung, der 11. August 3114 v. Chr. Wenn die Berechnungen der Wissenschaftler stimmen, endet der Langzeitkalender der Maya am 21. Dezember 2012. Die Maya haben nach Überzeugung der Forscher damit aber nicht den Weltuntergang in Verbindung gebracht. Für sie hätte dann einfach eine neue Epoche begonnen, ähnlich wie bei uns in der Nacht vom 31.12.1999, als sich um Mitternacht alle Stellen des Kalenders geändert haben.

Warum ist »Freitag, der 13.« angeblich ein Unglückstag?

Zunächst einmal: Es ist erwiesen, dass gerade an Freitagen, die auf einen 13. fallen, besonders wenig passiert, zumindest auf den Straßen. Der ADAC hat 2009 die Unfallstatistik genau daraufhin untersucht und festgestellt, dass es an diesen Tagen deutlich weniger krachte als an anderen Tagen. Aber warum haben gerade diese Freitage dann so einen schlechten Ruf? Früher glaubte man, dass Adam und Eva an einem Freitag die verbotene Frucht vom »Baum der Erkenntnis« gegessen hätten. Außerdem wurde Jesus an einem Freitag (Karfreitag) gekreuzigt. Somit war dieser Wochentag für die meisten Christen schon mal negativ belegt. Die 13 wiederum galt lange als das »Dutzend des Teufels«. Auch deshalb, weil beim letzten Abendmahl 13 Personen anwesend waren: Jesus und seine zwölf Jünger. Der 13. war Judas, der Jesus später verriet. Da diese beiden Aberglauben an einem Tag zusammenkommen, nahm man früher wie heute an, dass am Freitag, dem 13., besonders viele Unglücke passieren. Das glauben selbst Menschen, die sonst ohne Angst auf dem Sitz mit der Nummer 13 im Flugzeug sitzen, im Hotel das Zimmer mit der Nummer 13 beziehen und auch sonst keine Probleme mit dem Freitag haben. Übrigens: In anderen Religionen wie dem Judentum und in anderen Ländern wie zum Beispiel Japan ist die 13 sogar eine Glückszahl!

Warum heißt der Januar »Januar«?

Der erste Monat des Gregorianischen Kalenders ist nach dem römischen Gott Janus benannt, dem Gott des Anfangs und des Endes. Er hat laut der Sage einen Kopf mit zwei Gesichtern: Eines blickt zurück auf das alte Jahr, das andere auf das neue. Bevor bei uns der Name Januar übernommen wurde, hieß dieser Monat Hartung, Eismonat oder auch Schneemonat. Weil in dieser Zeit Wölfe ihre Paarungszeit haben, die sogenannte Ranzzeit, und leichter zu jagen sind als sonst, wurde der Januar in Osteuropa auch »Wolfsmonat« genannt.

Warum heißt der Februar »Februar«?

Im alten Rom gab es in diesem Monat ein Fest, das »Februa« genannt wurde. Das lateinische Wort »februāre« bedeutet »reinigen« und nimmt Bezug auf die speziellen Riten, die anlässlich dieses Festes zur Sühne und Reinigung durchgeführt wurden. In unseren Breitengraden wurde der Monat bis ins 15. Jahrhundert nur »Hornung« genannt. Das wiederum kommt daher, weil der Rothirsch in dieser Zeit sein Geweih – auch »Gehörn« genannt – abwirft und sich dann ein neues wachsen lässt. Andere Namen für den heutigen zweiten Monat des Jahres (ursprünglich war der Februar der letzte Monat des Jahres!) waren Schmelzmond, Sporkel oder Spörkel, Taumonat oder Taumond sowie Narrenmond.

Warum heißt der März »März«?

Das ist relativ einfach erklärt: In diesem Monat beginnt der Frühling, alles grünt und blüht langsam auf, die Erde erwacht zu neuem Leben, und deshalb wurde dieser Monat im alten Rom nach Martius (Mars) benannt, der nicht nur der Gott des Krieges, sondern auch der Fruchtbarkeit war. Hierzulande sagte man lange Zeit Frühlingsmonat, Märzen, Lenzing, Lenzmond oder auch Lenzmonat.

Warum heißt der April »April«?

Ein schwieriger Fall, der April. Ich habe gleich vier unterschiedliche Theorien gefunden, woher dieser Monat seinen Namen haben könnte. Die eine bezieht sich auf die Tatsache, dass der März früher, vor der Kalenderreform 153 v. Chr., der erste Monat des Jahres war. Der April war somit der »zweite folgende Monat«, auf Lateinisch: »mensis aprilis«. Andere vermuten, dass das lateinische Wort »aperire« bei der Namenswahl Pate gestanden hat. »Aperire« bedeutet »öffnen« und könnte die sich öffnenden Blüten und Knospen im Frühling meinen. Variante Nummer drei besagt, dass der April seinen Namen von »apricus« hat, was »sonnig« bedeutet. Bei Möglichkeit Nummer vier geht der Name zurück auf Aphrodite, die Göttin der Liebe, der Schönheit und der sinnlichen Begierde. Ihr zu Ehren soll der Monat »ap(h)rilis« genannt worden sein. Wenn Sie mich fragen: Das klingt alles sehr plausibel, und ich habe keine Ahnung, was stimmt. Was ich aber weiß, ist, wie dieser Monat hier bei uns früher genannt wurde, nämlich: Wandelmonat, Grasmond, Launing oder auch Ostermond, weil Ostern meistens in diesen Monat fällt.

Warum heißt der Mai »Mai«?

Das ist eigentlich ganz einfach und dann auch wiederum nicht. Denn bei den altrömischen Göttern soll mal einer durchblicken … In einer Quelle habe ich folgenden Satz gefunden: »Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bezieht sich auf den Frühlingsgott Jupiter Maius. Hinter dieser römischen Gottheit steckt aber eine vorrömische Frühlingsgöttin namens Maya, die Göttin der Magie.«1 In einem anderen, nicht weniger seriös wirkenden Internettext wird erklärt: »Maius galt als Beschützer des Wachstums und bildete die sinnverwandte, maskuline Form der ›Großen Göttin‹ Maia, welche die Mutter Erde symbolisierte.«2 Ich sag es Ihnen ganz ehrlich, auch nach der Lektüre von weiteren gefühlten hundert Texten dazu hat sich mir die Beziehung zwischen Maius und Maja nicht final erschlossen. Aber Fakt ist: Irgendwie standen beide Pate für diesen Monat.

Übrigens: Die für den Mai heute noch gerne verwendete Bezeichnung »Wonnemonat« hat eigentlich gar nichts mit »Wonne« zu tun. Sie leitet sich aus dem althochdeutschen Wort »Wunnimanot« ab. Richtig übersetzt wäre das der »Weidemonat«, was auch einen Sinn ergibt, weil in diesem Monat das Vieh wieder auf die Weide getrieben werden konnte. Andere Bezeichnungen waren »Blumenmonat« und »Marienmond«.

Warum heißt der Juni »Juni«?

Dieser Monat verdankt seinen Namen der römischen Göttin Juno. Sie war als Schutzpatronin in Sachen Frauen, Geburt und Ehe unterwegs, oder um es mit Altkanzler Gerhard Schröder zu sagen: Sie war zuständig für das Ressort »Gedöns«. Der Sage nach war sie mit Jupiter verheiratet und die Beschützerin von Rom. Die altdeutschen Namen für den Juni waren Rosenmond oder Rosenmonat (weil in dieser Zeit häufig die Rosen aufblühen) sowie Brachet, Brachmond oder Brachmonat. Diese Bezeichnung geht zurück auf den landwirtschaftlichen Brauch, erst Wintergetreide anzubauen, im Folgejahr Sommergetreide, und anschließend den Boden ein Jahr »brach« liegen zu lassen, damit er sich erholen konnte. Wieder neu wurde er nach diesem »Brach«-Jahr üblicherweise im Monat »Brachet« = Juni bearbeitet.

Warum heißt der Juli »Juli«?

»Fällt kein Tau im Julius, Regen man erwarten muss« oder auch »Bei Donner man im Julius viel Regen noch erwarten muss«: Diese Bauernregeln geben schon einen kleinen Hinweis darauf, nach wem der Juli benannt wurde. Namenspatron war niemand Geringeres als Julius Caesar, nicht nur aus »Asterix und Obelix« und durch viele berühmte Zitate bekannt, sondern zum Beispiel auch, weil er im Jahr 46 v. Chr. die Julianische Kalenderreform durchführte. Bevor man hier bei uns die Bezeichnung »Juli« übernahm, hieß der Monat Bären- oder Honigmonat sowie Heuet, Heuert oder Heumonat. Das kommt daher, Sie ahnen es sicherlich schon, weil in dieser Zeit das Heu gemäht wurde.

Warum heißt der August »August«?

So wie der Monat Juli hat auch der August seinen Namen nicht von einer römischen Gottheit, sondern von dem römischen Kaiser Augustus, der von 27 v. bis 14 n. Chr. regierte und just in diesem Monat sein erstes Konsulat angetreten hatte. Ihm zu Ehren wurde der »Sextilis« im Jahr acht v. Chr. in »Augustus« (deutsch: August) umbenannt. Der Vollständigkeit halber seien auch hier die altdeutschen Namen genannt: Früher sagte man Erntemonat, Ernting, Ährenmonat oder auch Sichelmonat.

Warum heißt der September »September«?

Das lateinische Wort »septem« bedeutet »sieben« und erklärt sich dadurch, dass das Jahr früher mit dem Monat März begann; somit war der September der siebte Monat. Es gab Bestrebungen, dem September einen etwas spannenderen Namen zu verpassen. Im Jahr 86 n. Chr., in der Regierungszeit des römischen Kaisers Domitian, wurde der Monat in »Germanicus« umgetauft. »Germanicus« war Domitians Beiname, weil er bei seinem Expansionsfeldzug gegen einen germanischen Volksstamm (der im heutigen Hessen siedelte) erfolgreich gewesen war. Der Name »Germanicus« hat sich aber nicht durchsetzen können, stattdessen blieb es bei »September«. Hierzulande sagte man lange Zeit Scheiding, Herbstmond, Herbsting, Holzmonat oder auch Engelmonat.

Warum heißt der Oktober »Oktober«?

Es klingt erst mal nicht so spannend: Der Oktober heißt so, weil das lateinische Wort »octo« acht bedeutet und dieser Monat bis zur Kalenderreform 153 v. Chr. der achte Monat des Jahres war. Spannend ist aber die Geschichte hinter der Geschichte: Von 81 bis 96 n. Chr. regierte der römische Kaiser Domitian, der den römischen Beinamen »Germanicus« trug. Ihm zu Ehren wurde im Jahr 86 der September in »Germanicus« und der Oktober in »Domitianus« umbenannt. Durchsetzen konnte sich keiner der neuen Namen. Andere, altdeutsche Bezeichnungen für den Oktober sind Weinmonat, Gilbhart (weil die Blätter in dieser Zeit vergilben), Rosenkranzmonat oder auch Dachsmond.

Warum heißt der November »November«?

Für diesen Monat hat keine römische Gottheit und auch kein Kaiser namenstechnisch Pate gestanden. Der November heißt so, weil das lateinische Wort »novem« neun bedeutet und dieser Monat bis zum Jahr 153 v. Chr. der neunte des Jahres war. Nach der Kalenderreform stimmte das zwar nicht mehr, den Namen behielt man aber trotzdem bei. Bis sich dieser auch bei uns durchsetzte, sagte man zum November Nebelung, Windmond, Windmonat, Wintermonat oder auch Schlachtmond.

Warum heißt der Dezember »Dezember«?

Wenn Sie in der Schule Latein hatten und davon noch ein bisschen was hängen geblieben ist, dann wissen Sie, dass »decem« zehn bedeutet. Wie auch bei den Monaten September, Oktober und November gibt die Zahl im Monatsnamen einen Hinweis darauf, an welcher Stelle er im Römischen Kalender stand. Er war der zehnte des Jahres. Als der Jahresbeginn im Jahr 153 v. Chr. um zwei Monate vorverlegt und der Dezember somit zum zwölften Monat wurde, behielt man den Namen trotzdem bei. Bei uns hieß der Dezember ursprünglich »Julmond«, weil in diesem Monat das germanische Wintersonnenwendefest, das »Julfest«, gefeiert wurde. Nach der Christianisierung wurde der »Julmond« umbenannt in »Christmonat« (wegen der Geburt Jesu, des Christfestes) oder auch »Heilmond« (weil Jesus das Heil bringt). Weitere Bezeichnungen waren »Heiligenmonat« und »Dustermond«.

Warum heißt der Kalender »Kalender«?

Dieser Begriff stammt ab vom lateinischen Wort »calendae«, womit im alten Rom immer der erste Tag eines Monats bezeichnet wurde. Dieser Stichtag war für Geldgeschäfte von großer Bedeutung, an ihm konnte man Kredite aufnehmen, musste sie zurückzahlen oder es wurden Zinsen fällig. Ein Verzeichnis der »calendae« nannte man »calendarium«, was übersetzt »Schuldbuch« heißt. Die Bedeutung wandelte sich im Lauf der Zeit und löste unser veraltetes Wort »Jahrweiser« ab.

Warum wird am 14. Februar der »Valentinstag« gefeiert?

Der 14. Februar verdankt seinen besonderen Namen und die dazugehörige Bedeutung höchstwahrscheinlich Bischof Valentin, der im dritten Jahrhundert n. Chr. in der italienischen Stadt Terni lebte. Angeblich traute er viele Brautpaare, darunter auch solche, die nach kaiserlichem Befehl eigentlich gar nicht hätten heiraten dürfen. Am 14. Februar 269 n. Chr. wurde Valentin auf Befehl von Kaiser Claudius II. wegen seines christlichen Glaubens enthauptet. Da er, wie gesagt, so ein großes Herz für alle Liebenden hatte und die von ihm geschlossenen Ehen besonders glücklich gewesen sein sollen, gilt sein Todestag weltweit als Tag aller Verliebten.

1 S. 34 www.pm-magazin.de

2 S. 34 www.suite101.de, Text von Michael Voigt